Ein Tag im Mittelalter

  • Die Außenaufnahmen fanden im Studio Babelsberg statt. Vergrößern
    Die Außenaufnahmen fanden im Studio Babelsberg statt.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Die Marktszenen wurden im Studio Babelsberg aufgenommen. Vergrößern
    Die Marktszenen wurden im Studio Babelsberg aufgenommen.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Auf dem Markt ist das Gedränge in der engen Stadt besonders groß. Vergrößern
    Auf dem Markt ist das Gedränge in der engen Stadt besonders groß.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Die Vier-Säfte-Lehre ist das Kernstück der Medizin des Mittelalters. Vergrößern
    Die Vier-Säfte-Lehre ist das Kernstück der Medizin des Mittelalters.
    Fotoquelle: ZDF/Jürgen Rehberg
  • Da es keine Kühlmöglichkeiten gab, kauften die Menschen fast jeden Tag auf dem Markt ein. Vergrößern
    Da es keine Kühlmöglichkeiten gab, kauften die Menschen fast jeden Tag auf dem Markt ein.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Der Wundarzt Jakob Althaus (Martin Rother) hat einen der wichtigsten Jobs in der mittelalterlichen Stadt. Vergrößern
    Der Wundarzt Jakob Althaus (Martin Rother) hat einen der wichtigsten Jobs in der mittelalterlichen Stadt.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Im Studio Babelsberg wurden die Außenaufnahmen gemacht. Vergrößern
    Im Studio Babelsberg wurden die Außenaufnahmen gemacht.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Knochenfunde liefern den Beweis: Schon im Mittelalter konnten Schädelverletzungen operiert werden. Vergrößern
    Knochenfunde liefern den Beweis: Schon im Mittelalter konnten Schädelverletzungen operiert werden.
    Fotoquelle: ZDF/Jürgen Rehberg
  • Weil Krankheiten und Seuchen wüten, ist der Wundarzt immer im Einsatz. Vergrößern
    Weil Krankheiten und Seuchen wüten, ist der Wundarzt immer im Einsatz.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Auf dem Markt gehörte Feilschen fast zum guten Ton. Vergrößern
    Auf dem Markt gehörte Feilschen fast zum guten Ton.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Der Wundarzt Jakob Althaus (Martin Rother) ist ein angesehener Bürger. Vergrößern
    Der Wundarzt Jakob Althaus (Martin Rother) ist ein angesehener Bürger.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Körperteile von Toten galten in der Medizin des Mittelalters als besonders wirksames Allheilmittel. Vergrößern
    Körperteile von Toten galten in der Medizin des Mittelalters als besonders wirksames Allheilmittel.
    Fotoquelle: ZDF/Karsten Flögel
  • Hölzerne Unterschuhe (mit Spikes aus Metall) schützten im Mittelalter die Schuhe vor dem Dreck der Straßen. Vergrößern
    Hölzerne Unterschuhe (mit Spikes aus Metall) schützten im Mittelalter die Schuhe vor dem Dreck der Straßen.
    Fotoquelle: ZDF/Jürgen Rehberg
Report, Geschichte
Ein Tag im Mittelalter

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2016
ZDFinfo
So., 25.11.
09:45 - 10:30


Der "Terra X"-Dreiteiler "Ein Tag in..." ist eine ebenso ungewöhnliche wie spannende Zeitreise in den Alltag vergangener Epochen. Diese Folge führt ins mittelalterliche Frankfurt am Main. Das Leben von Kaisern und Königen ist umfassend erforscht und dokumentiert. Der Alltag von ganz normalen Menschen hingegen ist wenig bekannt, steckt aber voller Überraschungen und eröffnet einen neuen, verblüffenden Blick auf unsere Geschichte. Die zweite Folge der "Terra X"-Reihe "Ein Tag in ..." zeigt, wie es gewesen wäre, im mittelalterlichen Frankfurt am Main zu leben. Der Film erzählt einen Tag im Leben des Wundarztes Jakob Althaus im Jahr 1454. Er beginnt mit einem frühmorgendlichen Notfall und endet mit einem nächtlichen Kneipenbesuch. Jakobs Geschichte ist erfunden, und dennoch ist sie wahr, recherchiert und verdichtet aus historischen Biografien und spektakulären Erkenntnissen der Forschung. Während das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als zersplittertes Sammelsurium souveräner Territorien politisch im Mittelalter steckt, schlägt in Frankfurt bereits der Puls der neuen Zeit. Der Tuchhandel und die Messe haben die Stadt zum "Kaufhaus der Deutschen" gemacht, in dem Waren und Wissen aus aller Welt gehandelt werden. Ein gewisser Johannes Gutenberg stellt die technische Revolution der Zeit, den Buchdruck mit beweglichen Lettern, auch in Frankfurt vor. Als bedeutender Steuerzahler ist die freie Reichsstadt nur dem Kaiser untertan. Die Könige lassen sich in Frankfurt am Main wählen und später, wie die Kaiser auch, krönen. Aber die Forscher haben auch herausgefunden, wie weit Frankfurt im Alltag von den Standards einer modernen Stadt entfernt ist. Das tägliche Leben folgt damals dem mittelalterlichen Weltbild einer unantastbaren göttlichen Ordnung der Dinge. Erlasse, berufsständische Regelwerke der Zünfte und Benimmbücher regeln pedantisch den Alltag. Von der Körperhygiene - Ärzte wie Jakob haben sich in jedem Fall aus Gründen der Höflichkeit die Hände zu waschen - bis zum Umgang mit der knöchelhoch stehenden Kloake auf den Straßen. Hat der angesammelte Unrat eine gewisse Höhe erreicht, wird einfach neues Pflaster verlegt. Auf Jakobs Weg zu seinen Patienten erlebt der Zuschauer die beengten Lebensbedingungen in der Stadt. Trickreich bauen die Frankfurter sogar Häuser auf Stelzen, um Wohnraum zu schaffen, ohne wichtige Wege zu verlieren - die ersten Fußgängerpassagen entstehen. Großfamilien samt Tieren und Handwerksgesellen leben auf engstem Raum, praktisch ohne Licht, denn die Fenster werden klein gehalten, damit die Wohnungen nicht auskühlen. Und trotzdem: Die Menschen frieren so sehr, dass das Nutzvieh im Erdgeschoss als tierische Fußbodenheizung dienen muss. Wegen der Dunkelheit sind Unfälle im Haushalt an der Tagesordnung - eine typische Verletzungsursache in der mittelalterlichen Stadt, wie Forscher der Universität von Odense in Dänemark entdeckt haben. Dort befindet sich die größte Sammlung mittelalterlicher Knochen in Europa. Die Funde zeigen aber auch: Die Wundärzte des Mittelalters operieren bereits komplizierte Verletzungen erstaunlich erfolgreich. Wundärzte wie Jakob, der wie die meisten seiner Kollegen seine Lehrjahre auf den Schlachtfeldern Europas verbracht hat, beherrschen sogar Eingriffe am offenen Schädel. Nicht nur das: Ein Forscherteam der Universität von Nottingham entdeckt in einem mittelalterlichen Rezeptbuch die Beschreibung für eine Salbe, die sich in ersten Tests als hochwirksam gegen heutige multiresistente Keime erweist. Es ist ein Alltag voller Widersprüche, den Jakob auf seinem Weg durch die Stadt erlebt: die herzhafte Beschimpfungskultur des Mittelalters, die hohe Gewaltbereitschaft der Bürger in Ermangelung einer Polizei und das bizarr anmutende Bestrafungssystem der "Schandmasken". Gleichzeitig verändert der technische Fortschritt das Leben der Menschen und ihr Denken. Die mechanische Uhr definiert das Zeitverständnis und die Arbeitsbeziehungen neu. Und das kalte Wetter, das die "Kleine Eiszeit" nach Deutschland bringt, setzt den Erfindungsreichtum in Gang: Daunendecken, Glasfenster und Dämmung der Wände schützen seitdem gegen Kälte und Krankheiten im Alltag.


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