Generation Beat-Club

  • Ihre Recherche führt Hülya (Mina Sadiç) tiefer in die Welt des Dorfes. Vergrößern
    Ihre Recherche führt Hülya (Mina Sadiç) tiefer in die Welt des Dorfes.
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  • Hülja (Mina Sadiç) arbeitet an einem Roman über ihren Vater und besucht das Dorf ihrer Eltern in der Türkei. Vergrößern
    Hülja (Mina Sadiç) arbeitet an einem Roman über ihren Vater und besucht das Dorf ihrer Eltern in der Türkei.
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Report, Zeitgeschichte
Generation Beat-Club

WDR
Mo., 28.05.
23:20 - 00:05


Als das Fernsehen in Deutschland anfing, gab es Sendungen für Erwachsene und bald auch die "Kinderstunde". Für Jugendliche gab es nichts - bis zum September 1965. Dann begann der "Beat-Club", eine ganz neue, provokante Art von Fernsehen, die der Ansager mit folgenden Worten ankündigte: "Liebe Beatfreunde, nun ist es endlich so weit. In wenigen Sekunden beginnt die erste Show im Deutschen Fernsehen, die nur für Euch gemacht ist." Vorsorglich fügte er hinzu: "Sie aber meine Damen und Herren, die diese Beatmusik vielleicht nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis. Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten für junge Leute." Aber die "Damen und Herren" waren alles andere als einverstanden, weder mit dem "Gekreische" und den "langen Zottelhaaren" der Musiker, noch mit den knappen Miniröcken von Moderatorin Uschi Nerke. Die jugendliche Zielgruppe allerdings war begeistert. Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen sahen ihren "Beat-Club" schon bald regelmäßig. Er lieferte die Riffs und den Rhythmus für eine Generation auf der Suche nach sich selbst. Im "Beat-Club"-Studio bei Radio Bremen traten alle Größen der Musikszene live auf: The Who oder The Cream, Jimi Hendrix und Carlos Santana, Deep Purple oder Led Zeppelin bis zu den Trance-Pionieren von Kraftwerk. Regisseur Mike Leckebusch entwickelte nach eher orthodoxen Anfängen in Schwarz-weiß schon bald eine unverwechselbare Bildwelt, die den "Beat-Club" zum Wegbereiter einer neuen, eigenen Fernseh-Ästhetik werden ließ. In frechen Einspielfilmen wurde zudem ein satirischer Blick auf die späten Wirtschaftswunder-Jahre geworfen. Der "Beat-Club" öffnete den Weg zu einer selbstbewussten Jugendkultur und hat eine ganze Generation nachhaltig beeinflusst. In der Dokumentation von Michael Meert und Carl-Ludwig Rettinger erzählen einige der "Beat-Club"-Fans von damals, wie diese Sendung ihren Lebensweg geprägt und begleitet hat. Zum Beispiel Wolfgang Niedecken, der damals in einem streng katholischen Internat den spärlichen Ausgang nutzte, um im "Beat-Club" Anregungen für die erste Schülerband zu finden. Oder Evelyn Frisinger aus Bremen: Sie brachte aus London die ersten Miniröcke mit, versorgte damit zunächst die Go-Go-Girls des "Beat-Club" und schließlich das gesamte Umland. Christian Kunert, damals Mitglied des berühmten Thomaner-Chors in Leipzig, verpasste keine Ausgabe des "Beat-Club", die er allerdings nur mit erheblichen Bild - und Tonstörungen sehen konnte. Auch er wurde Musiker, bei der wichtigsten oppositionellen Band der DDR, der Renft-Combo. Zusammen mit interessanten Ausschnitten des "Beat-Club" entsteht ein ebenso vergnügliches wie erhellendes Zeitdokument. Die sieben Jahre, in denen der Beatclub gesendet wurde, von 1965 bis 1972, waren Jahre des Aufbruchs und des Optimismus. Die Generation Beat-Club hat viel davon mitgenommen.


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