Den Ausgangspunkt für die Doku-Fiktion bilden Orhan Pamuks Roman "Das Museum der Unschuld" und das gleichnamige Museum, das im Jahr 2012 eröffnet wurde. Sowohl das Museum als auch Pamuks Buch erwecken das Istanbul der 70er Jahre zum Leben. Der Roman handelt von einem reichen Fabrikantensohn, der sich in eine arme Verkäuferin verliebt. Was als Affäre begonnen hat, wird bald zur Obsession, doch das hindert Kemal nicht daran, die Beziehung mit seiner Verlobten fortzuführen. Um seiner Geliebten nahe zu sein, sammelt er die Dinge, die sie berührt - von der Zigarettenkippe bis zur Haarspange. Im Museum ist diese beeindruckende Sammlung scheinbar profaner Alltagsgegenstände in 83 Vitrinen ausgestellt - so viele Kapitel hat auch das Buch. Sie zeugen von der unerfüllten Sehnsucht des jungen Kemal nach seiner Geliebten Füsun. Grant Gees Film erzählt die Liebesgeschichte aus der Perspektive von Ayla, einer Freundin Füsuns aus Kindertagen, die nach langer Zeit in die Bosporus-Metropole zurückkehrt und hier das Museum und seine Exponate entdeckt. Anschließend nimmt der Film den Zuschauer mit auf einen nächtlichen Streifzug durch die Stadt. Der poetische Spaziergang ist eine wehmütige Liebeserklärung an das alte Istanbul, nach dessen einstiger unverwechselbarer Identität sich Pamuk genauso sehnt wie der Romanheld nach seiner Geliebten aus vergangenen Tagen. In der Doku-Fiktion leuchtet eine Fülle von Themen durch, wie die politischen Herausforderungen in der heutigen Türkei und Pamuks vielfältiges Engagement. Auch die gegenwärtige Radikalsanierung und Gentrifizierung Istanbuls sowie die Auswirkungen des komplett veränderten Stadtbilds auf das kollektive Gedächtnis kommen zur Sprache.