Das kleine Volk der Warli lebt zurückgezogen im indischen Bundesstaat Maharashtra. Von den Errungenschaften der modernen Technik machen sie nur wenig Gebrauch. Mensch und Natur stehen nach ihrem Glauben in einem geheimnisvollen Dialog zueinander und ihre Muttersprache existiert nicht in Schriftform. Dafür haben die Warli eine ganz spezielle Ausdrucksweise entwickelt, mit der sie ihre Traditionen, Legenden und Geschichten weitergeben: in Bildergeschichten. Die rund 400.000 Menschen vom Volk der Warli leben im Westen Indiens, nördlich von Mumbai. Sie stehen außerhalb des indischen Kastensystems und sprechen ihre eigene Sprache. Erst seit drei Generationen sind sie sesshaft und ernähren sich von Reisanbau, Fischfang und von der Jagd. Bis vor Kurzem lagen die kulturellen Wurzeln der Warli noch ziemlich im Dunkeln, denn ihre Sprache ist nicht schriftlich fixiert. Die Warli geben ihre Traditionen in Bildergeschichten weiter. Die Malereien werden mit leuchtend weißem Reismehl auf dunkelrotem Untergrund auf die Hüttenwände oder heute auch auf Leinwand angebracht. Das Besondere an diesen Bildern ist ihre Beschränkung auf wenige geometrische Grundmuster wie Strich, Kreis oder Vieleck, aus denen in stark abstrahierender Weise Menschen, Tiere und deren Handlungen komponiert werden. Die Bilder werden an besonderen Feiertagen zur Ehre der Familiengötter oder auch zu Hochzeiten angefertigt und sollen durch eine Art Bildmagie das Gemeinschaftsleben beeinflussen, indem sie das Unheil abwehren. Daneben gibt es auch wandernde Bilderzähler, die das Alltagsleben der Warli in seiner ganzen Fülle und in der Begegnung zwischen Göttern, Geistern und Menschen zeigen. Erst, seit die Regierung sich in den 1970er-Jahren verstärkt um den Schutz der kulturellen Eigenheiten der verschiedenen Ethnien Indiens bemühte, wurden auch die Bildgeschichten der Warli im eigenen Land bekannt. Mit Jivya Soma Mashe erreichte ein Warli-Künstler in ganz Indien Popularität und reiste sogar zu Ausstellungen nach Europa. Inzwischen dienen die prägnanten Motive der Warli-Gemälde auch als Werbeträger für die örtliche Tourismuswirtschaft. Filmautor Peter Weinert stellt in dieser Dokumentation die Warli sowohl in ihrem Alltag als auch bei der kunstvollen Herstellung großflächiger Wandbilder vor. Er zeigt ein Volk, das mit ganz und gar archaischen Bildergeschichten erfolgreich seine Identität bewahrt, obwohl es in einem Land lebt, das mit Riesenschritten auf dem Weg zur Hightech-Nation ist.