Vor zehn Jahren geschieht das Undenkbare. 15. September 2008, eine der weltweit größten Investmentbanken geht pleite: Lehman Brothers. An jenem Wochenende im September fällt eine Entscheidung, die wie ein Brandbeschleuniger auf die schwelende Finanzkrise wirkt. Die politisch Verantwortlichen in den USA retten Lehman Brothers 2018 nicht und lösen damit "die schwerste Finanzkrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus", sagt rückblickend Jean-Claude Trichet, der damalige Chef der Europäischen Zentralbank. Bis heute hat die Folge dieser Krise mehr als sieben Billionen Euro gekostet. Der politische Preis aber war noch sehr viel höher. Der 15. September 2008 bedeutete für viele der fünfzigtausend Anleger, die ihr Geld in vermeintlich sichere Lehman-Zertifikate investiert hatten, den Verlust ihrer Altersabsicherung, des Spargroschens der Kinder, ihres Ersparten. Das große Dokudrama " Lehman. Gier frisst Herz" zeichnet den Countdown bis zum großen Crash vor allem aus der Perspektive der Sparkasse und ihrer Kunden - emotional, faktenbasiert, spannend. Die fiktionale Inszenierung beruht auf intensiven Gesprächen mit Insidern. Die Dramatisierung der Fakten wird dokumentarisch eingeordnet durch die Erinnerungen von verantwortlichen Akteuren aus der Bankenwelt und der Politik, durch die Aussagen von Geschädigten und historisches Material. In der Mischung aus fiktionaler Verdichtung und Interviews wird verständlich und zugleich emotional erfahrbar, wie es zum 15. September 2008 kam und was dieser Montag ausgelöst hat. Der Film richtet den Blick einerseits auf das Schicksal ahnungsloser Bankkunden wie die Wirtsleute Claudia und Torsten Büttner - gespielt von Susanne Schäfer und Oliver Stokowski -, die durch die Bankenpleite sämtliche Ersparnisse verlieren, und andererseits auf das Verhalten von Bankberatern, oft nicht minder ahnungslos, die unter Druck von oben zu skrupellosen Verkäufern werden, darunter der Sparkassenangestellte Arno Breuer, der gegen sein Bauchgefühl Lehman-Zertifikate verkauft, oder die junge Onlinebankerin Nele Fromm, die aus übertriebenem Ehrgeiz und auf der Jagd nach fetten Boni rücksichtslos agiert. Ergänzt werden die Spielszenen durch Interviews von Zeitzeugen. Zu Wort kommen geschädigte deutsche Bankkunden, aber auch politisch und wirtschaftlich Verantwortliche aus jener Zeit, so der damalige EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der damalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, Karl Dannenbaum, Ex-Geschäftsführer von Lehman Deutschland, und Andrew Gowers, der 2008 Kommunikationsdirektor von Lehman Brothers in London war. Die radikale Offenheit in den Interviews überrascht und fesselt zugleich. Entstanden ist so ein eindrucksvolles Mosaik von Spielszenen und Zeitzeugeninterviews, das die Relevanz und das Ausmaß der Jahrhundert-Pleite spürbar macht. Ein völlig neuer Blick auf die Ereignisse vom September 2008 und auf das, was dann folgte. "Lehman. Gier frisst Herz" ist eine ARD-Koproduktion unter Federführung des hr mit NDR, BR, RBB und mit der Filmproduktion AVE Publishing in Berlin. Der Film wird gefördert von HessenFilm. Regie führte Raymond Ley. Das Drehbuch stammt von Dirk Eisfeld. Produzent des Films ist Walid Nakschbandi.