Heimatfront - Die Berliner und der Erste Weltkrieg

Report, Geschichte
Heimatfront - Die Berliner und der Erste Weltkrieg

RBB
Di., 30.10.
21:00 - 21:45


Mit der Kriegserklärung an Russland tritt Deutschland am 1. August 1914 in den Krieg ein, der später als der Erste Weltkrieg in die Geschichtsbücher eingeht. Unvorbereitet, kriegsbegeistert, siegesgewiss taumelt die Nation in diesen Krieg. Doch bald sieht die Realität anders aus. In der Hauptstadt Berlin wird nicht geschossen, es fallen keine Bomben, und dennoch ist der Krieg allgegenwärtig. Nicht allein in den Schützengräben kämpfen die Menschen ums Überleben, auch in der Heimat, an der "Heimatfront". Berlin ist in diesen Jahren eine Stadt der Frauen und Kinder. Zahllose Familien sind von einem Tag auf den anderen ohne Ernährer. Väter, Ehemänner sind zumeist an der Front. Viele Kinder werden die nächsten Jahre ohne Vater aufwachsen, manche ihn nie wiedersehen. Gerade die Mütter an der Heimatfront sind enormen Belastungen ausgesetzt: Sie müssen Geld verdienen, die Kinder betreuen und irgendwie genug zum Essen beschaffen. In dem Film "Heimatfront - Die Berliner und der 1. Weltkrieg" erinnern sich fünf Berliner, allesamt über hundert Jahre alt, an diese Jahre. Sie erzählen aus ihrer Kindheit, wie sie ihren Müttern unter die Arme greifen, sie entlasten. Sie sprechen von den Entbehrungen und dem Leid, wenn die Nachricht vom Tod des Vaters eintraf, und berichten von ihren Vätern, die sie manchmal gar nicht oder erst bei Kriegsende kennenlernten. Charlotte Konetznik, Jahrgang 1908, erinnert sich, wie ihre Mutter rohe Kartoffeln auf die Herdplatte rieb, ohne Fett, ohne Speck. Das waren ihre Reibekuchen. Ihren Vater lernt Vera Stangenberg, Jahrgang 1912, erst nach Kriegsende kennen. Ein Fremder steht vor ihr. Zur Nachbarsfrau sagt sie: "Mein Vater ist im Krieg!" Auch Elfriede Brünings Vater ist zum Kriegsdienst eingezogen. Die Mutter näht Tag und Nacht, um die kleine Familie durchzubringen. So zieht Elfriede Brüning, Jahrgang 1910, gewissermaßen ihren Bruder groß. Nur eine "echte" Erinnerung ist Gertrud Pöschel, Jahrgang 1912, an den Vater geblieben. Sie hütet diese wie einen kostbaren Schatz. Wie so viele Kinder wird sie als Halbwaise ohne Vater aufwachsen. Die Mutter heiratet nie wieder, verschließt sich in ihrem Kummer. Herbert Ibold, Jahrgang 1915, überlebt als einziger von vier Kindern die Kriegsjahre. Die Geschwister sterben an Entbehrungen oder sind schwach bei der Geburt. Regelmäßig begleitet er seine Mutter auf den Friedhof. Neben den emotionalen Schicksalen der Zeitzeugen, bewegenden Feldpostbriefen und Tagebucheinträgen geht die Dokumentation auch dem alltäglichen Leben der Kaiserfamilie nach, schildert die hygienischen Bedingungen in den Kriegsjahren, die Schwierigkeiten der täglichen Versorgung, erzählt von Skurrilem, dem Kohlrübenwinter und blickt auf die letzten Kriegstage und den sich abzeichnenden Wandel. Kriegsbegeisterung und Trennungsschmerz, Hoffnung und Tod - all das prägt das Leben an der Heimatfront. Die Entbehrungen und der Hunger dieser Jahre kosten mehr Berlinerinnen und Berliner das Leben als die Bombardements des Zweiten Weltkriegs.


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