Die junge Liselotte Pulver wollte unbedingt eine grosse Tragödin am Schauspielhaus werden. Ende der 40er-Jahre spielte sie Rollen in Shakespeare-, Brecht- und Goethe-Stücken, als sie von deutschen Filmproduzenten entdeckt wurde, die ihr sogleich auch eine Hauptrolle anboten: In "Föhn" trat sie an der Seite von Hans Albers und Heinrich Gretler vor die Kamera. Liselotte Pulver legte eine beispiellose Blitzkarriere im deutschen Nachkriegskino hin. Dank ihrer optimistischen Leinwandpräsenz gehörte sie bald zu den grössten Stars. In den 50er- und frühen 60er-Jahren drehte sie einen Kassenschlager nach dem anderen. Meistens in Komödien, abwechslungsweise adrett oder burschikos, etwa in den Filmen "Zürcher Verlobung", "Wirtshaus im Spessart", "Buddenbrooks" oder "Kohlhiesels Töchter". Doch ausgerechnet von ihrer bekanntesten Rolle in Deutschland wollte Liselotte Pulver zu Beginn nichts wissen: Es brauchte viel Überredungskunst seitens des Produzenten, damit die Schauspielerin in "Ich denke oft an Piroschka" mitwirkte. Auch international erregte Liselotte Pulver Aufsehen. In französischen oder US-amerikanischen Produktionen zeigte sie sich in ihrer ganzen Vielfalt: Jacques Rivette engagierte sie für den Arthousefilm "La Religieuse". Gleich in zwei Produktionen glänzte sie an der Seite des französischen Kinosuperstars Jean Gabin. Und auch Hollywood klopfte an. Ein Melodrama-Spezialist setzte für "A Time to Love and a time to die" auf Liselotte Pulver und Billy Wilder castetet sie als spektakuläre Monroe-Parodie in 1, 2, 3. Doch auch mit der "Golden Globe"-Nominierung für "A Global Affair" blieb der grosse Durchbruch in Hollywood aus. Ihre liebste Rolle für die Schweizer spielte sie in "Uli der Knecht" und "Uli der Pächter". Als Vreneli sorgte sie für Glamour auf helvetischen Leinwänden. Für Liselotte Pulver ging mit diesem Part ein Traum in Erfüllung: War sie im deutschen Kino eher für leichtgewichtige Komödien bekannt, kriegte sie in den Gotthelf-Adaptationen endlich die ersehnte dramatische Rolle. Ende der 60er-Jahre blieben die grossen Kinoerfolge mehr und mehr aus. Dafür brachte Liselotte Pulver nun ihre Professionalität und Engagement auch in Theatertourneen (auch mit ihrem Mann Helmut Schmid) und bei unzähligen Bildschirmauftritten ein. Dank der "Sesamstrasse" wurde sie so auch bei der jüngeren Generation zu einem Begriff. Und schliesslich wurde die Bernerin mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft: Sie ist unter anderem Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, gewann siebenmal den Bambi und den Swiss Award für ihr Lebenswerk.