Leben am Polarkreis

Natur+Reisen, Landschaftsbild
Leben am Polarkreis

RBB
Mo., 03.12.
12:15 - 13:00
Mit dem Zug durch Schwedens Norden


Einsame Weite, lange Winter und in den dunkelsten Monaten des Jahres geht die Sonne überhaupt nicht auf am nördlichsten Rand Europas. Aber das Leben am Polarkreis bedeutet auch: intensive Naturerlebnisse, unendliche Ruhe und das wundersame Schauspiel tanzender kosmischer Strahlungen: das Nordlicht. Eine Bahnstrecke führt vom schwedischen Luleå bis ins norwegische Narvik, vom Bottnischen Meerbusen über den Polarkreis, einmal quer durch Schwedisch Lappland bis ans von Fjorden gesäumte Nordmeer. Der Fischer Lars Okvist ist schon sein ganzes Leben auf einer kleinen, einsamen Insel zu Hause, die im Winter monatelang vom Packeis eingeschlossen ist. Er kann sich kein anderes Leben als auf einer Insel mit acht anderen Bewohnern vorstellen. Ans Festland zieht es ihn nur, wenn es sein muss. Im Winter macht er eine Ausnahme, denn dann ist das Eis so dick, dass man mit dem Auto übers Meer fahren kann. Charlotta Rosengren ist in Göteborg aufgewachsen. Der südschwedischen Großstadt hat sie schon lange den Rücken gekehrt, es zog sie immer in den Norden. Für sie ist klar, dass ihre Tochter am Polarkreis aufwachsen soll, in einem kleinen Örtchen mit deutlich mehr Polarfüchsen als Einwohnern. Ein paar Mal am Tag hält ein Zug, die restlichen Stunden des Tages gehören der Ruhe. Ein Stück weiter entlang der Strecke trifft das Filmteam Vaikko Tuovinen. Er lebt schon sein halbes Leben lang unter der Erde. Die Zugstrecke, die mitten durch die zerklüfteten, kalten Berge an der Grenze zu Norwegen verläuft, wäre wahrscheinlich nie gebaut worden, gäbe es nicht die Minen von Kiruna. Mitten im Nirgendwo liegt unter der Erde eines der reinsten Eisenerzvorkommen der Welt, Rohstoff für den weltberühmten Schwedenstahl. Jeden Tag rollt das Erz in endlosen Waggonreihen zum Hafen von Narvik, der dank des Einflusses des Golfstroms ganzjährig eisfrei ist. Magnus Kuhmunen lebt fast noch so wie seine Vorfahren gelebt haben. Magnus ist Sami. Die Ureinwohner Lapplands leben bis heute von der Rentierzucht, ziehen mit ihren Herden je nach Jahreszeit von den Gletschern des Nordens weiter nach Süden, und im Frühjahr wieder in umgekehrte Richtung. Einiges hat sich dennoch weiterentwickelt. Die Arbeitsgeräte von Magnus sind Hightech-Motorschlitten und Mobiltelefon. Per Kopfhörer und Sprechfunk koordiniert er den Herdentrieb. Von Meer zu Meer braucht der Zug siebeneinhalb Stunden. Dann sind die 473 Kilometer durch eisbedeckte Landschaften, Wälder und einsame Berge zurückgelegt. Schaffner Bertil Marklund fährt diese Strecke mehrmals in der Woche und kann sich keine schönere vorstellen. Denn hier, am Rande des Polarkreises, ist Raum und Zeit für ganz besondere Begegnungen: mit einer rauen, wundersamen Natur und mit Menschen, die darin leben.


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