Kopfüber in die 70er Jahre

Reporterin Cathrin Leopold mit Bruno Schmitz, der sich an das Leben in seiner Landkommune in den 70er erinnert. Vergrößern
Reporterin Cathrin Leopold mit Bruno Schmitz, der sich an das Leben in seiner Landkommune in den 70er erinnert.
Fotoquelle: WDR/Betabande
Report, Dokumentation
Kopfüber in die 70er Jahre

WDR
So., 30.12.
16:10 - 16:55
Folge 2, Minipli und Megafon


"Vielleicht einen Rundschnitt? Oder eine kurze Dauerwelle? Am schönsten fände ich für Sie aber eine Außenrolle!" Friseurin Christine Zauner greift fachmännisch in das Haar von Cathrin Leopold. Die wünscht sich einen Haarschnitt aus den 70ern - und das war die Zeit der Friseurmeisterin. "Wir haben uns damals viel getraut", erzählt sie, während die ersten Haare fallen "und das galt nicht nur für die Frisur". Als junge Frau hatte sich Christine Zauner aus ihrem Dorf auf nach Düsseldorf gemacht. Tagsüber frisierte sie die Damen auf der Kö, abends tauchte sie ein in das Nachtleben der unbekannten Großstadt. Cathrin Leopold, geboren in den späten 70ern, taucht wieder kopfüber ein in dieses Jahrzehnt. Sie trifft Menschen, die damals schon erwachsen waren, und lässt sich von ihrem Alltag, von Träumen, Plänen und Sehnsüchten erzählen. In Herne trifft sie die Brüder Richie und Volker Kahl. Die waren damals Bergarbeiterjungs mit breitem Kreuz und großer Klappe - und zeigen ihr, wie man sich damals in der Disco bewegte. Denn an den Wochenenden verwandelten sie sich wie ihr Vorbild John Travolta in die Diskokönige vom Ruhrgebiet und träumten in weißen Anzügen von der großen Karriere als Tanzstars. Im zweiten Teil ihrer Reise erfährt Cathrin Leopold von den Gegensätzen dieser Zeit. Auf der einen Seite wuchs der Wohlstand und die Lust an neuen Dingen: Man leistete sich ausgefallene Möbelstücke aus orangem Plastik, Kleidung mit großen bunten Mustern, Fototapeten und die neuen spritfressenden Sportwagen wie Opel Manta oder Ford Capri. Auf der anderen Seite standen Menschen wie Bruno Schmitz, der in seiner Landkommune all das nicht besitzen und ganz anders leben wollte. Regale aus Apfelsinenkisten statt Designmöbel, selbstangebautes Bioessen statt Tiefkühlkost und Jutetasche statt Plastik. Die Menschen, denen Cathrin Leopold begegnet, sind so unterschiedlich wie ihre Träume, die sie damals verwirklichen wollten: Da ist Siddika Michiels, die mit sechs Jahren als türkisches Gastarbeiterkind nach Mönchengladbach kam. Sie erlebte mit ihren Eltern und fünf Geschwistern, dass man den Türken keine Wohnung vermieten wollte. Sie erzählt, wie sie in der neuen Heimat Freunde fand und als eines der ersten türkischen Kinder in den Siebzigern ein Gymnasium in Mönchengladbach besuchte. Ob auf einer Tour mit dem Bonanzasrad durch Köln mit einem Bonanzafahrrad, auf Streife mit einem Polizisten in Essen, mit Außenwelle im Frisiersalon an der Kö oder beim Grillen im Park mit der türkischen Gastarbeitertochter: Cathrin Leopold taucht kopfüber in die 70er und erlebt, was die Menschen - fernab der großen Politik - damals bewegte, berührte, beschäftigte. Ihr Fazit am Ende ihrer Zeitreise? Die 70er waren ein Jahrzehnt, in dem die Menschen vieles Neues ausprobierten, sich von alten Zwängen befreiten und anders leben wollten, als die Generationen vor ihnen. Vieles, was wir heute ganz selbstverständlich finden, nahm so in den 70ern seinen Anfang.


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