Ein Kindermörder, gespielt von Tobias Moretti, wird nach 15 Jahren Haft entlassen. Der Kripobeamte Wallat (Peter Kurth) soll ihn offensichtlich auf Geheiß des Staatsanwalts observieren. Ein Duell der Giganten.

Schon am Gefängnistor, bei der Entlassung des Kindermörders, stehen sie sich gegenüber: der nach 15 Jahren entlassene Hagenow und sein unerbittlicher Verfolger, der Kripobeamte David Wallat, der nicht an die Veränderung des Verbrechers glauben will. Es ist der Beginn eines hochkarätigen Psychoduells, das trotz seines etwas verkrampften Titels "Im Abgrund" und gelegentlicher Unwahrscheinlichkeiten von den Schauspielern Tobias Moretti und Peter Kurth (Regie: Stefan Bühling) im wahrsten Sinn des Wortes "lebt".

Hagenow kommt bei einem jungen Pfarrer unter, der Kripomann Wallat zieht mit den LKA-Kollegen Lisa (Tinka Fürst) und Eric (Simon Schwarz) in einem Haus gleich daneben zum Observieren ein. Der Pfarrer, den Florian Stetter sehr integer spielt, – er kennt die Gesetze der Resozialisation und glaubt an das Gute im Menschen. Er hat offensichtlich keinen Zweifel an der Wandlung des Mannes, der vor Jahren wegen Totschlags verurteilt wurde, weil er ein Kind entführt und in einer Kiste im Wald vergraben hatte.

Wo ist das zweite tote Kind?

Damals war aber noch ein weiteres Kind verschwunden, das man niemals fand. Wallat war der festen Überzeugung, dass Hagenow auch dieses Kind getötet hatte. Er wird in dieser Meinung bestätigt, als kurz nach Hagenows Entlassung wieder ein Kind verschwindet. Beweise hält Wallat nicht in Händen, doch hofft er, sie durch die beinharte Observierung Hagedorns zu finden, er will ihn bei der erneuten Tat oder deren Vertuschung ertappen.

Mehr noch als Wallat selbst setzt dessen Kollegin Lisa alles daran, Hagenow der ungeklärten Tat von damals und somit auch der Neuen zu überführen. Beide Ermittler entführen den gefesselten Strafentlassenen in eine einsame Waldhütte und setzen ihn dort brutaler Folter aus. Unweigerlich fühlt man sich an den "Fall Metzler" und das gleichnamige Fernsehstück erinnert, in dem es um die Rettung eines entführten Bankiersso hnes und die Frage der von der Polizei angedrohten Folter im Rechtsstaat ging.

An der Grenze zum Diabloischen

Wie gut, dass es da noch einen Dritten im Bunde gibt: Wallats Kollege Eric (Schwarz) ist ein wackerer Anwalt der Menschenrechte, er ermahnt ihn immer wieder, nicht die Grenzen des Rechts und des Humanen zu überschreiten. Dafür, dass aus dieser Dreierkonstellation im Drehbuch (Arndt Stüwe) keine trockene experimentelle Laborsituation erwächst, sorgen einerseits Peter Kurth und Tobias Moretti, die auf jeder Seite bis an die Grenze des Diabolischen gehen, vor allem aber auch eine Kamera, die mit Untersichten im Urwald-Gehölz und in dunklen Räumen für viel Suspense zu sorgen versteht.

Der Film will zumindest ebenso sehr ein Thriller sein wie ein Disput über das Recht der Polizei. So verbeißen sie sich bis zuletzt ineinander wie die Hunde, der Mörder und sein Verfolger. Dass das Ende mit seiner allzu üppig nachgereichten Tatmotiven leicht in Schräglage gerät, sollte man bei der Seltenheit des Thriller-Genres im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einfach mal verzeihen.

Im Abgrund – Sa. 26.09. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH