Menschen hautnah

  • Ulrike fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, um Geld zu sparen. An manchen Tagen bis zu 75km. Vergrößern
    Ulrike fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, um Geld zu sparen. An manchen Tagen bis zu 75km.
    Fotoquelle: WDR
  • Susanne reinigt Betten in einem Krankenhaus und verdient 1.150Ä netto im Monat. Vergrößern
    Susanne reinigt Betten in einem Krankenhaus und verdient 1.150Ä netto im Monat.
    Fotoquelle: WDR
Report, Gesellschaft und Soziales
Menschen hautnah

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2018
WDR
Do., 15.11.
22:40 - 23:25


"Manchmal stehe ich am Monatsende vor dem Kühlschrank und denke, hoffentlich gibt es bald Geld. Ich muss dringend was einkaufen!" Das sagt Susanne. Sie arbeitet hart: An fünf Tagen die Woche reinigt sie Krankenhausbetten. Bis zu 23 Betten muss sie in einer Schicht schaffen. "Ich denk' mir immer, man muss so arbeiten, als würde man selber in so einem Bett liegen", motiviert sich die 48-Jährige aus Bochum. Sie hat wegen ständiger Rückenschmerzen eine 90%-Stelle und verdient 1.150 Euro netto im Monat. Ins Restaurant gehen oder ein verlängertes Wochenende planen - das ist fast unmöglich. Wenn zu Hause ein Elektrogerät nicht mehr funktioniert, bekommt sie Angst. Angst, ein neues Gerät nicht bezahlen zu können. Dreiviertel aller Frauen zwischen 15 und 65 Jahren arbeiten in Deutschland. Mehr als die Hälfte von ihnen verdient maximal 1.500 Euro netto im Monat. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit - oft wegen der Kindererziehung - oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. So wie Ulrike aus Neuss. "Ich muss alle möglichen Jobs annehmen, um überhaupt auf 1.500 Euro im Monat zu kommen", erzählt die studierte Opernsängerin. Zurzeit hat sie neun verschiedene Jobs in drei Städten. Sie arbeitet selbständig, hauptsächlich als Gesangslehrerin. Um Geld zu sparen, fährt die 60-Jährige mit dem Fahrrad von Job zu Job. An manchen Tagen bis zu 75 km. Da muss sie fit bleiben: "Krank werden kann ich mir nicht leisten, da verdiene ich ja dann nichts", sagt Ulrike. "Der Fehler liegt im System", findet Janina aus Remscheid: "Ich habe das Gefühl, dass Deutschland noch nicht so weit ist wie andere Länder." Vor allem die Wertschätzung von arbeitenden Müttern sei im Ausland viel größer, sagt die Alleinerziehende. Janina hat in den Niederlanden Sozialwissenschaften studiert und nach ihrem Uni-Abschluss sofort einen gut bezahlten Job in Maastricht gefunden. Schließlich entschied sie sich wegen ihrer Familie und des Vaters ihrer älteren Tochter zurück nach Deutschland zu gehen. "Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich in Deutschland einen Job gefunden habe. Ich habe bestimmt 280 Bewerbungen geschrieben", erzählt Janina. Sie arbeitete als Marketingangestellte in Teilzeit und verdiente 1.300 Euro netto. Sie war noch in der Probezeit, als ihre beiden Kinder krank wurden und sie eine Woche zu Hause bleiben musste. Das kostete sie ihre neue Arbeitsstelle. Janina ist jetzt wieder auf Jobsuche und hofft, eines Tages auch in Deutschland einen gut bezahlten Job zu finden. Menschen hautnah fragt: Wie schaffen diese Frauen ihren Alltag - im Job und zu Hause? Wie fühlt sich das an, wie im Hamsterrad zu arbeiten und am Monatsende doch nichts mehr im Portemonnaie zu haben? Warum nur verdienen immer noch so viele Frauen so wenig?

Thema:

Arm trotz Arbeit - Warum viele Frauen so wenig verdienen

"Manchmal stehe ich am Monatsende vor dem Kühlschrank und denke, hoffentlich gibt es bald Geld. Ich muss dringend was einkaufen!" Das sagt Susanne. Sie arbeitet hart: An fünf Tagen die Woche reinigt sie Krankenhausbetten. Bis zu 23 Betten muss sie in einer Schicht schaffen. "Ich denk' mir immer, man muss so arbeiten, als würde man selber in so einem Bett liegen", motiviert sich die 48-Jährige aus Bochum. Sie hat wegen ständiger Rückenschmerzen eine 90%-Stelle und verdient 1.150 Euro netto im Monat. Ins Restaurant gehen oder ein verlängertes Wochenende planen - das ist fast unmöglich. Wenn zu Hause ein Elektrogerät nicht mehr funktioniert, bekommt sie Angst. Angst, ein neues Gerät nicht bezahlen zu können. Dreiviertel aller Frauen zwischen 15 und 65 Jahren arbeiten in Deutschland. Mehr als die Hälfte von ihnen verdient maximal 1.500 Euro netto im Monat. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit - oft wegen der Kindererziehung - oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. So wie Ulrike aus Neuss. "Ich muss alle möglichen Jobs annehmen, um überhaupt auf 1.500 Euro im Monat zu kommen", erzählt die studierte Opernsängerin. Zurzeit hat sie neun verschiedene Jobs in drei Städten. Sie arbeitet selbständig, hauptsächlich als Gesangslehrerin. Um Geld zu sparen, fährt die 60-Jährige mit dem Fahrrad von Job zu Job. An manchen Tagen bis zu 75 km. Da muss sie fit bleiben: "Krank werden kann ich mir nicht leisten, da verdiene ich ja dann nichts", sagt Ulrike. "Der Fehler liegt im System", findet Janina aus Remscheid: "Ich habe das Gefühl, dass Deutschland noch nicht so weit ist wie andere Länder." Vor allem die Wertschätzung von arbeitenden Müttern sei im Ausland viel größer, sagt die Alleinerziehende. Janina hat in den Niederlanden Sozialwissenschaften studiert und nach ihrem Uni-Abschluss sofort einen gut bezahlten Job in Maastricht gefunden. Schließlich entschied sie sich wegen ihrer Familie und des Vaters ihrer älteren Tochter zurück nach Deutschland zu gehen. "Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich in Deutschland einen Job gefunden habe. Ich habe bestimmt 280 Bewerbungen geschrieben", erzählt Janina. Sie arbeitete als Marketingangestellte in Teilzeit und verdiente 1.300 Euro netto. Sie war noch in der Probezeit, als ihre beiden Kinder krank wurden und sie eine Woche zu Hause bleiben musste. Das kostete sie ihre neue Arbeitsstelle. Janina ist jetzt wieder auf Jobsuche und hofft, eines Tages auch in Deutschland einen gut bezahlten Job zu finden. Menschen hautnah fragt: Wie schaffen diese Frauen ihren Alltag - im Job und zu Hause? Wie fühlt sich das an, wie im Hamsterrad zu arbeiten und am Monatsende doch nichts mehr im Portemonnaie zu haben? Warum nur verdienen immer noch so viele Frauen so wenig?



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