Lange geplante Herzoperationen von Kindern werden kurzfristig verschoben. Rettungssanitäter mit jungen Notfallpatienten an Bord wissen nicht, welche Klinik sie anfahren können. Pflegekräftemangel sorgt für unterbesetzte Stationen. Und das Fallpauschalen-System berücksichtigt die zeit- und kostenintensive Behandlung kranker Kinder nicht ausreichend. Warum vernachlässigt unser Gesundheitssystem die Schwächsten, unsere Kinder? An der Haunerschen Kinderklinik in München können in der Intensivstation nur acht von sechzehn Betten belegt werden. Auch in der Kinder-Intensivstation an der Medizinischen Hochschule Hannover stehen 20 Prozent der Betten leer. Der Grund: Pflegekräftemangel. Kranke Kinder müssen abgewiesen werden. Ein weiteres Problem ist das Bezahlsystem im Gesundheitswesen. Die Krankenkassen rechnen nach "Fallpauschalen" ab. Bezahlt wird ein Durchschnittswert, in dem sowohl Diagnostik, Behandlung und Pflege enthalten ist. Doch Gespräche mit Kindern und Eltern dauern länger und brauchen mehr Einfühlungsvermögen und die viel niedrigeren Fallzahlen machen es schwerer, Routinen zu entwickeln. Prof. Klein, Direktor der Haunerschen Kinderklinik München: "Kinder widersetzen sich der Durchtaktung im System, weil sie Kinder sind!" Wenn den 18 Monate alten Viktor bei einer einfachen Blutabnahme zwei Pflegerinnen und seine Mutter halten müssen, ist dieser Personaleinsatz in keiner Pauschale eingepreist. Die Situation spitzt sich zu: In den Krankenhäusern werden Budgets für die zeitintensive Behandlung von Kindern mit komplexen Krankheiten gekürzt, oft nur, um die Vorhaltekosten zu reduzieren. Und wenn 2020 die "generalisierte Pflegeausbildung" kommt, befürchten Ärzte, dass es noch schwerer wird, hochqualifizierte Pfleger für die Kinderstationen zu bekommen. "Diejenigen die keine spezialisierte Ausbildung haben, müssen wir dann über ein oder zwei Jahre qualifizieren", sagt Jochen Scheel, Geschäftsführer von G-Kind. Warum stehen in der Diskussion um unser Gesundheitssystem die Bedürfnisse von Kindern nie im Fokus? Filmautor Autor Stefan Eberlein zeigt, wie Ärzte und Pfleger vergeblich bessere Bedingungen einfordern und wie wenig sie dabei bei der Politik Gehör finden. Prof. Christiane Woopen, Medizinethikerin in Köln, die gerade eine Studie zur Situation herausgebracht hat, sagt: "Es erschreckt, mich, dass wir in (...) einem so reichen Land tatsächlich mit der Gesundheit unserer Kinder in der klinischen Versorgung nicht gut umgehen."