Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen voller Hoffnung und Vorfreude. Es duftet nach Plätzchen und Tannengrün. Heiligabend gibt es traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen oder Gänsebraten mit Klößen. So war es immer und so soll es möglichst für immer bleiben. Die norddeutsche Nachkriegsgeneration hat jedoch ein ganz anderes Weihnachten erlebt als die Generation ihrer Enkel. Dieser Film macht eine nostalgische Zeitreise in die 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre. Prominente und nicht bekannte Norddeutsche erinnern sich an die Weihnachtszeit ihrer Kindheit. Die schönste Zeit des Jahres? Das gilt nicht für alle. Die kleine Anne-Liese Peters aus Tostedt in Niedersachsen wusste nicht, was es bedeutet, wenn die Erwachsenen nach dem Krieg davon sprachen, dass die Männer gefallen seien. Anne-Lieses Vater war in britischer Gefangenschaft. Sie und ihre Mutter schrieben ihm regelmäßig, drei Jahre lang. Genau 25 Wörter waren erlaubt, mehr auch nicht zu Weihnachten. 1947, kurz vor Heiligabend, kam der Vater endlich zurück. "Ich hörte Männerschritte auf dem Hof und wusste: Das ist er." Er hatte sogar selbst gebaute Geschenke dabei: einen Puppenwagen für die Mädchen und ein Holzauto für die Jungen, mit Schuhcreme gefärbt. "Das war eine Freude. Allerdings hatte ich meinen Vater irgendwie größer in Erinnerung." Für Michael-Peter Schiltsky aus Niedersachsen war in den 1950er-Jahren die Weihnachtszeit "die einzig heile Zeit" im Jahr. Da holten die kanadischen Soldaten ihn und die anderen Heimkinder zum Truthahnessen in die Kaserne. Es gab Geschenke, Kerzenlicht und Lieder. Und für einen kurzen Moment konnte der Zehnjährige die Schikanen, die Prügel und die Einsamkeit des Waisenhausalltags vergessen. Maria Jepsen, ehemalige Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck der Nordelbischen Kirche, erinnert sich mit gemischten Gefühlen an die Krippenspiele, die während ihrer Kindheit in Bad Segeberg aufgeführt wurden. "Ich wollte immer mal die Maria spielen, schließlich heiße ich ja so, aber das hat nie geklappt. Immerhin habe ich es aber zum Hirten und zum Engel gebracht." Ihre Begeisterung während der Aufführung war dann so groß, dass sie gar nicht merkte, dass eine der vielen Kerzen ihre Haare ankokelte. Stille Nacht, heilige Nacht? Von wegen, "Weihnachten war bei uns die stressigste Zeit des Jahres", sagt Peter Belli. Er war ein Schaustellerkind und musste schon früh mit anpacken: Karten abreißen am Kinderkarussell und die Puppen aus dem Märchenwald reparieren. Die sind seit über 50 Jahren der Renner auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt. Seine Schulaufgaben machte Peter im letzten Wagen der Kindereisenbahn. Na ja, Schönschrift war da natürlich nicht drin. Auch Lilo Wanders erlebte Weihnachten in der Kindheit eher hektisch. Ihre Eltern hatten einen Tante-Emma-Laden in der Lüneburger Heide. "Bei uns gab es ‚Furz und Feuerstein'", sagt Lilo. Und in der Weihnachtszeit herrschte dementsprechend Hochbetrieb, selbst noch nach Ladenschluss kurz vor der Bescherung. Dana Breß aus Eggesin in Mecklenburg-Vorpommern erinnert sich an die Weihnachtsbäckerei mit ihren Eltern. Das Orangeat und Zitronat für die Kekse kam aus dem Westen, der "Ost-Ersatz" taugte einfach nichts. Überhaupt die Westpakete! Neben Bohnenkaffee für die Mutter gehörten in den 1970er-Jahren unbedingt auch Orangen dazu: "Wir hatten in der DDR ja nur die ollen Kuba-Apfelsinen, die konnte man überhaupt nicht pellen", sagt sie. In die Kirche ging ihre Familie nicht, auch keiner von den Freunden. Christliche Weihnachten, das war eher die Ausnahme im Osten.