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Report, Film/Kino/TV
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Sa., 03.11.
00:10 - 00:30
Berichte von der Dokfilmwoche Leipzig



Thema:

Paläste für das Volk - Internationales Programm

Regie: Boris Missirkov/Georgi Bogdanov
Bulgarien/Deutschland/Rumänien, 2018
Heute sieht man sie mit den Augen des Touristen - oder man sieht sie gar nicht mehr, wie etwa den Palast der Republik in Berlin. "Palace For The People" besichtigt fünf emblematische Gebäude aus der Zeit des Sozialismus: Massive Steinkörper, deren Fassaden und Innenleben, deren Raumbeschaffung und Einrichtung, deren Dekor und Funktionalität immer auf die Repräsentation politischer Systeme und Werte zielte. Superlativische Machtbauten - mal in die Höhe fliehend wie die Lomonossow-Universität Moskau, mal in die Breite wuchernd wie der Ceau?escu-Palast in Bukarest.
Besichtigungen sind dann auch eine Form der Rückkehr, eine Art der Vergangenheitsbeschau, der affektiven Anschließung an das Gewesene. Mit einem scharfen Blick für die architekturgeschichtlichen Eigenheiten und Charaktermerkmale führen uns Georgi Bogdanov und Boris Missirkov an Orte, in denen, so geschichtlich sie auch wirken, noch immer die Visionsgeister spuken, für die sie einst errichtet wurden. Der Film ist eine MDR-Koproduktion und im MDR-Fernsehen am 04. November, 23.55 Uhr, zu sehen.

Lord Of The Toys - Deutscher Wettbewerb

Regie: Pablo Ben Yakov
Deutschland, 2018
Sie sind Anfang 20, leben in Dresden und haben keine Lust, ihr Leben mit Arbeit zu verbringen. Max Adlersson Herzberg und seine Freunde sind Youtuber und er ist mit 280.000 Abonnenten ein Star der Szene. In seinen Videos macht er Werbung für alle möglichen Produkte, je trashiger desto besser, besäuft sich mit seinen Freunden, pöbelt und testet jede Grenze aus, die er sieht - Max ist YouTuber und lebt davon. Sind Max und seine Freunde gewaltverherrlichende Influencer mit rechten Tendenzen oder gewöhnliche Teenager im 21. Jahrhundert?
"Lord Of The Toys" begleitet Max und seine Clique einen Sommer lang und hinterlässt ein dystopisches Bild der ersten Generation junger Erwachsener, die ein Leben ohne Internet, YouTube und Instagram nicht kennen. Der Film portraitiert sie und untersucht die Welt, in der ihre Lebensmodelle gedeihen: den Westen im Allgemeinen und den deutschen Osten im Speziellen.

About Us - Animationsfilme bei DOK Leipzig 2018

Die Sonderreihe Animationsfilm fordert das Unmögliche und sucht selbst in den hintersten Winkeln der Gesellschaft nach dem Möglichen. In dem vierteiligen Programm blickt die Kuratorin Duscha Kistler auf den Menschen. Die Filme hinterfragen unseren Umgang miteinander, aber auch unser Verhältnis zu Natur und Umwelt. Sie arbeiten mit den fantasievollen Mitteln der Animation, sind mal zeitkritisch, mal menschenkritisch, doch genauso oft menschenfreundlich.
Das erste Programm der Reihe geht dem Leichtsinn des Menschen nach, der, von Fortschritt und Machthunger getrieben, ins Gleichgewicht der Natur eingreift und gesellschaftliche Verheerungen verursacht. Das zweite Programm geht ganz spielerisch mit philosophischen Gedanken zu Leben und Tod um. Abstrakte und experimentelle Filme wie Furniture Poetry von Paul Bush hinterfragen etwa, was wir sehen, hören und fühlen, und stellen die Welt auf den Kopf.
Das dritte und vierte Programm beleuchten das fragile Zusammensein in der Gemeinschaft und Zweierbeziehungen verschiedenster Art - egal ob Freundschaften oder Liebesbeziehungen. Es geht um Machtstrukturen, um Liebe, um den Alltagstrott, der bei Paaren entsteht, es geht ums Sich-Aneinander-Gewöhnen und um die alles übertönenden und lähmenden Schmerzen beim Verlust eines Partners.
"It's All About Love" - so endet auch die Reihe About Us mit dem Musikvideo des britischen Videokünstlers Chris Cunningham zum Song "All Is Full Of Love" von Björk, in dem sich zwei Roboter leidenschaftlich küssen.

Symphony Of The Ursus Factory - Next Masters Wettbewerb

Regie: Ja?mina Wójcik
Polen, 2018
Symbolische Wiederbelebung des glorreichen Zeitalters der polnischen Landmaschinenproduktion. Das traditionsreiche Unternehmen Ursus gehörte einst zu den größten seiner Art in ganz Europa. Mit dem Kollabieren des Kommunismus war jedoch auch das Schicksal von Ursus besiegelt. Heute sind die Produktionsstätten verfallen und Tausenden ehemaligen Beschäftigten erscheint die eigene Arbeitsbiografie nur noch wie ein ferner, gar fremder Schatten.
Vor einigen Jahren begann eine Gruppe von Choreografen, Musikern und Filmemachern um die Künstlerin Ja?mina Wójcik, Kontakt zu den früheren Arbeitern und Angestellten von Ursus herzustellen. Alle Beteiligten staunten nicht schlecht, wie sehr die damals ausgeführten Tätigkeiten in vielen unkontrollierten Momenten die Körpersprache der Protagonisten beeinflussten, ja steuerten. Das Körpergedächtnis war offensichtlich besser trainiert als das kognitive.
Der nun erarbeitete Film, eine dokumentarische Inszenierung, ist eine nach musikalischen Regeln organisierte Performance. Die Mitwirkenden versetzten sich als Darsteller ihrer selbst in Charaktere, die sie einmal in der Wirklichkeit der Fabrik gewesen sind. In der lamentablen Realität der heutigen Fabriküberreste empfinden sie rituell einen früheren Arbeitstag nach, gipfelnd in einem aufwändigen Traktorenballett, das jedem hochbudgetierten Hollywoodmusical zur Ehre gereichen würde. (Nominiert für den Healthy Workplaces Film Award und den MDR Filmpreis)



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