Der arktische Norden Kanadas: Der junge Luke riskiert sein Leben, um ein Eisbärjunges, das bei den Menschen zurückblieb, wieder mit seiner Mutter zu vereinen. Der Spielfilm, fast komplett unter freiem Himmel gedreht, vereint die Qualität einer erstklassigen Natur-Doku mit einer berührenden Handlung. Größter Star des Films: Eisbärjunge Pisu , der von mehreren Jungtieren verkörpert wurde. Der eisige Norden Kanadas. Nur wenige Menschen leben dort unter rauen Bedingungen. Dazu gehören der Teenager Luke und seine Familie. Lukes Mutter Madison erforscht das Verhalten der Beluga-Wale, sein Vater kam bei einer Expedition ums Leben. Wenn Madison auf Forschungsreise ist, kümmert sich Lukes Tante Rita , eine Schwester seines Vaters, um die Familie, zu der neben Luke noch seine Schwester Abbie gehört. Luke lebt im nördlichen Teil von Manitoba. Hier, an den Grenzen menschlicher Besiedlung, kommen die Bewohner mit den vierbeinigen Königen der Arktis, den Eisbären, in engen Kontakt. Denn auf der Suche nach Futter und festem Grund unter den Füßen streunen die Bären des Nachts durch die Siedlungen. In der Regel werden sie dann eingefangen, in Käfigen (dem "Bärenknast") untergebracht und mithilfe eines Netzes und eines Hubschraubers bei Tageslicht wieder in die Wildnis ausgeflogen, ins weit entfernte Cape Resolute. So ergeht es auch einer Bärin, die mit ihrem Jungen durch den Ort wanderte. Sie wurde eingefangen, ihr Junges blieb unentdeckt. Luke findet den kleinen, heimatlosen Eisbären in seiner Garage. Er nimmt ihn mit ins Haus. Der Bär ist verspielt und anhänglich, kann aber nicht auf Dauer in Lukes Zimmer bleiben. Luke sucht Hilfe bei Muktuk , einem alten Freund seines Vaters, der angeblich dessen Tod mitverschuldete. Lukes Plan: Der Bär, den die beiden Pisu taufen, soll zu seiner Mutter zurückgebracht werden. Muktuk begleitet Luke und Pisu, doch in einem schweren Eissturm werden sie voneinander getrennt. Luke bleibt mit Pisu auf einer schwimmenden Eisscholle zurück. Muktuk fährt zurück, um Hilfe zu holen. Luke, dessen Vorräte knapp werden, kämpft ums Überleben. Und mit ihm Pisu, der kleine Eisbär. Der Ort, den Luke erreichen muss, um Pisu zurück zu seiner Mutter zu bringen, ist Cape Resolute in der kanadischen Provinz Nunavut. Der Name, den die Inuit Cape Resolute gegeben haben, bedeutet "Ort ohne Dämmerung". Darauf bezieht sich der Originaltitel des Films, "Midnight Sun". Während es im Sommer 24 Stunden lang Tageslicht gibt, herrscht in Resolute im Winter die Polarnacht. Das Volk der Inuit lebt erst seit 1953 in der Gegend. Die Inuit wurden dort aus strategischen und geopolitischen Gründen von Kanada während des Kalten Krieges angesiedelt. Ihr angeblich garantiertes Rückkehrrecht in ihr Heimatterritorium wurde ihnen von der Regierung verweigert. Für diese Form der Zwangsumsiedlung zahlte der Staat Kanada im Jahr 2008 zehn Millionen Dollar an die Nachfahren der Erstsiedler und entschuldigte sich offiziell für eine Politik ohne Rücksicht auf das Selbstbestimmungsrecht seiner Bürger. Mit dem Hype um das Berliner Eisbär-Junge Knut begann der arktische Jäger seinen Einzug ins tiefere Bewusstsein vieler Westeuropäer. Kein Zufall: Der niedliche Knut und die Diskussion um den Klimawandel, und damit die Bedrohung der Eisbären durch Verlust ihres Lebensraumes, fielen zeitlich eng zusammen. Knut war das erste Tier, das es auf das Titelblatt eines internationalen Hochglanzmagazins schaffte. In einer Fotomontage war das weiße Fellknäuel außerdem gemeinsam mit Oscar-Preisträger Leonardo DiCaprio zu sehen. Der Schauspieler macht sich für den Klimaschutz stark. Seitdem präsentieren auch deutsche Zoos immer wieder gern Eisbären-Nachwuchs. Im Münchener Tierpark Hellabrunn lebten bis Februar 2016 die Eisbären-Zwillinge Nela und Nobby. Dann zogen sie getrennt in andere europäische Zoos: Nela ins holländische Emmen und Nobby ins englische Yorkshire, wo gleichaltrige Artgenossen auf sie warteten. Cola-Cola entdeckte vor einigen Jahren den Eisbären als knuddelige Werbefigur mit Familiensinn. Die Eisbärfamilie im Getränke-Werbespot, der im Winter 2015/16 über deutsche Bildschirme flimmerte, ist dem Wunsch nach Übertragung menschlicher Lebensformen auf Tiere geschuldet. In Wirklichkeit sind Eisbären Einzelgänger. Die Männchen trennen sich nach der Befruchtung sofort von den Weibchen; die Bärinnen bleiben maximal drei Jahre mit ihrem Nachwuchs zusammen. Wo Lebensraum und Nahrung knapp werden, fressen die Männchen gelegentlich auch Jungtiere. Junge Eisbären sind sehr niedlich. Die Tiere sind schlau und anpassungsfähig. Trotz des schweren Körpers verfügen sie über schier unglaubliche Beweglichkeit. Außerdem sind sie meisterhafte Schwimmer und grandiose Jäger. Sie sehen schlecht, können jedoch ihre Beute sogar unter der Eisfläche riechen. An ihren einzigartigen, leider stetig schmelzenden Lebensraum sind sie optimal angepasst. Und: Ihre Haare wirken nur in der Gesamtheit weiß. In Wirklichkeit sind die Hohlröhren schwarz.