Das Requiem von Hector Berlioz hat nur wenig von der bedrückenden Stimmung einer Totenmesse und trägt vielmehr die Züge eines Heldenepos. Schon die Uraufführung dieses Auftragswerks im Pariser Invalidendom war ein großer Erfolg: "Die Wirkung war vernichtend (...), beim Jüngsten Gericht erzeugten die fünf Orchester und die acht Paar Becken zum Tuba mirum ein unbeschreibliches Entsetzen (...), es war von grandioser Gewalt", so der begeisterte Berlioz. Diese "große Totenmesse" - die Partitur erfordert mindestens 500 Musiker - ist ein Kunstwerk mit hohem emotionalem Gehalt. Der avantgardistische Künstler und unermüdliche Forscher Berlioz will den rein musikalischen Rahmen verlassen und neue Klangwelten schaffen, die stärkere, offensichtlichere Gefühle zu transportieren vermögen. Er will die Zuhörer im wahrsten Sinn des Wortes beeindrucken. Der Gefühlstiefe seiner Musik zu entrinnen und sich vom emotionalen Strudel, den er im Publikum erzeugen will, nicht mitreißen zu lassen, scheint unmöglich. Die in den vier Ecken der Philharmonie verborgenen Trompeten des Jüngsten Gerichts klingen wie der übernatürliche Widerhall der 16 Becken - effektvoll und virtuos beherrscht! Für dieses Ausnahmekonzert in der Pariser Philharmonie im Februar 2019 holte sich das Orchestre de Paris die Verstärkung der jungen Musiker des Orchestre du Conservatoire de Paris, und der Chor des Orchestre de Paris steht gemeinsam mit dem spanischen Chor Orféon Donostiarra auf der Bühne. Das Sanctus interpretiert der Tenor Frédéric Antoun, am Dirigentenpult steht der für seinen Eklektizismus bekannte Spanier Pablo Heras-Casado.