Erich Kästner verkörperte wie kaum ein anderer deutscher Autor den Typus des unantastbaren Schriftstellers. Generationen von Lesern sind mit ihm und seinen Büchern aufgewachsen. Mit "Emil und die Detektive" revolutionierte er 1931 die Kinderbuchliteratur. 1899 kam Erich Kästner in Dresden zur Welt. Seine Mutter Ida war schwermütig, immer wieder musste sie der Junge davon abhalten, in die Elbe zu springen. Daraus erwuchs ein ungewöhnlich enges Verhältnis. In der Weimarer Republik stieg Erich Kästner rasch als Redakteur, Schriftsteller und Drehbuchautor auf. Mit seiner klaren Sprache prägte er die "Neue Sachlichkeit". Auch seine kriegskritische Lyrik rief ein weltweites Echo hervor. 1933 musste Kästner in Berlin zusehen, wie seine Bücher verbrannt wurden. Dennoch wandert er nicht aus, veröffentlichte nun unter Pseudonym im Ausland. 1941 schrieb er das Drehbuch für "Münchhausen". Die Gestapo verhaftete ihn, ließ ihn aber wieder frei. In der Nachkriegszeit war Kästner eine moralische Instanz. Doch er konnte an seine früheren Erfolge nicht mehr anschließen, verstrickte sich in Liebesaffären und löschte seinen Frust mit Alkohol. Bis zu seinem Tod 1974 haderte er mit dem Entschluss, nicht ins Exil gegangen zu sein. Das Dokudrama von Annette Baumeister in Starbesetzung ist packend und psychologisch dicht inszeniert. Es wirft einen neuen Blick auf das Bild von Erich Kästner. Neben den Literaturwissenschaftlern Sven Hanuschek und Laura Mokrohs kommen auch die Kinderbuchautorin Cornelia Funke, die Regisseurin Caroline Link und Campino zu Wort.