Leben in der Landkommune

  • Micha (l), Pauline (2.v.l.) mit ihrer Mutter Inka (3.v.l.) sowie Gunda (rechts). Vergrößern
    Micha (l), Pauline (2.v.l.) mit ihrer Mutter Inka (3.v.l.) sowie Gunda (rechts).
    Fotoquelle: HR/WDR/Ines Jacob
  • Gunda zog es von Köln aufs Land. Vergrößern
    Gunda zog es von Köln aufs Land.
    Fotoquelle: HR/WDR/Ines Jacob
Report, Gesellschaft und Soziales
Leben in der Landkommune

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2017
HR
Mi., 22.08.
21:00 - 21:45
Städter wagen den Neuanfang


Weit und breit ist - nichts. Fast nichts. Nur Vogelgezwitscher und höchstens mal ein neugieriger Spaziergänger oder ein geräuschloser Segelflieger auf dem Gelände nebenan. Und die Gemeinschaft "Lebensbogen". Die hat sich im Sommer 2015 mitten in einem Naturschutzgebiet angesiedelt, 20 Kilometer entfernt von Kassel. 18 Erwachsene und zwei Kinder leben in der Gemeinschaft - eine junge Familie sowie Paare und Singles aus ganz Deutschland. "Wir sind wie eine Großfamilie, die sich bei allem unterstützt", sagen sie. Zwischen zwei und 70 Jahre alt sind sie, von Beruf Schreiner, Heilpraktiker oder Prokuristen. Einige arbeiten außerhalb, die meisten jedoch im Projekt, wo sie ein Café und ein Tagungshaus betreiben. Wichtige Entscheidungen werden einmal pro Woche gemeinsam im Plenum getroffen, das Geld, das sie verdienen, fließt in einen gemeinsamen Topf. Gemeinschaftsökonomie nennen sie das. Wer Vermögen hat, kann es gerne einbringen, Pflicht ist das aber nicht. Allerdings muss es dann ruhen, damit alle die gleichen Lebensbedingungen haben. Es gibt hier auf dem Dörnberg viel zu tun für die Bewohner. Die lange leer stehenden Gebäude und das große Gelände haben sie vor zwei Jahren für rund 1,2 Millionen Euro als Genossenschaft gekauft. Das ehemalige Altenheim mit dem Beton-Charme der sechziger Jahre ist von außen grau und hässlich, hat aber eine ideale Struktur mit reichlich Platz. Denn die Gemeinschaft soll noch wachsen, am liebsten auf 50 Erwachsene plus Kinder. Wer Teil davon werden möchte, kann zu Kennenlern-Wochenenden kommen, nach mindestens zwei Wochen wird dann auf beiden Seiten entschieden, ob es Stück für Stück weitergeht. Inka hat diese Kennenlern-Phase hinter sich. Die 34-Jährige ist gerade mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern eingezogen, hat an ihrem bisherigen Wohnort Heidelberg Eltern und Freunde zurückgelassen. "Es gibt noch Abende, da will ich einfach nur in meinem Zimmer bleiben und will niemanden sehen. Und dann wache ich morgens wieder auf und denke, juhuu, schön, dass ich hier bin." Sie hat schon lange von einer Veränderung in ihrem Leben geträumt - und jetzt endlich gewagt, den letzten Schritt zu machen. Raus aus der Stadt mit den anonymen Nachbarn. Raus aus der Kleinfamilie, die alles alleine stemmen musste. Inka freut sich auf ihre Zukunft hier draußen auf dem Land, und sie hofft, dass auch ihre Familie hier gut aufgehoben ist. "Unser ganzes Familienleben ändert sich. Wir wollen hier in der Gemeinschaft die Beziehung Ehe und Eltern und Kind aufrechterhalten, aber trotzdem ist es eben keine Kleinfamilie mehr." Die Filmautorin Ines Jacob hat Inka und ihre Familie in ihren ersten Wochen in der Landkommune begleitet. Hält der Traum von Veränderung, was er verspricht?


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