Es gibt noch ein paar Oasen, in denen sich Kabarettfreunde an Spitzzüngigem laben können wie Dürstende an der kühlen Quelle. Eine davon heißt "Mitternachtsspitzen". Mit Jürgen Becker, Wilfried Schmickler, den Gästen Sarah Bosetti, Lisa Eckhart, Philip Simon und Mariella Tripke, mit Sängerinnen des Kölner "Erwachsenenchor St. Stephan" und von "Spätlese" sowie mit Susanne Pätzold als Kohle-Lobbyistin und Uwe Lyko als Herbert Knebel. Für alle Omas, die Motorrad fahren, begann das neue Jahr ziemlich laut. Für alle Warner vor dem Klimawandel geht der Kampf weiter. Für alle Fans der "Lindenstraße" steht im neuen Jahr ein großer Abschied ins Haus. Für alle parteipolitisch Verdrossenen hilft auch weiterhin nur der Humor. Für alle Verfasser von Hassbotschaften im Netz wird es künftig schwierig. Sarah Bosetti, im Poetry Slam ebenso zu Hause wie im Kabarett, beantwortet giftige Inhalte und böse Worte ab sofort mit lyrischen Zeilen. Lisa Eckhart bekennt sich, obwohl Österreicherin, zur deutschen Beinahe-endlos-Serie "Lindenstraße" und fordert für deren Einstellung eine Entschuldigung ohne Wenn und Aber. Philip Simon verlässt wieder mal seinen Rückzugsort, einen leeren Spind, und denkt über das Wohl und Wehe unserer Tage nach. Wie natürlich auch Gastgeber Jürgen Becker, der bekanntlich schon seit Jahrzehnten postuliert: "Kabarett schön und gut, aber man muss auch mal 'nen Witz machen dürfen." Weshalb er gemeinsam mit Mariella Tripke ziemlich kölsch über Organspenden sinniert, weshalb Wilfried Schmickler als rheinische Frohnatur sich jahreszeitbedingt zu einer Büttenrede aufschwingt, gemeinsam mit Uwe Lyko die ewige Queen und deren Prinzgemahl verkörpert, Susanne Pätzold sich in eine Kohle-Lobbyistin hineinversetzt, Herbert Knebel schlitzohrig über Ich-AG's nachdenkt und nicht zuletzt singende Omas des Kölner "Erwachsenenchor St. Stephan" und von "Spätlese" endlich versöhnen statt zu spalten: einmal Spott für alle, jetzt auch für die Jugend.