Große Völker

  • Alhambra, Granada: Gilt als schönstes Beispiel des maurischen Stils in der islamischen Architektur. Vergrößern
    Alhambra, Granada: Gilt als schönstes Beispiel des maurischen Stils in der islamischen Architektur.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Musiker Ziryab mit Laute. Er gründete ein Musikschule für Frauen und Männer in Córdoba. Vergrößern
    Musiker Ziryab mit Laute. Er gründete ein Musikschule für Frauen und Männer in Córdoba.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Christ
  • Alcazabar de los reyes cristianos, Córdoba: Von König Alfons X. an der Stelle eines älteren maurischen Palastes erbaut. Vergrößern
    Alcazabar de los reyes cristianos, Córdoba: Von König Alfons X. an der Stelle eines älteren maurischen Palastes erbaut.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Der britische Historiker Robert G. Hoyland aus dem New Yorker Institute for the Study of the Ancient World während des Interviews für die Folge "Die Araber" im St. Cross College in Oxford. Vergrößern
    Der britische Historiker Robert G. Hoyland aus dem New Yorker Institute for the Study of the Ancient World während des Interviews für die Folge "Die Araber" im St. Cross College in Oxford.
    Fotoquelle: ZDF/Joachim C. Seck
  • Mezquita-Catedral, Córdoba: Moschee, die nach der Reconquista in eine Kirche umgewandelt wurde. Vergrößern
    Mezquita-Catedral, Córdoba: Moschee, die nach der Reconquista in eine Kirche umgewandelt wurde.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Römische Brücke in Córdoba, unter den Arabern einst kulturelles Zentrum Andalusiens. Vergrößern
    Römische Brücke in Córdoba, unter den Arabern einst kulturelles Zentrum Andalusiens.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Toledo: Stadtansicht und Detail Puente de San Martín, Toledo als Zentrum der Bewegung der sogenannten Übersetzerschule. Vergrößern
    Toledo: Stadtansicht und Detail Puente de San Martín, Toledo als Zentrum der Bewegung der sogenannten Übersetzerschule.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Toledo: Ansicht Puente de San Martín, das Zentrum der Bewegung der sogenannten Übersetzerschule. Vergrößern
    Toledo: Ansicht Puente de San Martín, das Zentrum der Bewegung der sogenannten Übersetzerschule.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Windmühle von Consuegra: Araber bringen technische Innovationen nach Europa. Vergrößern
    Windmühle von Consuegra: Araber bringen technische Innovationen nach Europa.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Carazo Mendez
  • Musiker Ziryab mit Laute. 822 kommt er aus Bagdad über Nordafrika nach Spanien. Vergrößern
    Musiker Ziryab mit Laute. 822 kommt er aus Bagdad über Nordafrika nach Spanien.
    Fotoquelle: ZDF/Martin Christ
Report, Geschichte
Große Völker

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2016
ZDFneo
Sa., 09.06.
13:05 - 13:45
Die Araber


Als Förderer der Wissenschaften haben die Araber Europa im ausgehenden Mittelalter entscheidend verändert. Ihre Errungenschaften stehen im Mittelpunkt dieser Folge "Große Völker". Ab dem 8. Jahrhundert gelangt das Wissen der Antike und des Alten Orients nach Europa. Ob in der Heilkunst, der Mathematik, der Astronomie oder der Philosophie - die arabischen Gelehrten sind ihrer Zeit weit voraus und prägen unsere Welt bis heute. "Araber" werden im 9. Jahrhundert vor Christus erstmals die Stämme genannt, die schon seit jeher die arabische Halbinsel bewohnen. Das Wort ist vermutlich von "abara" abgeleitet, was im Arabischen und Hebräischen "umherwandern" bedeutet. Tatsächlich sind damals viele Menschen Nomaden. Andere dagegen sind sesshaft geworden - wie im legendären Königreich von Saba, das durch die Einnahmen aus dem Handel mit Weihrauch und Myrrhe zu Reichtum und Macht gelangt. Trotzdem spielen die Araber auf der großen Weltbühne lange keine Rolle. Sie sind zerstritten, außer ihrer Sprache verbindet sie wenig. Kein gemeinsamer Staat oder Führer eint sie. Noch um 600 nach Christus, als in Deutschland Mönche und Bauern leben und die Könige der Merowinger über die Franken herrschen, spricht kaum ein Mensch von den Arabern. Das ändert sich erst mit dem Religionsgründer Mohammed. Nach Visionen in der Wüste bekehrt er in Mekka und Medina Tausende Menschen, schafft die Vielgötterei ab und eint alle arabischen Stämme im Glauben an den einen Gott: Allah. Mohammeds Nachfolger erobern in nur einem Jahrhundert ein Reich, das von Indien über ganz Nordafrika bis nach Spanien reicht. Bald sind etwa 60 Millionen Menschen ihre Untertanen. Aus Wüstennomaden sind Weltherrscher geworden. Und die Kalifen wissen: Wenn sie diese Rolle ausfüllen wollen, müssen sie sich das Wissen der Welt aneignen. Sie brauchen Mathematiker, um ihre Verwaltung zusammenzuhalten und gewaltige Bauten zu konstruieren. Mediziner, um Leben zu retten und ihre Eliten gesund zu halten. Techniker, Mechaniker und Landwirtschaftsexperten. Wer viel weiß, sind sie überzeugt, wird Erfolg haben. So beginnt von Bagdad bis Córdoba die Blütezeit der arabischen Wissenschaft. Kalifen füllen ihre Bibliotheken mit dem Wissen der Inder, Perser, Griechen und Römer. Sie nehmen Philosophen, Übersetzer, Mediziner, Astronomen, Dichter und Sänger in ihre Dienste. Ob im "Haus der Weisheit" in Bagdad oder an den Medizinschulen Córdobas - oft arbeiten Christen und Juden, Perser, Turkmenen und Nordafrikaner gemeinsam. Es ist eine Zeit der intensiven Forschung, der Innovationen und Sammlerleidenschaft. Die Gemeinschaftssprache, die alle Gelehrten nutzen, ist nun nicht mehr Griechisch oder Latein, sondern Arabisch. Doch dieses goldene Zeitalter endet schon bald. Äußere Feinde und innere Streitigkeiten zerrütten das arabische Reich. Die Weltoffenheit des jungen Islam wird abgelöst von einer Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und eine konservative Auslegung des Glaubens. Nach der Rückeroberung Spaniens durch die Christen geschieht in Andalusien etwas Einzigartiges: Die Wissensschätze der Araber werden ins Lateinische übersetzt und in ganz Europa verbreitet. Die Menschen beginnen, die indischen Zahlen zu benutzen, die wir heute "arabische" nennen. Sie lernen eine fortschrittliche Medizin und nicht zuletzt die antiken Klassiker kennen - von Aristoteles bis Pythagoras. Europa erfährt einen Quantensprung des Wissens, der die rege Forschungstätigkeit der Renaissance maßgeblich beeinflusst. Heute ist der Graben zwischen islamischer und westlicher Welt tiefer denn je. Es scheint, als driften diese Kulturen immer weiter auseinander. Umso mehr sollten wir uns daran erinnern, dass unsere Kultur neben den griechisch-römischen und jüdisch-christlichen Wurzeln noch eine dritte Wurzel hat: die arabische Kultur. Und hoffentlich werden auch in der arabisch-islamischen Welt wieder Stimmen lauter, die daran erinnern, dass es ihre Vorfahren waren, die einst die "Globale Forschung" gefördert haben - den freien Austausch von Ideen über politische und religiöse Grenzen hinweg. Für ein Wissen, das allen Menschen dient.


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