Natur + Reisen, Natur + Umwelt
Gernstl unterwegs in den Süden
Franz Xaver Gernstl hat die Reiselust gepackt. Für eine Alpenüberquerung wählt er kleinere Straßen und entdeckt Menschen und Geschichten, die dem zielstrebig Reisenden verborgen bleiben. "Über allem die Liebe", könnte man diese Etappe von den Dolomiten zum Gardasee überschreiben: Da sind ein Geigenbauer, der aus Liebe zum perfekten Tonholz zum Latemarwald reist, ein junges Paar mit Selbstversorger-Bauernhof und in den Gardasee verliebte Touristen. Die Münchner lieben ihre Badegewässer, besonders aber den südlichsten aller Seen: den Gardasee. In nur vier Autostunden ist er zu erreichen - vorausgesetzt, es haben nicht zu viele andere die gleiche Idee. Aber auch die beschwerlichste Anfahrt lohnt sich, denn der größte See Italiens empfängt den Reisenden augenblicklich mit "la dolce vita", dem italienischen Lebensgefühl. Kein Wunder also, dass der "Lago di Monaco" eines der beliebtesten Reiseziele der Bayern ist. Auch Reporter Franz Xaver Gernstl, Tonmann Stefan Ravasz und Kameramann HP Fischer sind unterwegs von München an den Gardasee. Jedoch nicht auf der Hauptreiseroute, sondern links und rechts der Autobahn auf kleinen Landstraßen. Am Fuß der Dolomiten trifft das Filmteam einen Geigenbauer aus München: Paul Lijsen ist im Latemarwald auf der Suche nach Tonholz für seine Instrumente. Auch Stradivari soll sich in dieser Gegend Holz für seine weltberühmten Geigen besorgt haben. Mit einer speziellen Klopftechnik testet Paul Lijsen, ob aus den Jahrhunderte alten Fichten noch einmal eine solche Ausnahme-Geige entstehen könnte. Ganz im Süden Südtirols liegt die Gemeinde Salurn. Dort betreiben Karoline und Patrick Uccelli einen Bauernhof mit Hühnern, Ziegen, Kühen und Schweinen. Das erklärte Ziel der jungen Quereinsteiger-Landwirte ist es, im Einklang mit der Natur zu leben und sich möglichst mit allen Nahrungsmitteln selbst zu versorgen. Die Reise geht weiter in Richtung Gardasee. Der Norden des Sees ist bei Windsurfern beliebt, und die majestätischen Kalkfelsen locken Kletterer aus ganz Europa an. Als Ende der 1960er-Jahre die ersten deutschen Bergsportler in Arco auftauchten, war auch Hans-Martin Götz unter ihnen. Gemeinsam mit seiner Familie ist er nach Arco ausgewandert und dort Teilzeit-Landwirt geworden. Den Gardasee besucht er aber selten: "Es ist schön, dass er da ist. Aber hingehen muss ich nicht." Ganz im Gegensatz zu Annemarie Ross und Johanna Vogel. Die Zwillinge aus Niederbayern waren schon viele Male am Gardasee und berichten Reporter Franz Xaver Gernstl im idyllischen Torri del Benaco vom legendären "Gardasee-Virus", der Urlauber befalle und zur regelmäßigen Rückkehr an seine Ufer zwinge. Auch Anke Leithäuser, genannt "Hasi", scheint sich mit dem Virus infiziert zu haben. Ursprünglich aus dem Bergischen Land stammend, hat sie ihre alte Heimat vor zwölf Jahren verlassen, um auf den Wochenmärkten rund um den See Currywurst zu verkaufen. "Currywurst können die Italiener nicht - und ihr Bayern auch nicht", meint Hasi. In Bardolino, der Shopping-Hochburg, trifft Franz Xaver Gernstl auf die gebürtige Österreicherin Kalina. Eine Style-Beraterin, die großes Talent entwickelt hat, kauffreudigen Gardasee-Touristen beim Geldausgeben zu helfen. Ihrem verkaufsfördernden Charme erliegt auch Gernstl - und lässt sich von Kalina neu einkleiden. Nur einen Katzensprung von Bardolino entfernt liegt Garda, die Stadt, die dem See seinen Namen gegeben hat. Hier trifft das Gernstl-Team auf Anna und Hans Renner, ein Südtiroler Rentner-Ehepaar, das sich einen Traum erfüllt hat: Die beiden haben ein hochseetaugliches Holzsegelboot von Frankreich an den Gardasee überführt und bieten darauf Ausflugsfahrten für Touristen an. Gratis zur Sightseeingtour bekommt man bei Anna und Hans an Bord allerdings etwas ganz anderes, nämlich Entschleunigung.