Mit zehn Jahren kam Hassan Geuad mit seiner Familie als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland. Der mittlerweile 26-Jährige studiert Germanistik und Medienwissenschaften in Düsseldorf und ist glücklich, in Deutschland eine neue Heimat gefunden zu haben. Doch dann trieb er Anfang 2015 mit einer Gruppe junger vermummter Muslime zwei gefangene Männer durch die Essener Innenstadt. Eine Aktion, die beträchtliches Medienecho auslöste und die auf die Gefahren des IS auch in Deutschland hinweisen sollte. Für Hassan und seine Freunde ein großer Erfolg. Hassans Gruppe 12thMemoRise wehrt sich gegen die Vereinnahmung ihrer Religion durch radikale Lehren wie den Salafismus. Vor allem in den letzten Jahren hat der tiefgläubige Muslim die steigende Islamfeindlichkeit in Europa zu spüren bekommen. Zusammen mit seinem Bruder Muhammed und seinen Freunden möchte er für einen friedfertigen, reformierten Islam in Deutschland werben. Als die Gruppe lautstark die islamischen Dachverbände in Deutschland für ihr gefühltes Schweigen zum Terror im Namen des Islam kritisiert, werden sie öffentlich geschmäht und als Verräter bezeichnet. Shitstorms in den sozialen Netzwerken und Todesdrohungen gegen die Gruppe belasten die Arbeit und führen in der Familie, im Freundeskreis und in den Gemeinden zu Konflikten, an denen 12thMemoRise zu zerbrechen droht. Aufgeben ist für Hassan und die jungen Reformer jedoch keine Alternative.