Iván Fischer dirigiert Tschaikowskys 4. Sinfonie in einem Konzert mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Januar 2020 im Münchner Herkulessaal der Residenz. Peter Tschaikowsky komponierte dieses Werk im Jahr 1877 - im Jahr der tiefsten Persönlichkeitskrise des Komponisten. Ein mitreißendes Seelenbild, dessen Abgründe hinter einer glanzvollen symphonischen Fassade lauern. Es spiegelt sein Ringen um ein Selbstverständnis in einem kulturellen Umfeld wider, in dem ihm ein Bekenntnis zur eigenen Homosexualität in der Öffentlichkeit vollkommen unmöglich schien. Es war das Jahr, in dem er die Ehe mit einer ihm bis dahin gänzlich unbekannten Frau einging, der Beginn eines Doppellebens, unter dem er so litt, dass er sich nach drei Monaten wieder trennte - wobei die Ehe zeitlebens nicht offiziell aufgelöst wurde. Tschaikowsky fiel in eine tiefe Depression. Es existiert aus seiner Hand eine Art erklärendes Programm, das er zur Vierten Sinfonie schrieb und das zeigt, wie bewusst Tschaikowsky hier sein Erleben und seine Situation in Musik ausdrückt. So schreibt er zum wirbelnd-furiosen Finalsatz: "Wenn du in dir selbst keinen Grund zur Freude findest, schau' auf andere Menschen. Geh' ins Volk."