Eine Klasse für sich
Info, Zeitgeschichte • 22.11.2020 • 11:20 - 12:05
Lesermeinung
Karl-Heinz Thielen, ehemaliger Fußballer und Manager des 1 FC Köln im Rhein-Energie-Stadion, Köln. Im Film erinnert er sich 
an seine Zeit in den 60ern.
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Anfang der 60er stand der Mini-Rock bei modebewussten Frauen hoch im Kurs. (Archivfoto,  In Miniröcken präsentieren junge Damen ür den Strumpfhersteller Bellinda maßgeschneiderte Strumpfhosen (undatiertes Handout)).
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Rollenverteilung in den 60ern: Der Mann verdiente das Geld, die Frauen blieben zuhause und kümmerten sich um Haushalt und Kinder.
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Karl-Heinz Thielen, ehemaliger Fußballer und Manager des 1 FC Köln im Rhein-Energie-Stadion, Köln. Im Film erinnert er sich 
an seine Zeit in den 60ern.
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Originaltitel
Unser Land in den 60ern
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Info, Zeitgeschichte

Eine Klasse für sich

Bezahlter Urlaub - das war neu! Zu Beginn des Jahres 1963 trat das "Bundesurlaubsgesetz" in Kraft. Auf einmal durften Arbeitnehmer 24 Tage im Jahr verreisen - bei voller Lohnfortzahlung. Die Menschen in NRW packte das Fernweh und sie reisten nach "Bella Italia". Schnell bekam der Küstenort Rimini den Spitznamen "Teutonengrill", denn hier sonnten sich vor allem Deutsche. Wer sich nicht über den Brenner traute, der machte Urlaub in NRW. Beliebtes Ziel: Der Teutoburger Wald mit seinem sagenumwobenen Hermannsdenkmal. Ganz in der Nähe wuchs Wilfried Mellies auf und erlebte mit, wie seine Heimat zur Touristenhochburg wurde. Seine Eltern vermieteten Gästezimmer und der damalige Teenager aus dem kleinen Örtchen Hiddesen zählte mit seinen Freunden Autos, die vor "dem Hermann" einen Parkplatz suchten. Hergestellt wurden viele dieser Autos in Bochum: General Motors eröffnete 1962 auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Dannenbaum ein neues Opel-Werk. Hier bauten rund 11.000 Arbeiter einen ganz neuen Autotyp: den Opel Kadett A. Ein Kleinwagen für die ganze Familie, der dem VW-Käfer Konkurrenz machen sollte. Genauso einen Wagen besitzt Georg Simon aus Dorsten noch heute. Der Münsterländer hat das Auto von seinem Opa geerbt und wieder fit gemacht. Noch immer braust er damit über die Landstraßen, manchmal sogar bis nach Italien. Mit dem Auto fuhren die Nordrhein-Westfalen in den 60ern nicht nur in den Urlaub, sondern vor allem zum Einkaufen - zum Beispiel in den neueröffneten Ruhrpark nach Bochum. Die Parkplatzsuche in der Innenstadt war eine Tortur, doch das neue Einkaufszentrum bot sie kostenfrei für 2500 Kleinwagen. Dazu stolze vierzig Geschäfte, da lohnte sich der Wocheneinkauf. Ihr eigenes Geld ausgeben durften in den 60ern schließlich auch die Frauen. Seit 1962 konnten sie ein eigenes Konto eröffnen. Geld gaben sie natürlich auch für Mode aus: Der Bikini erlebte Anfang der 60er ein Revival und auch der Minirock stand bei modebewussten Damen hoch im Kurs. Freizügigkeit bei den Outfits - aber noch immer Engstirnigkeit bei der Rollenverteilung: Der Mann verdiente das Geld, die Frauen blieben zuhause und kümmerten sich um Haushalt und Kinder. Mit über 1,3 Millionen Babys erreichten die Geburtenzahlen 1964 ihren Höhepunkt. Einen feministischen Lichtblick gab es in der Politik: Else Zimmermann aus Bielefeld wurde die erste Landrätin der BRD. Aber in der Landespolitik hatten nach wie vor Männer das Sagen: Bundeskanzler Konrad Adenauer empfing internationale Staatschefs wie den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und den jungen US-Präsidenten John F. Kennedy. Beim Besuch Kennedys stand NRW Kopf: Zehntausende hielten Spalier am Wegesrand und feierten den jungen Hoffnungsträger aus Amerika. Deutschland war ein wichtiger Bündnispartner. Es war die Zeit des Kalten Krieges und die Bundesrepublik NATO-Mitglied. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, kaufte Außenminister Franz-Josef Strauß beim US-Rüstungskonzern Lockheed den "Starfighter". Einen Abfangjäger, der bei der Verteidigung der Bundesrepublik gegen die Feinde aus Russland helfen sollte. Die ersten Starfighter wurden im Fliegerhorst Nörvenich im Kreis Düren bei Köln stationiert. Ganz in der Nähe - im kleinen Dorf Oberbolheim - lebte auch damals schon Gertrud Kremer. Täglich musste sie den ohrenbetäubenden Lärm ertragen und kämpfte gemeinsam mit den anderen Einwohnern für die Umsiedlung ihres Dorfes. Als 1962 ein Starfighter bei einem Absturz in eine Fabrik in Oberbolheim raste, stimmte der Bund endlich der Umsiedlung zu.
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