Maischberger

Talk, Talkshow
Maischberger

Infos
"Maischberger" im Internet unter www.DasErste.de/maischberger
Produktionsland
Deutschland
ARD
Mi., 13.09.
22:45 - 23:58


Eine Kanzlerin, die konservative Inhalte ihrer Partei aufgegeben hat, ein Kanzlerkandidat, der an Eckpfeilern sozialdemokratischer Türkeipolitik rüttelt. Grüne Politiker, die nach mehr Polizei rufen, oder linke Politiker, die Asylbewerbern ein Gastrecht absprechen - viele politische Positionen lassen sich nicht mehr eindeutig bestimmten Parteien zuordnen. Die Zeit der klassischen Lagerwahlkämpfe ist vorbei. Kaum eine mögliche Koalition zur Bildung einer Regierung wird ausgeschlossen. Kein Wunder, dass sich ein Drittel der Wähler kurz vor der Bundestagswahl noch nicht für eine Partei entscheiden kann. Die Gäste: Johannes B. Kerner Der Fernsehmoderator ist enttäuscht vom bisherigen Wahlkampf. "Es fällt schwer, Unterschiede zwischen den Parteien auszumachen. Mit richtigem Kampf um die besten Ideen hat das nichts zu tun." Außerdem kritisiert der 52-Jährige: "Die Parteien denken häufig nur von einer Umfrage zur nächsten und kümmern sich zu sehr um mögliche Koalitionen." Johannes B. Kerner wünscht sich stattdessen, dass die Parteien einen langfristigen Plan für Deutschland entwerfen und zehn oder 20 Jahre vorausdenken. Anja Reschke "Die Klage, dass Parteien für nichts mehr stehen, kenne ich, seit ich wählen darf, also seit Ende des Kalten Krieges", sagt die Journalistin. Sie frage sich, ob es überhaupt schlimm sei, wenn die Politik sich mehr an Herausforderungen als an Ideologien orientiere. Dennoch beobachtet die Moderatorin des ARD-Politmagazins "Panorama" eine Krise der Demokratie, weil sich Teile der Wähler und Politiker immer mehr voneinander entfremdet hätten. Der AfD sei zwar zugute zu halten, dass wieder mehr Menschen wählen gingen, doch dass sie die Demokratie beleben könne, glaubt Anja Reschke nicht: "Bisher konnte ich nicht erkennen, dass AfD-Politiker konstruktiv am demokratischen Prozess mitwirken. Es klingt oft mehr danach, als sei ein kompletter Umsturz das Ziel." Ole von Beust Der langjährige Erste Bürgermeister Hamburgs verteidigt Angela Merkel gegen konservative Kritik, auch ihren Schwenk bei der "Ehe für alle": "So ist eben der gesellschaftliche Wandel. Und es gibt doch nichts Konservativeres als die Ehe." Er beobachte auf seinen Reisen, dass Deutschland selbst in Oberbayern oder Franken "erheblich liberaler und offener ist, als man glaubt". Ole von Beust plädiert für eine Koalition mit der FDP nach der Wahl, "auch wenn ich ein Freund von Schwarz-Grün bin". Ralf Stegner "Die Kanzlerin hat keine Idee von der Zukunft", beklagt der SPD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein. Sie pflege eine minimalistische Form des Auftritts, und das sei leider teilweise wirkungsvoll. "Aber inhaltlich hat sie wenig zu bieten", sagt Ralf Stegner. "Für mich sind Union und SPD die beiden Kanzlerparteien, die darüber streiten müssen, wer die Bundesrepublik führt. Wir kämpfen weiter um Platz eins", bekräftigt der SPD-Vize trotz schlechter Umfragewerte für seine Partei. "Unser Wahlziel ist, dass Martin Schulz Kanzler wird - daran arbeiten wir mit aller Kraft bis zum Wahltag um 18 Uhr." Jan Fleischhauer "Die CDU ist unter Merkel vergrünt und sozialdemokratisiert", konstatiert der Spiegel-Kolumnist. "Wer CDU wählt, bekommt SPD pur." Das TV-Duell habe gezeigt, dass sogar die SPD nicht wisse, was sie der Kanzlerin vorwerfen solle. Die politischen Lager seien nur noch schwer erkennbar, so der Bestsellerautor. Viele bürgerliche Wähler fragten sich, was sie wählen sollen, wenn sie sich wieder eine Opposition im Bundestag wünschen. "Die interessante Frage wird sein, wie AfD und FDP abschneiden", sagt Jan Fleischhauer und prophezeit, dass beide Parteien stärker würden, als es die Umfragen abbilden. Michael Kunert Die Bundestagswahl sei noch keinesfalls entschieden, sagt der Wahlforscher, der seit Jahren mit Infratest dimap die Wahlprognosen für die ARD erstellt. Ein Drittel der Wähler würde sich erst kurzfristig entscheiden. "Die Identifikation mit Parteien nimmt ab." Auch die traditionellen Verbindungen in den politischen Lagern fielen weg, analysiert Michael Kunert: "Beispielsweise findet Kanzlerin Angela Merkel bei den Grünen mehr Zuspruch als SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz."

Thema:

Der verwirrte Wähler: Welche Partei steht noch wofür?

Eine Kanzlerin, die konservative Inhalte ihrer Partei aufgegeben hat, ein Kanzlerkandidat, der an Eckpfeilern sozialdemokratischer Türkeipolitik rüttelt. Grüne Politiker, die nach mehr Polizei rufen, oder linke Politiker, die Asylbewerbern ein Gastrecht absprechen - viele politische Positionen lassen sich nicht mehr eindeutig bestimmten Parteien zuordnen. Die Zeit der klassischen Lagerwahlkämpfe ist vorbei. Kaum eine mögliche Koalition zur Bildung einer Regierung wird ausgeschlossen. Kein Wunder, dass sich ein Drittel der Wähler kurz vor der Bundestagswahl noch nicht für eine Partei entscheiden kann. Die Gäste: Johannes B. Kerner Der Fernsehmoderator ist enttäuscht vom bisherigen Wahlkampf. "Es fällt schwer, Unterschiede zwischen den Parteien auszumachen. Mit richtigem Kampf um die besten Ideen hat das nichts zu tun." Außerdem kritisiert der 52-Jährige: "Die Parteien denken häufig nur von einer Umfrage zur nächsten und kümmern sich zu sehr um mögliche Koalitionen." Johannes B. Kerner wünscht sich stattdessen, dass die Parteien einen langfristigen Plan für Deutschland entwerfen und zehn oder 20 Jahre vorausdenken. Anja Reschke "Die Klage, dass Parteien für nichts mehr stehen, kenne ich, seit ich wählen darf, also seit Ende des Kalten Krieges", sagt die Journalistin. Sie frage sich, ob es überhaupt schlimm sei, wenn die Politik sich mehr an Herausforderungen als an Ideologien orientiere. Dennoch beobachtet die Moderatorin des ARD-Politmagazins "Panorama" eine Krise der Demokratie, weil sich Teile der Wähler und Politiker immer mehr voneinander entfremdet hätten. Der AfD sei zwar zugute zu halten, dass wieder mehr Menschen wählen gingen, doch dass sie die Demokratie beleben könne, glaubt Anja Reschke nicht: "Bisher konnte ich nicht erkennen, dass AfD-Politiker konstruktiv am demokratischen Prozess mitwirken. Es klingt oft mehr danach, als sei ein kompletter Umsturz das Ziel." Ole von Beust Der langjährige Erste Bürgermeister Hamburgs verteidigt Angela Merkel gegen konservative Kritik, auch ihren Schwenk bei der "Ehe für alle": "So ist eben der gesellschaftliche Wandel. Und es gibt doch nichts Konservativeres als die Ehe." Er beobachte auf seinen Reisen, dass Deutschland selbst in Oberbayern oder Franken "erheblich liberaler und offener ist, als man glaubt". Ole von Beust plädiert für eine Koalition mit der FDP nach der Wahl, "auch wenn ich ein Freund von Schwarz-Grün bin". Ralf Stegner "Die Kanzlerin hat keine Idee von der Zukunft", beklagt der SPD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein. Sie pflege eine minimalistische Form des Auftritts, und das sei leider teilweise wirkungsvoll. "Aber inhaltlich hat sie wenig zu bieten", sagt Ralf Stegner. "Für mich sind Union und SPD die beiden Kanzlerparteien, die darüber streiten müssen, wer die Bundesrepublik führt. Wir kämpfen weiter um Platz eins", bekräftigt der SPD-Vize trotz schlechter Umfragewerte für seine Partei. "Unser Wahlziel ist, dass Martin Schulz Kanzler wird - daran arbeiten wir mit aller Kraft bis zum Wahltag um 18 Uhr." Jan Fleischhauer "Die CDU ist unter Merkel vergrünt und sozialdemokratisiert", konstatiert der Spiegel-Kolumnist. "Wer CDU wählt, bekommt SPD pur." Das TV-Duell habe gezeigt, dass sogar die SPD nicht wisse, was sie der Kanzlerin vorwerfen solle. Die politischen Lager seien nur noch schwer erkennbar, so der Bestsellerautor. Viele bürgerliche Wähler fragten sich, was sie wählen sollen, wenn sie sich wieder eine Opposition im Bundestag wünschen. "Die interessante Frage wird sein, wie AfD und FDP abschneiden", sagt Jan Fleischhauer und prophezeit, dass beide Parteien stärker würden, als es die Umfragen abbilden. Michael Kunert Die Bundestagswahl sei noch keinesfalls entschieden, sagt der Wahlforscher, der seit Jahren mit Infratest dimap die Wahlprognosen für die ARD erstellt. Ein Drittel der Wähler würde sich erst kurzfristig entscheiden. "Die Identifikation mit Parteien nimmt ab." Auch die traditionellen Verbindungen in den politischen Lagern fielen weg, analysiert Michael Kunert: "Beispielsweise findet Kanzlerin Angela Merkel bei den Grünen mehr Zuspruch als SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz."


Weitere Infos, Sendetermine und Neuigkeiten zu "Maischberger" finden Sie hier

Werbepause? Zeit für Spielchen!

Das könnte Sie auch interessieren

RTL II Moderator Detlef Soost hat ein offenes Ohr für die Probleme und Meinungen seiner Gäste, lässt das Publikum zu Wort kommen und hält auch mit seiner eigenen Meinung nicht hinter dem Berg.

Detlef Soost

Talk | 20.09.2017 | 15:00 - 16:00 Uhr
0/500
Lesermeinung
NDR Mein Nachmittag

Mein Nachmittag

Talk | 20.09.2017 | 16:20 - 17:10 Uhr
2.89/5036
Lesermeinung
ARD Maischberger

Maischberger - "Die Wahljury: Wer verliert, wer regiert?"

Talk | 20.09.2017 | 23:45 - 01:00 Uhr
3.2/5010
Lesermeinung
News
Nur noch ein Schrotthaufen: Die "Landshut" verrottete zehn Jahr lang auf einem Flughafen im brasilianischen Fortaleza.

Im Oktober wird die Flugzeug-Legende "Landshut" im Friedrichshafener Dornier-Museum als Erinnerungso…  Mehr

Diane Kruger plant eine Serie über Hedy Lamarr - jene Schauspielerin, die auch als Erfinderin in die Geschichte einging.

Hedy Lamarr legte den Grundstein für Bluetooth und WLAN. Jetzt soll das Leben der Schauspielerin für…  Mehr

Sie ist die Neue: Alicia Vikander spielt Lara Croft.

Im März 2018 jagt Alica Vikander wieder als Lara Croft über die Kino-Leinwände. Jetzt ist ein erster…  Mehr

Linda Hamiltons Sarah Connor mauserte sich in "Terminator 2" (1991) zur waschechten Actionheldin. Nun darf sie zurückkehren.

Neue "Terminator"-Filme, alte Besetzung: Neben Arnold Schwarzenegger kehrt auch Linda Hamilton in de…  Mehr

Hauptkommissar Theo Clüver (Robert Atzorn, Mitte) und seine Kollegen Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) stehen vor einem heiklen Fall: Sie müssen gegen den "König von Sylt" ermitteln.

Robert Atzorn bekommt es als Kommissar Theo Clüver in seinem vorletzten Fall der ZDF-Serie "Nord Nor…  Mehr