Ivan und Jelena leben an der kroatischen Küste auf dem Land. Das junge Paar will den aufkommenden Streitereien zwischen Serben und Kroaten entfliehen und nach Zagreb gehen. So weit wird es nicht kommen. Es ist das Jahr 1991, als Kroatien unabhängig werden will. Serbien ist dagegen - und Jelenas und Ivans Familien stehen auf verschiedenen Seiten. 2001: Nata?a und ihre Mutter kehren in ihr zerstörtes Haus zurück. Sie engagieren den Kroaten Ante als Handwerker. Zunächst will Nata?a nichts von Ante wissen, tief sitzt ihr Hass gegen Kroaten, doch mit der Zeit wird die Anziehung zwischen den beiden stärker. Zehn Jahre später feiern Jugendliche eine sommerliche Rave-Party am Meer. Luka war lange nicht zu Hause, jetzt nutzt er die Gelegenheit, bei seinen Eltern vorbeizuschauen. Doch nicht nur das: Luka hofft, auf Marija zu treffen, die er vor Jahren schwanger im Stich liess, um in der Stadt zu leben. Der kroatische Regisseur und Drehbuchautor Dalibor Matanic wagte mit «Mittagssonne» ein Experiment: Den «Romeo und Julia»-Stoff seiner Geschichte spielt er dreimal durch, in jeweils verschiedenen Jahrzehnten. Erst die dritte Episode versprüht so etwas wie Hoffnung für das Zusammenleben verschiedener Ethnien auf dem Balkan. Das Spezielle dabei: Die Liebenden werden in allen Episoden von den gleichen Schauspielern verkörpert, Goran Markovic und Tihana Lazovic. Was konstruiert klingen mag, funktioniert erstaunlich gut, denn auch wenn die Geschichten auf den ersten Blick nicht zusammengehören, erzählen sie doch alle von der gleichen Schwierigkeit: zu lieben, wenn ein Krieg Hass sät. Dass «Mittagssonne» ein Ganzes geworden ist, ist auch der überragenden Kameraarbeit von Marko Brdar zu verdanken und den Motiven, die Kameramann und Regisseur in alle Episoden bespielen, allen voran jenes, das dem Film den Titel gab, die Mittagssonne.