Das Leben und die Zukunft des jungen Tunesiers Hedi wird fast vollständig von anderen vorbestimmt, von seiner Mutter , seinem Bruder Achmed und seinem Arbeitgeber. Einzig beim Zeichnen von Comics findet er etwas Abstand vom eintönigen Alltag und kann sich in eine Fantasiewelt flüchten. Vor allem seine verwitwete Mutter schaut, dass ihr Jüngster das macht, was sie will, und stets in ihrer Nähe bleibt. So hat sie ihm auch die passende zukünftige Braut gesucht: die hinreissende Khedija . Hedi und Khedija kennen sich nun seit Längerem und mögen sich durchaus. Es ist geplant, dass die beiden nach der Hochzeit bei der Mutter im Haus wohnen. Die Vorbereitungen zum grossen Fest laufen auf Hochtouren, alles ist arrangiert, auch Ahmed wird aus Frankreich zurück in die Heimat reisen. Er arbeitet erfolgreich als Ingenieur und hat in der Fremde eine Familie gegründet. Ohne Hedis Wissen hat er für ihn einen neuen Job bei Hedis zukünftigem Schwiegervater organisiert. Doch im Moment ist Hedi noch bei einer Peugeout-Garage im Aussendienst angestellt und den Launen seines Chefs ausgeliefert. So kommt es, dass er ausgerechnet in der Woche vor seiner Hochzeit auf Dienstreise in den Urlaubsort Mahdia muss, wo er endlich aktiv Kunden anwerben soll. In Mahdia angekommen vertröstet ihn der Kunde auf später und lässt ihn vor verschlossenen Türen stehen. Hedi geht an den Strand, er kann die Auszeit gut gebrauchen. Dort lernt er per Zufall Rym kennen. Sie arbeitet als Animateurin in einer von deutschen Touristen frequentierten Ferienanlage, will aber bald ihr Glück in Montpellier suchen will. Die beiden beginnen eine Affäre und plötzlich geht für Hedi eine neue Welt auf. Und er wird vor die Herausforderung gestellt, eigene Entscheidungen zu treffen. «Hedis Hochzeit» ist eine nur scheinbar private Geschichte, die sich zum Panorama einer Gesellschaft im Umbruch, zum Gleichnis über den Abschied von Traditionen erweitert. Der Tunesier Mohamed Ben Attia gewann dafür den Preis für den Besten Debütfilm an der Berlinale und erhielt international viel Kritikerlob. Die «FAZ» meint: «Es ist die geradezu sozialdokumentarische Akkuratesse dieses im erzählerischen Geist des Neorealismus gedrehten Films, die ihn nicht nur zum künstlerischen Ereignis, sondern auch zu einem politischen Zeitzeugnis macht.» Von vielen Kritikern wird auf die Dardenne-Brüder ? die Ben Attias Film koproduzierten ? verwiesen, so etwa von der Zeit: «Hedis Hochzeit ist kein explizit politischer Film. Man müsste nur wenige Drehbuchsätze streichen und hätte die zeitlose Geschichte eines Muttersöhnchens, das sich vergeblich von seiner Familie abzunabeln versucht. Aber es sind gerade die feinen Untertöne, die die Stärken von Ben Attias Film als gesellschaftliche und politische Parabel ausmachen. Die Parallelen zu Filmen der Dardenne-Brüdern, die hier als Ko-Produzenten in Erscheinung treten und Ben Attia beim Drehbuch beraten haben, sind augenfällig.»