"Ohne Ehemann bist du keine Frau." 23 Jahre nachdem sie nach Berlin ausgewandert ist, besucht Olga Delane ihre Verwandten in Sibirien. Dort wird sie mit den traditionellen Ansichten der Dorfbewohner über das Leben und die Liebe konfrontiert. Es ist ein einfaches Leben, geprägt durch traditionelle Werte, dass die Bewohner des kleinen sibirischen Dorfes Onon-Borzya, 1.000 Kilometer östlich vom Baikalsee, führen. Früh aufstehen, die Kühe melken, Schweine mästen, den Traktor reparieren und Holz hacken. Der Mann ist der Herr im Haus, die Aufgabe der Frau ist es, Kinder zu kriegen und sich um den Haushalt zu kümmern. Abstrakte Begriffe wie Liebe, Freiheit oder die Emanzipation der Frau scheinen in diesem pragmatischen Lebensentwurf keinen Platz zu finden. "Warum gibt es hier keinen Feminismus?", fragt Olga ihre Tante Galja. "Feminismus? Was ist das?", antwortet sie. Über einen Zeitraum von vier Jahren hat Olga Delane das Alltagsleben ihrer Verwandten in dem sibirischen Dorf begleitet. Ein Leben, das von Abhängigkeit, Dominanz und Einengung ebenso geprägt ist wie von Verbindlichkeit, Zusammenhalt, Sicherheit und Tradition. Ihr Film zeigt, wie sich das Rollenbild in den Familien über viele Generationen verfestigt hat. Aber auch die Zerrissenheit der heranwachsenden Generation, zwischen traditionellen Werten und dem Traum nach Selbstverwirklichung. Mit "Liebe auf sibirisch" ist Olga Delane ein intensiver und humorvoller Film gelungen, der unverfälschte Einblicke in das Leben und Lieben in einem sibirischen Dorf gibt und ganz universell der Frage nachgeht, worin das Geheimnis einer glücklichen Partnerschaft besteht.