Getrennte Eltern - Der Streit um den Unterhalt

  • Heike Pracht bekommt für ihre drei Kinder kaum Unterhalt von ihrem Ex-Mann. Vergrößern
    Heike Pracht bekommt für ihre drei Kinder kaum Unterhalt von ihrem Ex-Mann.
    Fotoquelle: NDR
  • In allen Jugendämtern haben zu wenig Mitarbeiter zu viele Akten, wie hier in Osnabrück. Ein Mitarbeiter hat etwas vierhundert Fälle. Vergrößern
    In allen Jugendämtern haben zu wenig Mitarbeiter zu viele Akten, wie hier in Osnabrück. Ein Mitarbeiter hat etwas vierhundert Fälle.
    Fotoquelle: NDR
  • Detlev Bräunig zahlt seit zwölf Jahren keinen Unterhalt und ist stolz darauf, wie er den Staat austrickst. Vergrößern
    Detlev Bräunig zahlt seit zwölf Jahren keinen Unterhalt und ist stolz darauf, wie er den Staat austrickst.
    Fotoquelle: NDR
Report, Gesellschaft und Politik
Getrennte Eltern - Der Streit um den Unterhalt

NDR
Fr., 08.02.
21:15 - 21:45


"Papa hat Kohle, fährt einen Porsche, hat ein großes Haus": Das erzählen seine Söhne Ben, Tom und Sam. Sie wissen aber auch, dass ihr Vater keinen Unterhalt für sie bezahlt. Denn der Porsche und das Haus gehören angeblich der neuen Frau an Papas Seite. Und er behauptet, seine Geschäfte liefen schlecht. Deshalb könne er den Unterhalt nicht zahlen. Fachleute nennen ein solches Verhalten "sich arm rechnen". Andere Unterhaltspflichtige können tatsächlich nichts zahlen, weil sie wirklich kein Geld haben und arm sind. Kinder sollen aber nicht unter zahlungsunwilligen Eltern leiden. Also springt der Staat ein. Die Jugendämter zahlen bundesweit für aktuell rund 700.000 Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr den sogenannten Unterhaltsvorschuss. Derzeit kostet das den Steuerzahler pro Jahr rund eine 1,5 Milliarden Euro. Der Staat versucht zwar, sich das Geld bei den Unterhaltsverweigerern zurückzuholen. Das gelingt aber nur in etwa 20 Prozent der Fälle. Wahrlich keine Erfolgsbilanz. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Die Ämter stöhnen unter der Last der Neuanträge, sind personell zu gering besetzt. Doch Städte und Kreise haben nichts davon, zusätzliche Stellen im Jugendamt zu schaffen, die das eigene Budget belasten. Denn der Unterhaltsvorschuss ist ein sogenannter "durchlaufender Posten". Das Geld für den Unterhaltsvorschuss kommt vom Bund und den Ländern. Entsprechend fließen die erfolgreich zurückgeholten Gelder wieder zurück. Warum also sollten kommunale Jugendämter zusätzliche Stellen schaffen, die sie selbst bezahlen müssten, um die ausstehenden Gelder einzutreiben, die sie dann doch wieder abführen müssen? Und dann gibt es noch weitere Hürden: Unterhaltspflichtige Eltern müssen zwar einen Arbeitsvertrag vorlegen, und das Finanzamt muss Auskunft erteilen über das Einkommen. Doch Abfragen bei der Bank, was tatsächlich auf dem Konto ist, oder beim Kraftfahrtbundesamt, ob das teure Auto nicht doch dem Kindsvater oder der Kindsmutter gehört, sind nicht möglich. Datenschutz! Dazu kommt: Wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind und den Anstellungsvertrag entsprechend "kreativ gestalten", hat das Jugendamt wenig Chancen. In einschlägigen Internetforen geben sich Väter Tipps und kennen alle Tricks: Manche erwirtschaften als Selbstständige ein Einkommen, das genau unterhalb des sogenannten Selbstbehalts liegt. Oder sie geben vor, arbeitslos zu sein, arbeiten aber schwarz. Es gibt aber auch Eltern, die möchten nicht nur bezahlen, sondern ihre Kinder gemeinsam betreuen: einen halben Monat er, einen halben Monat sie. In diesem Fall fallen kaum Betreuungskosten an. Bei drei Kindern wären das rund 1.000 Euro. Oft geht dann der Streit um die Kinder los, es vermischen sich Unterhalts- und Umgangsrechtsfragen. Einige Eltern verabschieden sich deswegen aus zermürbenden Streitereien, tauchen ab und zahlen gar nichts mehr. Dann zahlt der Steuerzahler. Aber ist das die Lösung?


Werbepause? Zeit für Spielchen!

Das könnte Sie auch interessieren

MDR Anett Hiermeier aus Leipzig sucht ihre Schwester Claudia, geboren im Januar 1988. Sie wurde ihrer Mutter ohne deren Zustimmung als Neugeborenes weggenommen und zur Adoption freigegeben.

Wo ist mein Kind? - Zwangsadoptionen in der DDR

Report | 06.02.2019 | 20:45 - 21:15 Uhr
5/501
Lesermeinung
HR Betende in einer Frankfurter Moschee.

Von Muslim zu Muslim

Report | 08.02.2019 | 00:00 - 00:50 Uhr
/500
Lesermeinung
NDR Getrennte Eltern - Der Streit um den Unterhalt

Getrennte Eltern - Der Streit um den Unterhalt

Report | 09.02.2019 | 08:30 - 09:00 Uhr
/500
Lesermeinung
News
Die Polizisten Süher Özlügül (Sophie Dal, links) und Henk Cassens (Maxim Mehmet) befragen die Friedhofsverwalterin Mina Wimmer (Franziska Wulf) zum Mord en einer Bestatterin.

Dem neuen Friesland-Krimi "Asche zu Asche" geht eines leider komplett ab: Spannung. So kann dann lei…  Mehr

Die 3sat-Reportage "Stars gegen Trump" begibt sich auf die Spuren des prominenten Widerstands.

Die Reportage "Stars gegen Trump – Wächst der Widerstand in NY?" begibt sich auf die Spuren der Anti…  Mehr

Publikum und Presse bejubeln Eddie (Taron Egerton, links) und seinen Trainer (Hugh Jackman).

Skispringen konnte "Eddie the Eagle" nicht so gut – zumindest im Vergleich mit den Profis. Dennoch f…  Mehr

Was für ein Bild: Geteert und gefedert aber glücklich springt Gisele Oppermann Thorsten Legat in die Arme.

Als selbst ernannter Motivations-Guru ist Bastian Yotta im "Dschungelcamp" bei Gisele Oppermann an s…  Mehr

Die 28-jährige Jane aus Idaho leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS). Eine sechsteilige Doku begleitet sie und ihre insgesamt neun unterschiedlichen Persönlichkeiten bei der Suche den Ursachen für ihre Krankheit.

Die sechsteilige A&E-Dokumentation "Wir sind Jane" begleitet eine 28-jährige Amerikanerin, die unter…  Mehr