Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Unterhaltung, Gala
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

ARD
So., 14.10.
10:45 - 12:00
Verleihung an Aleida und Jan Assmann


Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an Aleida und Jan Assmann. Das Ehepaar aus Konstanz gehört zu den bekanntesten Geisteswissenschaftlern der deutschen Nachkriegsgeschichte. Anders als in vorigen Jahren geht der Preis damit in diesem Jahr erstmals nach 1970 wieder an zwei Personen. Der Stiftungsrat begründete seine Entscheidung damit, dass sich das Ehepaar Assmann "in seiner Arbeit seit Jahrzehnten wechselseitig inspiriert und ergänzt". So habe das Paar einen wissenschaftlichen Korpus geschaffen, der sich gemeinsam durchdringt und für die zeitgenössischen Debatten und ein friedliches Zusammenleben von hoher Bedeutung ist. Die 1947 in Bielefeld geborene Aleida Assmann ist Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur englischen Literatur und zur Archäologie der literarischen Kommunikation. Ihren Forschungen zum "kulturellen Gedächtnis" ist es mitzuverdanken, dass Deutschland heute eine Erinnerungskultur hat, die international als mustergültig gilt. Nach Ansicht des Stiftungsrats weise ihr Werk darauf hin, "dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist". Für die Kulturanthropologin ist das auch eine Antwort auf den Holocaust. Nach dem sogenannten "Historikerstreit" von 1986, bei dem es um die Frage nach der Singularität des Holocaust ging, hat sich das Ehepaar Assmann maßgeblich für den Bau des Berliner Holocaust-Mahnmals eingesetzt. Der Ägyptologe Jan Assmann, geboren 1938 in Langelsheim/Harz, lehrte bis zu seiner Emeritierung an der Universität Heidelberg. Besondere Aufmerksamkeit erlangten seine religionswissenschaftlichen Schriften über den Monotheismus. Im Gegensatz zum alten Ägypten, so eine seiner vielbeachteten Thesen, wurde erst mit dem messianisch-heilsgeschichtlichen Glauben an den einen strengen Gott geglaubt und schließlich in seinem Namen gemordet. Die Anfänge dessen sieht Assmann im Auszug der Israeliten aus Ägypten ins kanaanäische Land unter Moses. In seinem 2016 erschienenen Buch "Totale Religion" schlägt Jan Assmann einen Bogen zur aktuellen Diskussion über das Gewaltpotenzial monotheistisch geprägter Gesellschaften. Traditionsgemäß findet die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche am Buchmessen-Sonntag statt. Er wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Der Hessische Rundfunk überträgt die Preisverleihung am 14. Oktober live im Ersten ab 10:45 Uhr sowie im Hörfunk auf hr2-kultur. Die Laudatio an die beiden Preisträger hält in diesem Jahr der deutsch-amerikanische Romanist Hans Ulrich Gumbrecht. Er lehrt Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University und schreibt regelmäßig für FAZ, Die Zeit und NZZ.


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