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So., 03.06.
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Zirkus in der Krise


Schon als die ersten Zirkuswagen der Familie Scholl auf den neuen Platz rollen, liegt Ärger in der Luft. Ihr Zirkus Busch, einst ein großer Name, ist hier unerwünscht. Ein schlechtes Omen für das neue Gastspiel. Und zugleich sinnbildlich für die Situation, mit der der Traditionszirkus zu kämpfen hat: Zirkus scheint endgültig aus der Zeit gefallen. Mike Scholl (25) kann nachts kaum schlafen. "Seit einiger Zeit schon geht es bei uns bergab", sagt er. Immer öfter kommen ihm jetzt Zweifel. Dass er mit seinen Brüdern und Cousins mehrfach für Akrobatiknummern ausgezeichnet wurde und sogar in der RTL-Show "Das Supertalent" im Finale stand, ändert nichts daran, dass dem Zirkus die Zuschauer fehlen. Egal, wo sie das Vier-Mast-Zelt aufbauen oder wie viel sie täglich trainieren: Von den 700 Plätzen bleibt oft ein Großteil leer. Das Dilemma: Seit sieben Generationen machen die Scholls Zirkus, kennen und können nichts anderes. Doch wie lange kann sich die 15-köpfige Familie noch über Wasser halten? Auch Yvette Scholl macht sich große Sorgen. Als Frau des Direktors kümmert sie sich um das Management des Zirkus, kalkuliert die Finanzen. Ob diesmal genug Zuschauer kommen werden, um die hohen Ausgaben zu decken? Weitermachen, so lange es noch geht - trotz aller Widerstände. Diese Mentalität hat René Scholl (27) verinnerlicht. Vor zweieinhalb Jahren wurde bei dem Artisten ein Hirntumor entdeckt. Damals sagten ihm die Ärzte, er könne froh sein, wenn er noch geradeaus laufen könne. Doch sich schonen oder zuschauen kommt für René nicht in Frage. Weiterhin tritt der Familienvater jeden Tag in der Manege auf. Trotz Zirkuskrise können sich Renés jüngere Schwestern Kimberly (20) und Talina (15) nicht vorstellen, etwas anderes als Zirkus zu machen. Kontakt mit der Außenwelt haben sie nicht. Und doch ist da dieser Reiz, das Fremde kennenzulernen. Zum ersten Mal wollen sie jetzt weg vom Zirkusplatz, für einen Nachmittag alleine in die Großstadt Berlin. Doch schon beim Ticketkauf in der U-Bahn-Station drohen die Zirkusmädchen an den Herausforderungen der ihnen unbekannten Welt zu scheitern. In der modernen Gesellschaft wirkt ihr Zirkus immer mehr wie ein Fremdkörper. Glaubt man Experten, steckte der Zirkus noch nie in einer solchen Krise. Große Namen wie Universal Renz, Barum oder Althoff mussten in den vergangenen Jahren schließen. Das liegt auch daran, dass es im Gegensatz zu anderen Ländern für Zirkusbetriebe in Deutschland keine Unterstützung vom Staat gibt. Hierzulande gilt der Zirkus nicht als Kulturgut, sondern als Gewerbebetrieb. Die Autoren Catherine Wenk und Matthias Wiesel haben den Zirkus Busch aus Berlin begleitet, der von der Familie Scholl geführt wird. Sie zeichnen das Bild eines Berufsstandes, der angesichts konkurrierender Medienangebote und wachsenden Widerstands gegen Tierdressuren ums Überleben kämpft. In ihrem Debütfilm kommen die Autoren den verschiedenen Familienmitgliedern besonders nahe und geben so erstmals tiefen Einblick in eine Gemeinschaft mit ihren ganz eigenen Wertvorstellungen und Regeln, die sich zunehmend unverstanden fühlt und von der anderen Welt abgrenzt.


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