Geraubt, zerlegt und verkauft: Jüdische Kunstsammlungen - oft über Generationen zusammengetragenen - wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland systematisch enteignet. Anhand ausgewählter Fälle zeigt die Dokumentation, wie der Kunstmarkt nach 1933 von der Zwangslange vieler jüdischer Sammler profitierte und vor welchen Schwierigkeiten die Provenienzforschung bei der Suche nach verlorenen Objekten bis heute steht. Die Dokumentation "Geraubte Kunst" erzählt unter anderem das Schicksal der Sammlung von Ernst und Agathe Saulmann, die die jüdischen Textilunternehmer in ihrem Privathaus auf der Schwäbischen Alb, dem Erlenhof bei Reutlingen, einst zusammengetragen hatten. Nach ihrer Flucht ins Exil beauftragten sie ihren langjährigen Kunsthändler Julius Böhler mit dem Verkauf der Sammlung. Während Böhler von diesem und anderen Verkäufen jüdischer Sammlungen profitierte, gingen seine Einlieferer leer aus und wurden 1938 im französischen Konzentrationslager Gurs interniert. Nur wenige Objekte der Sammlung Saulmann konnten bis heute restituiert werden. Neben zahlreichen renommierten Provenienzforschern kommen in der Dokumentation auch der Saulmann-Erbe Felix de Marez Oyens zu Wort sowie der Enkel Julius Böhlers, der die Kunsthandlung seines Großvaters bis heute leitet und kürzlich das Firmen-Archiv zur Erforschung an das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte übergeben hat. Ob sich durch die Digitalisierung dieser wertvollen Quelle weitere Hinweise zum Verbleib verschollener Werke finden lassen, bleibt abzuwarten. Redaktionshinweis: Über 70 Jahre nach Kriegsende ergeben sich heute durch die vorangetriebene weltweite Vernetzung von Archiven für Provenienzforscher ganz neue Möglichkeiten. Neben der Dokumentation "Geraubte Kunst" wird es in der Digitalen Kunsthalle von ZDFKultur eine Ausstellung mit ausgewählten Objekten aus vier jüdischen Sammlungen geben, die alle derzeit mühsam rekonstruiert werden: Die bereits erwähnte Sammlung Saulmann aus Reutlingen, die Kunstsammlung Bleichröder aus Berlin, die Porzellansammlung der Familie Klemperer aus Dresden sowie die Bibliothek des Pianisten Arthur Rubinstein. Anhand von kurzen Filmen und interaktiven Medien werden die Objekte und die Geschichte hinter den Objekten anschaulich erfahrbar gemacht. In Kooperation mit vier renommierten deutschen Kultureinrichtungen - dem Frankfurter Städel, der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin - wurden die verzweigten Geschichten von einzelnen Kunstwerken, Sammlungen und Bibliotheken, die sich ursprünglich im Eigentum jüdischer Bürger befanden und inzwischen restituiert werden konnten, rekonstruiert und medial aufbereitet.