Frauen, die Geschichte machten

Ein einfaches Bauernmädchen legt den Harnisch an und wirft sich in den Kampf: "Für Frankreich, den Glauben und den König". Nadja Bobyleva als Jeanne d'Arc in der ZDF-Reihe "Frauen, die Geschichte machten". Vergrößern
Ein einfaches Bauernmädchen legt den Harnisch an und wirft sich in den Kampf: "Für Frankreich, den Glauben und den König". Nadja Bobyleva als Jeanne d'Arc in der ZDF-Reihe "Frauen, die Geschichte machten".
Fotoquelle: ZDF/Christina Rose
Report, Dokumentation
Frauen, die Geschichte machten

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2013
ZDFneo
Di., 22.05.
04:05 - 04:50
Jeanne d'Arc


Sie hatte das falsche Alter und das falsche Geschlecht. Dennoch wurde das Bauernmädchen auf dem Höhepunkt des Hundertjährigen Krieges zur Retterin Frankreichs: Jeanne d'Arc. Eine junge Frau aus dem einfachen Volk, felsenfest von ihrem göttlichen Auftrag überzeugt, setzt sich unbeirrt gegen alle Institutionen durch. Ihre Siege verhelfen dem französischen Dauphin zur Krönung. Am Ende wird sie Opfer eines politisch motivierten Prozesses. Um 1412 in Domrémy, einem kleinen Dorf in der Region Lothringen geboren, war Jeanne d'Arc als Tochter eines freien Bauern wie damals üblich schon früh einem jungen Mann zur Ehefrau versprochen worden. Doch Jeanne weigerte sich. "Innere Stimmen", die sie später als Stimmen des Erzengels Michael, der Heiligen Katharina und der Heiligen Margarethe deutete, hätten ihr geraten, keusch zu bleiben und Frankreich von den Engländern zu befreien. Das französische Königreich befand sich um 1425 in einer katastrophalen Situation: Die Engländer hielten den Nordwesten Frankreichs besetzt, in Paris herrschten Engländer und Burgunder gemeinsam. Zusätzlich war Frankreich durch einen blutigen Bürgerkrieg entzweit. Der französische Thronfolger Karl hatte sich zum König ausrufen lassen, doch schien seine Krönung aussichtslos, da sich der traditionelle Krönungsort Reims in der Hand seiner Feinde befand. Was heute unglaublich klingt, ist damals wirklich geschehen: Die 16-jährige Jeanne verließ ihr Elternhaus in Domrémy und machte sich auf, die Feinde Frankreichs zu vertreiben. Dabei stützte sie sich auf die Legende von der uralten Weissagung des Magiers Merlin, wonach eine "Jungfrau aus dem Eichenwald zur Rettung Frankreichs erscheinen werde". Mit fester Überzeugung, von Gott gesandt zu sein, und großer Hartnäckigkeit gelang es ihr nach Monaten tatsächlich, vor Karl zu treten. "Ich heiße Jeanne die Jungfrau, und Euch tut der König des Himmels durch mich kund, dass Ihr in der Stadt Reims gesalbt und gekrönt werdet", soll ihn das Bauernmädchen angesprochen haben. Karl war tief beeindruckt von der unbeirrbaren Sicherheit, mit der Jeanne auf die Erfüllung ihres göttlichen Auftrages drängte. Nachdem sie langwierige Befragungen erfolgreich überstanden hatte, ordnete er an, Jeanne mit Kriegsleuten und einem ehrenvollen Geleit nach Orléans zu schicken, um die Stadt von den Engländern zu befreien. Die Bauerntochter erhielt eine eigene Rüstung, ein mit Lilien besetztes Banner und ein Schwert, mit dem sie wenig später in die Schlacht zog. Orléans war seit einem halben Jahr von den Engländern belagert, die Lage der Bewohner der Stadt verzweifelt. Schon vor ihrem Eintreffen wurde Jeanne d'Arc als Retterin gefeiert. Tatsächlich gelang ihr - trotz einer schmerzhaften Verwundung an der Schulter - der Sieg. Ihr Ruhm als "Jungfrau von Orléans" verbreitete sich rasch im ganzen Königreich. Ohne formelle Befehlsgewalt hatte sie die Truppen des Thronfolgers mit ihrer Glaubenskraft, ihrem Enthusiasmus und ihrem Sendungsbewusstsein zu einem Erfolg geführt, der mehr war als nur ein Sieg: Nach Jahren der Erniedrigungen und Niederlagen führte er eine entscheidende Wende im Hundertjährigen Krieg herbei. Weitere Schlachten folgten, bei denen es Jeanne gelang, Städte und Schlösser wieder unter die Herrschaft Frankreichs zu bringen. Und schließlich konnte am 17. Juli 1429 Karl in der Kathedrale von Reims zum König gekrönt werden - es war Jeannes glücklichste Stunde. Doch ihr Kriegsglück hielt nicht lange an: Der Angriff auf Paris scheiterte, der Einfluss der "Jungfrau" auf König Karl III. schwand, ihre Neider gewannen die Oberhand. Als sie am 23. Mai 1430 in die Hände ihrer Feinde geriet, hoffte sie auf Rettung durch ihren König. Aber Karl tat nichts, um die "Jungfrau" zu befreien. In Rouen wurde ihr der Prozess gemacht, man klagte sie der Hexerei, des Götzendienstes, des Umgangs mit Dämonen und der "gotteslästerlichen Gewohnheit, Männerkleidung zu tragen" an. Es war ein politisches Tribunal, von den Engländern im Hintergrund gelenkt - Jeanne d'Arc hatte keine Chance. Am 30. Mai 1431 ließ die 19-Jährige auf dem Scheiterhaufen in Rouen ihr Leben. Als die Flammen sie erfassten, soll sie mit lauter Stimme "Jesus!" gerufen haben, bevor sie ihr Haupt neigte und starb. Selbst englischen Soldaten, ihren Feinden, standen Tränen in den Augen. 1456 wurde auf Betreiben Karls III. die Verurteilung Jeannes wieder aufgehoben: "Wir erklären somit die genannte Jeanne als gereinigt und frei von jedem Schimpf und jedem Makel", erklärten die Richter. 1920 wurde die "Jungfrau von Orléans" heiliggesprochen.


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