Menschen hautnah

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Fotoquelle: WDR
Report, Menschen
Menschen hautnah

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2013
WDR
Di., 12.02.
01:15 - 02:00


Die preisgekrönte Doku-Reihe berichtet über Menschen und deren Lebensgeschichten. Diese befinden sich in außergewöhnlichen Situationen oder wollen ihr Glück beziehungsweise Unglück teilen.
Am 7. April 2009 ist Susanne Preusker glücklich: In 10 Tagen wird sie heiraten, so viele Dinge sind noch zu tun. Heute will sie ihren Arbeitstag früher beenden. Sie ist Leiterin der Sozialpsychiatrischen Abteilung der JVA Straubing und arbeitet dort therapeutisch mit Schwerverbrechern, Mördern und Vergewaltigern. Als der Gefangene K. in der Tür steht und sie um ein Gespräch bittet, verweist sie ihn deshalb auf den nächsten Tag. Doch den wird es für sie so nicht mehr geben.
"Mein altes Leben bis zum April 2009? Ich will nicht behaupten, dass es perfekt war. Welches Leben ist schon perfekt? Aber ich habe es gern gelebt, ich hatte einen Arbeitsplatz, den ich klasse fand, ich hatte ein spannendes Leben, es war meins, ich hatte es mir aufgebaut. Und dann passierte das, und dann gab es einfach diese Frau nicht mehr."
Sieben Stunden lang hält der Gefangene K. sie in ihrem Büro gefangen. Er verbarrikadiert den Raum. Und droht ihr mit dem Tod. Er hat ein Messer. Er knebelt Susanne Preusker. Und die weiß, dass sein letztes Opfer an einer solchen Knebelung erstickt ist. Susanne Preusker kennt diesen Mann sehr gut, sie hat ihn vier Jahre lang therapiert. Der Mann vergewaltigt sie viele Male. Spezialeinheiten der Polizei haben das Hochsicherheitsgefängnis längst umstellt. Trotzdem dauert es sieben Stunden, bis sie freikommt.
Susanne Preusker hat überlebt, doch ihr Leben ist seitdem ein anderes. Sie kannte den Täter gut, hatte ihn mehrfach begutachtet, war überzeugt, dass sie mit ihm therapeutisch auf dem richtigen Weg war. "Ich hatte mich bei diesem Menschen geirrt und ganz offensichtlich etwas übersehen. Das quält mich beinah mehr als die Tat selbst. Es hat mein ganzes Vertrauen in mich, meine Wahrnehmung, meine Fähigkeiten und Sicherheiten dieser Welt erschüttert."
Wie kann man weiterleben nach einer solchen Erschütterung? Nicht nur Susanne Preuskers Leben ist angegriffen worden, sondern auch das ihrer Familie.
"Der Täter hat mir wahnsinnig viel genommen. Meine berufliche Integrität, dieses Leben, was ich gerne hatte, er hat meinem Sohn die taffe, gut organisierte, lustige Mama genommen. Mein Sohn war siebzehn, als das passierte, und er hat mich gesehen in einem Zustand, wie ich es keinem Siebzehnjährigen wünsche. Niemand sollte seine Mutter so sehen müssen."
In intensiven Dialogen, an Orten der Erinnerung, der Angst, aber auch der Stärke zeigt "Menschen hautnah"-Autorin Karin Jurschick eine Frau, die zusammen mit ihrer Familie immer noch jeden Tag um ein neues Leben kämpft und die dabei den Mut hat, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
"Ich möchte nicht gesenkten Hauptes durch mein eigenes Leben gehen müssen, schämen soll sich der Täter. Ich muss mich nicht schämen, ich habe nichts verkehrt gemacht."
Der Vergewaltiger von Susanne Preusker wird zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und neun Monaten mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Im Gerichtssaal schaut Susanne Preusker ihrem Peiniger so lange ins Gesicht, bis der Mann die Augen senkt. "In dem Moment waren die Machtverhältnisse wiederhergestellt", sagt sie.

Thema:

Sieben Stunden Todesangst

Am 7. April 2009 ist Susanne Preusker glücklich: In 10 Tagen wird sie heiraten, so viele Dinge sind noch zu tun. Heute will sie ihren Arbeitstag früher beenden. Sie ist Leiterin der Sozialpsychiatrischen Abteilung der JVA Straubing und arbeitet dort therapeutisch mit Schwerverbrechern, Mördern und Vergewaltigern. Als der Gefangene K. in der Tür steht und sie um ein Gespräch bittet, verweist sie ihn deshalb auf den nächsten Tag. Doch den wird es für sie so nicht mehr geben. "Mein altes Leben bis zum April 2009? Ich will nicht behaupten, dass es perfekt war. Welches Leben ist schon perfekt? Aber ich habe es gern gelebt, ich hatte einen Arbeitsplatz, den ich klasse fand, ich hatte ein spannendes Leben, es war meins, ich hatte es mir aufgebaut. Und dann passierte das, und dann gab es einfach diese Frau nicht mehr." Sieben Stunden lang hält der Gefangene K. sie in ihrem Büro gefangen. Er verbarrikadiert den Raum. Und droht ihr mit dem Tod. Er hat ein Messer. Er knebelt Susanne Preusker. Und die weiß, dass sein letztes Opfer an einer solchen Knebelung erstickt ist. Susanne Preusker kennt diesen Mann sehr gut, sie hat ihn vier Jahre lang therapiert. Der Mann vergewaltigt sie viele Male. Spezialeinheiten der Polizei haben das Hochsicherheitsgefängnis längst umstellt. Trotzdem dauert es sieben Stunden, bis sie freikommt. Susanne Preusker hat überlebt, doch ihr Leben ist seitdem ein anderes. Sie kannte den Täter gut, hatte ihn mehrfach begutachtet, war überzeugt, dass sie mit ihm therapeutisch auf dem richtigen Weg war. "Ich hatte mich bei diesem Menschen geirrt und ganz offensichtlich etwas übersehen. Das quält mich beinah mehr als die Tat selbst. Es hat mein ganzes Vertrauen in mich, meine Wahrnehmung, meine Fähigkeiten und Sicherheiten dieser Welt erschüttert." Wie kann man weiterleben nach einer solchen Erschütterung? Nicht nur Susanne Preuskers Leben ist angegriffen worden, sondern auch das ihrer Familie. "Der Täter hat mir wahnsinnig viel genommen. Meine berufliche Integrität, dieses Leben, was ich gerne hatte, er hat meinem Sohn die taffe, gut organisierte, lustige Mama genommen. Mein Sohn war siebzehn, als das passierte, und er hat mich gesehen in einem Zustand, wie ich es keinem Siebzehnjährigen wünsche. Niemand sollte seine Mutter so sehen müssen." In intensiven Dialogen, an Orten der Erinnerung, der Angst, aber auch der Stärke zeigt "Menschen hautnah"-Autorin Karin Jurschick eine Frau, die zusammen mit ihrer Familie immer noch jeden Tag um ein neues Leben kämpft und die dabei den Mut hat, über ihre Erfahrungen zu sprechen. "Ich möchte nicht gesenkten Hauptes durch mein eigenes Leben gehen müssen, schämen soll sich der Täter. Ich muss mich nicht schämen, ich habe nichts verkehrt gemacht." Der Vergewaltiger von Susanne Preusker wird zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und neun Monaten mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Im Gerichtssaal schaut Susanne Preusker ihrem Peiniger so lange ins Gesicht, bis der Mann die Augen senkt. "In dem Moment waren die Machtverhältnisse wiederhergestellt", sagt sie.



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