Kasachstan - Größenwahn und Krise

Report, Dokumentation
Kasachstan - Größenwahn und Krise

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
ZDFinfo
Do., 13.12.
01:30 - 02:15


In Astana, der Hauptstadt Kasachstans, fand vom 10. Juni bis zum 10. September 2017 die EXPO mit dem Thema "Energie der Zukunft" statt. Es war das erste Mal, dass die Weltausstellung in einem Land der ehemaligen Sowjetunion ausgerichtet wurde. Astana plante eine Veranstaltung der Superlative. Mehr als 100 Länder, so viele wie noch nie zuvor, sollten an der EXPO teilnehmen. 36 Pavillons wurden von internationalen Stararchitekten wie Smith und Gil, Zaha Hadid und Coop Himmelb au im futuristischen Design errichtet. Kasachstan ist seit 1991 unabhängig. Es ist das neuntgrößte Land der Erde und reich an Bodenschätzen, vor allem an Erdöl und Erdgas. Präsident Nasarbajew will möglichst schnell den Sprung vom Schwellenland zu einer entwickelten Industrienation schaffen. Da sollen Großveranstaltungen wie die EXPO helfen. Etwa vier bis fünf Milliarden Euro ließ sich die kasachische Regierung das Spektakel kosten. Dass die EXPO über alternative Energien ausgerechnet im Erdölstaat Kasachstan stattfand, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Offiziell hieß es, das zentralasiatische Land wolle sich den Technologien der Zukunft nicht verschließen. Doch der politischen Führung um den "ewigen Präsidenten" Nursultan Nasarbajew dürfte es vor allem um den weltweiten Imagegewinn gegangen sein. Doch längst fließen die Erdöl-Dollars nicht mehr so üppig wie noch vor einigen Jahren. Das Land steckt in einer Wirtschaftskrise. Immer lauter wurde die Kritik an den Milliardensummen, die für das Prestigeprojekt EXPO in der glitzernden Hauptstadt Astana ausgegeben wurden, während große Teile der Bevölkerung arm sind und unter den Folgen der Krise leiden. Doch nach innen regiert die Führung mit harter Hand. Eine Opposition gibt es nur auf dem Papier, und wer die Regierung kritisiert, muss damit rechnen, in Gefangenschaft zu geraten. Wenige Tage vor den Dreharbeiten zu diesem Film wurde der Journalist Janbolat Mamay verhaftet, der in den sozialen Medien gegen Pläne der Regierung angeschrieben hatte. In der Dokumentation kommt seine Kollegin und Ehefrau zu Wort. Sie verurteilt das Vorgehen der Regierung und betont, trotz aller Repression weiter für die Durchsetzung der Menschenrechte in ihrem Land kämpfen zu wollen.


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