Das Collège Dora Maar ist eine nagelneue Schule im Problemvorort Saint-Denis nördlich von Paris und so etwas wie ein Territorium der Globalisierung: In der Zusammensetzung der Schülerschaft spiegelt sich die jüngere Geschichte Frankreichs wider. Der französische Filmemacher Eric Baudelaire begleitet eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern über die gesamten vier Jahre am Collège, das bis zum Ende der Sekundarstufe I reicht. Diese wegweisende Phase im Leben der Jungen und Mädchen fällt mit einer einschneidenden Zeit für die französische Gesellschaft zusammen. Der Film, der am Ende herauskommt, ist eine Mischung aus beobachtender Dokumentation und kollektiver Fiktion. Anfangs werden die Kinder gefilmt und interviewt, dann wirken sie zunehmend aktiv an den Dreharbeiten mit, und in der Abschlussklasse übernehmen sie schließlich ganz die Regie. Seine eigene Geschichte erzählen, seinen eigenen Film machen: Das heißt auch, seinen Platz zu finden in einer Gesellschaft, die sich über Erzählungen definiert. In diesem Sinne wäre die Gewinnung erzählerischer Kompetenz ein Schritt auf dem Weg zum mündigen Bürger. Die Gespräche in der Schule drehen sich ums Hier und ums Anderswo, um die fernen französischen Gebiete, in denen Palmen wachsen und die Trikolore flattert, und um Frankreichs Kolonien. Was bedeutet es überhaupt, Französin oder Franzose zu sein? Bei einer improvisierten Tonaufnahme diskutieren die Schüler ihre Auffassungen von Kino und Wirklichkeit. Die Debatte ist lebhaft, fast schon politisch - in Frankreich stehen die Präsidentschaftswahlen an.