Zum fünften Mal wird mit "Kühn hat zu tun" ein Roman von Bestseller-Autor Jan Weiler verfilmt. Der tragikomische ARD-Krimi zehrt vor allem von seinem Hauptdarsteller.

Zehn Jahre ist es her, dass sein erster Roman den Weg in die Kinos fand. Mit der Verfilmung seines Debüts "Maria, ihm schmeckt's nicht!" lockte Bestsellerautor Jan Weiler eine immer breitere Zuschauer- und Leserschaft an; es folgten Adaptionen der beiden Fortsetzungen sowie 2017 Leander Haußmanns Kino-Umsetzung "Das Pubertier". Dass die fünfte Verfilmung eines Weiler-Werks nun nicht auf der Leinwand, sondern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ihre Premiere feiert, scheint der Thematik geschuldet: Als Krimi mit komödiantischen Einschlägen und Fokus aufs Familienleben des Ermittlers ist "Kühn hat zu tun" schließlich wie für die ARD geschaffen. Grimmepreisträger Ralf Huettner ("Dr. Psycho") inszeniert Weilers Roman von 2015 als tragikomische Milieustudie mit einem fantastischen Thomas Loibl in der Hauptrolle.

Wie schwer es Hauptkommissar Martin Kühn im Leben hat, illustriert bereits eine der ersten Szenen: Während der Ermittler und Familienvater einen Verdächtigen verhört, schickt ihm seine Frau Susanne (Dagmar Leesch) per SMS einen abzuarbeitenden Einkaufszettel. Die kaum zu bewerkstelligende Vereinbarkeit von komplexem Beruf und nicht minder aufreibendem Privatleben liefert den Grundtenor des unterhaltsamen Fernsehstücks. "Kühn hat zu tun" – und zwar so richtig.

Angesiedelt ist die bisweilen absurde Szenerie im eintönigen Einfamilienhaus-Neubauviertel Weberhöhe, in dem Kühn mit seiner Familie lebt. Dort wurde nicht nur die Nachbarstochter Emily (Yolanda Schlagintweit) entführt, sondern auch – direkt hinter Kühns Garten – die Leiche eines Mannes gefunden. Der Kommissar ist womöglich einem Serientäter auf der Spur, zu dessen Erfassung er in der Nachbarschaft bei nett überzeichneten Figuren wie einer Escort-Dame (Kim Riedle), einem Banker (Peter Wolf) und einem Proktologen ermittelt, der sein eigenes Hochzeitsvideo mit einer seiner Untersuchungen überspielt.

Derlei grotesker Humor lässt über die lahme Krimihandlung ebenso hinwegsehen wie die vielschichtige Zeichnung Kühns, der unter eigenartigen Flashbacks, Halluzinationen und sonstigen Symptomen leidet. Man würde es wohl unter Stress verbuchen. Schließlich muss sich der arme Protagonist nicht nur mit einer Lösegeldforderung an die Eltern der Entführten (Robert Stadlober und Lisa Wagner) herumschlagen, sondern auch mit dem Neonazi-Fußballtrainer, der ihm und dem Viertel das Leben zur Hölle macht.

Schlimmer noch: Auch Kühns Sohn Niko (Cedric Linus Eich) lässt sich zu rechten Parolen hinreißen ("Die Ausländer glauben, sie könnten sich alles erlauben"), die Tochter Alina (Marlene Labahn) will zum Geburtstag unbedingt ein Pony und der schmierige Staatsanwalt Hans Globke (Trystan Pütter) behandelt Kühn wie Dreck: "Sie repräsentieren den Bodensatz der Gesellschaft." Zu guter Letzt stellt sich auch noch heraus, dass die auf einem ehemaligen Munitionsfabrikgelände errichtete triste Siedlung, in der Kühn lebt, auf verseuchtem Boden steht. Der Wert des Hauses sinkt rapide.

Huettner überträgt das angespannte Chaos des Romans lustvoll und mitleiderregend ins bewegte Bild – und schafft es gar, den Dialogwitz und Einfallsreichtum um so manche wie für den Film gemachte Slapstikszene zu erweitern. Mit einem anderen Hauptdarsteller als dem fantastischen Thomas Loibl wäre das womöglich kaum gelungen. Eine mögliche Reihe darf vermutet werden: 2018 veröffentlichte Jan Weiler den Nachfolger "Kühn hat Ärger".


Quelle: teleschau – der Mediendienst