Die beiden Freunde Ayiva und Abas wollen von Burkina Faso nach Europa. Ihr beschwerlicher und gefährlicher Weg führt sie aus ihrer Heimat über Algerien nach Libyen, wo sie von einem Schlepper auf ein Boot gebracht werden, das offenbar gar keinen Steuermann hat. In der Nacht geraten sie in einen heftigen Sturm. Als das Boot kentert, werden sie von der italienischen Küstenwache gerettet und in die Kleinstadt Rosarno gebracht. In Losarno leben Ayiva und Abas wie hunderte anderer Migranten unter desolaten Umständen. Ohne Papiere können sie keine reguläre Arbeit bekommen. Abas verzweifelt zusehends, während Ayiva sich mit den Umständen abfindet und sich langsam zurechtfindet. Dank seinem Einfallsreichtum, seinem Optimismus und dem unerschütterlichen Willen, das Beste aus seiner misslichen Lage zu machen, bekommt er einen Job als Erntehelfer und gewinnt das Vertrauen des Orangenplantagen-Besitzers, dessen Vorfahren auch Migranten waren. Während sich die beiden mehr schlecht als recht durchzuschlagen versuchen, wird immer wieder klar, dass sie in ihrer neuen Heimat nicht erwünscht sind. Sie werden von der einheimischen Bevölkerung offen angefeindet und ausgegrenzt. Als schliesslich gewalttätige Unruhen in der Stadt ausbrechen, führt ein harmloses Handgemenge zu einer blutigen Strassenschlacht. Seit dem Sommer 2015, in dem die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt erreichte, lässt das Thema der Migranten, die in Booten über das Mittelmeer fliehen, die europäische Öffentlichkeit und Politik nicht mehr los. Jonas Carpignanos hat mit seinem Film «Mediterranea», der 2015 in Cannes uraufgeführt wurde, also einen hochaktuellen und relevanten Stoff verfilmt. Und er macht es auf eine Art und Weise, die neue Einblicke in die Thematik gewährt. Er erzählt nämlich aus der Perspektive von zwei der Geflüchteten, macht sie damit zu handelnden Hauptfiguren und verhindert den üblichen Betroffenheitsvoyeurismus der Aussenperspektive. Die Darsteller im Film sind selbst Migranten, die in der Region leben und deren Erlebnisse Carpignano ins Drehbuch einfliessen liess. Die gewalttätigen Unruhen am Ende des Films basieren auf wahren Ereignissen aus dem Jahr 2010, bei denen es in Rosarno zu Schüssen auf afrikanische Einwanderer kam. Davon handelte auch Carpignano früherer Kurzfilm «A Chjàna». «Mediterranea» erzählt nun quasi die Vorgeschichte, die dazu führte. Der Film erhielt viele Festivalpreise und Kritikerlob, so auch von epd-Film: «Von den desolaten Unterkünften bis hin zum herzlichen Umgang der Migranten untereinander ist das alles unglaublich präzise beobachtet. Die bewegliche Handkamera bleibt dicht an den glaubhaft agierenden Laiendarstellern und gibt der Szenerie eine beklemmende dokumentarische Unmittelbarkeit. Mit «Mediterranea» gelingt dem jungen Regisseur ein relevanter Film, dessen Vielschichtigkeit sich erst allmählich erschliesst.» «Delikatessen» zeigt «Mediterranea» in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.