Die Ehefrau von Rennprofi Olaf Ludwig ist strikt dagegen, als ihr Mann an der Internationalen Friedensfahrt 1986 teilnehmen will. Kurz nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl will die DDR ihre Radstars in das verstrahlte Kiew schicken. "Meine Frau hatte damals Riesenbedenken - aber für mich war klar, wenn ich mich verweigere, dann wäre das das Ende meiner Karriere gewesen", so Olaf Ludwig im Interview mit "Echt". "Echt" hat die Radsportlegende zu Hause in Gera getroffen und erzählt die dramatische Geschichte dieses absoluten Ausnahmetalents des DDR-Sports. "Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt Friedensfahrer zu werden und es war ein unglaubliches Gefühl, als ich endlich dabei sein durfte." Für den Sport ist Olaf Ludwig bereit, fast alles zu opfern, auch als ihn die Funktionäre in die Strahlenhölle nach Kiew schicken. "Für uns und die Russen war klar: Die Friedensfahrt ist der erste Saisonhöhepunkt: Egal was ist - da müssen wir uns beweisen." Die Nachricht von der Katastrophe in Tschernobyl wird von der DDR-Führung geheim gehalten. In der DDR soll alles weitergehen, wie gewohnt - so auch das Training für die 39. Friedensfahrt. "Echt" trifft exklusiv die beiden DDR-Fahrer Olaf Ludwig und Mario Kummer und fragt nach, wie sie jene Tage erlebten. Sie erinnern sich an ein gespenstisches Kiew. Frauen mit Geigerzählern, Tankwagen, aus denen die Straßen regelmäßig mit Wasser abgespritzt werden und die Empfehlung, Kinder nicht draußen spielen zu lassen. "Echt"-Moderator Sven Voss trifft Ekkehard Welz, damals Vizekonsul in Kiew. Anfang Mai nimmt der promovierte Ingenieur auf eigene Faust Messungen an Autos, Straßen und Menschen vor und lässt an die Radmannschaft ausrichten: "Alles bestens, null gesundheitliche Gefährdung." Also Glück gehabt? Bleibt die entscheidende Frage: Wie gefährdet waren Olaf Ludwig und seine Teamkollegen wirklich? "Echt" fragt nach bei Leuten, die es wissen müssen: Beim Bundesamt für Strahlenschutz.