Fast jeder Zweite in Nordrhein-Westfalen lebt auf dem Land. Und knapp die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Was ist es, dass die Menschen hier leben lässt, fernab von Kino, Theater und Einkaufsmeilen? Sind es die alten, romantischen Dörfer, die unendliche Weite, die eindrucksvolle Natur? Oder warum entscheiden sich Menschen bewusst dafür, auf dem Land zu leben? Die Dokumentation portraitiert mehrere Menschen, wie etwa den Biologen Lutz Dalbeck im Hürtgenwald, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet der Eifel. Im Zweiten Weltkrieg war es beinahe vollständig niedergebrannt, nach dem Krieg musste es mühsam wieder aufgeforstet werden. Heute hat sich die Natur wieder erholt. Lutz Dalbeck kümmert sich darum, dass das auch weiterhin so bleibt. Mit elf Jahren war er zusammen mit seinen Eltern aus der Großstadt ins Dorf gezogen - ein Kulturschock. Mittlerweile sagt er von sich selbst: "Ich bin ein bekennendes Landei." Für ihn ist es die Nähe zur Natur. Vor allem der Schutz der hier ansässigen Biber hat es ihm angetan. Wie er überhaupt findet, dass es in der Rureifel die schönsten Biberteiche Deutschlands gibt, regelrechte Stauseen. Über 100 Biber-Familien leben inzwischen hier. Am Niederrhein in Weeze befindet sich der Hof der Familie Dicks. Die Kartoffelernte steht an. Mit dabei ist Anne, die Tochter von Georg Dick, der auf eine 400-jährige Familientradition zurückblickt. Schon als Kind wollte sie immer dabei sein, wenn ihr Papa auf dem Feld arbeitete. Eines Tages soll sie den Hof übernehmen. Sie kennt das Leben auf dem Land nur zu gut und weiß: Die Natur kennt keine Sonn- und Feiertage. Sie gibt den Takt vor, auch den der Familie. Urlaubstage sind knapp, notwendige Investitionen hoch. Und es gibt viel Papierkram zu erledigen. Doch am liebsten kommt Anne dreckig nach Hause. "Dann sage ich mir, so, jetzt habe ich richtig was gemacht. Es gibt für mich nichts Schöneres." Vereinsleben, Tüfteln in der Scheune, das vertraute soziale Umfeld - es gibt viele Gründe, sich auf dem Land wohl zu fühlen. Aber auch jede Menge Überraschendes: Der gebürtige Dortmunder Schriftsteller Jörg Albrecht etwa hatte der Hauptstadt Berlin den Rücken gekehrt und im Herzen des Münsterlands die künstlerische Leitung der Burg Hülshoff übernommen. Er sagt heute: "DAS Landpublikum gibt es gar nicht. Die arbeiten in Dortmund, sie arbeiten teilweise in Köln und pendeln. Es ist ja eine ganz andere Art von Erfahrungshorizont heute, als das auf einem Dorf vielleicht vor 30, 40, 50 Jahren noch war." Die Dokumentation zeigt: Verschiedenste Menschen machen Landleben aus. Und das Land zu etwas ganz Besonderem.