Das Date der unbescholtenen Rollschuh-Kellnerin Alice Eckle mit ihrem Freund wird ein ganz spezielles. Nicht deswegen, weil der charmante Polizeibeamte ihr einen Antrag macht, sondern wegen eines Unfalls: Ein Handwerker vertut sich mit seiner Nagepistole dermassen unglücklich, dass die junge Frau die Notaufnahme aufsuchen muss. Der diensthabende Arzt («Saturday Night Live»-Komiker Bill Hader) merkt kurz vor dem Eingriff, dass Alice über keine Krankenversicherung verfügt und bricht das Unterfangen mangels finanzieller Deckung ab. Da sie die 150 000 Dollar für die Entfernung des Nagels aus ihrem schönen Schädel nicht selbst aufbringen kann, muss Alice sich wohl oder übel mit den Nebenwirkungen abfinden, die von unkontrolliertem Sabbern und spontanen Äusserungen in einer ihr unbekannten Fremdsprache bis hin zu sexueller Unrast einiges an Überraschungen versprechen. Da erscheint der jungen Frau auf dem Fernsehbildschirm der Kongressabgeordnete Howard Birdwell mit seinem Versprechen, sich für seinen Wahlkreis einzusetzen. Kurzentschlossen reist Alice nach Washington, wo sie sich alsbald in den Armen des adretten Politikers wiederfindet. Alice mag zwar Howards Herz im Sturm erobert haben, doch ihr Kampf in der von Egomanen und Lobbyisten beherrschten Politik um einen umfassenden Versicherungsschutz für die Bevölkerung beginnt erst. Niederlagen sind mitunter lehrreicher als Siege - das würde wohl auch David O. Russell unterschreiben. Der US-amerikanische Regisseur war 2004 mit der höchst eigenartigen Komödie «I Heart Huckabees» in Schräglage geraten und verlor 2008 inmitten der Produktion seines nächsten Filmes dermassen die Orientierung, dass er sich zwei Jahre später frustriert vom Projekt verabschiedete. Das Studio flickte aus der Hinterlassenschaft die Komödie «Liebe ohne Krankenschein» (Originaltitel: «Accidental Love») zusammen, derweil sich David O. Russell neu erfand und mit dem denkbar anders gelagerten Boxerfilm «The Fighter» seinen bislang grössten Erfolg feierte. Wo genau David O. Russell mit «Liebe ohne Krankenschein» scheiterte, ist schwierig auszumachen, so komplett ist das Durcheinander, das der heute gefeierte Filmemacher angerichtet hat. Der deutsche «Filmdienst» erkennt darin eine unterhaltsame Satire aufs US-Gesundheitssystem und eine bitterböse Gesellschaftsdiagnose in hell-poppigen Farben und mit hervorragend besetzten Nebenfiguren. Der Regisseur hatte gleichwohl seinen Namen von dem Film entfernen und durch das Pseudonym Stephen Greene ersetzen lassen.