Eine Staatsanwältin wird nach siebenjähriger Haftstrafe aus der Haftanstalt entlassen. Ihre Tochter, Kommissarin von Beruf, muss auf Usedom den Mord an einem Rollstuhlfahrer klären.

Nein, es muss nicht immer Oberbayern sein. Auf der Suche nach geeigneten Szenerien für den Regionalkrimi sind die TV-Macher auch im hohen Norden vielfach fündig geworden. Kaum ein Küstenstreifen, der nicht im Fernsehen vermarktet wird. Dass Usedom nach Sylt und Stralsund als Schauplatz nicht lange auf sich warten lassen würde, war zu erwarten. Mittlerweile wurden bereits sechs Teile der "Usedom-Krimi"-Reihe gedreht. Wann genau der jüngste Film mit dem Titel "Bruderkrieg" in diesem Jahr ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. Das Erste wiederholt nun erst mal den Auftaktfilm "Mörderhus" aus dem Jahr 2014.

Nicht so viele Worte machen, wie sonst in Fernsehkrimis üblich, lieber Bilder und Blicke sprechen lassen – das wollten die Autoren Scarlett Kleint, Michael Illner und Alfred Roesler-Kleint in diesem Degeto-Auftragsfilm, ebenso wie der "Tatort"-erfahrene Regisseur Andreas Herzog. Doch daraus wurde zunächst mal leider nichts: Es gibt hier doch so viel aus der Vergangenheit zu erzählen. Was besser im biografischen Hintergrund aufgehoben gewesen wäre, wird vor dem Zuschauer doch recht ausführlich ausgebreitet und gar in Rückblenden mehrfach eingeschoben.

So schiebt sich die Geschichte der Staatsanwältin (Katrin Sass) und ihr Verhältnis zur eigenen Tochter doch im ersten Fall sehr in den Vordergrund. Karin Lossow aus Usedom trägt offensichtlich noch immer schwer an ihrer Schuld, als sie aus dem Rostocker Gefängnis entlassen wird. Ihre Tochter (Lisa Maria Potthoff), ausgerechnet eine Kommissarin, hätte sie gerne in Rostock belassen, doch sie will zurück ins einsame Haus, in dem sie vor sieben Jahren ihren untreuen Mann erschossen hat. Sie will den Einheimischen, die nicht verzeihen wollen, in die Gesichter sehen. Und sie möchte ganz einfach "wieder eine Familie haben". Mag sich die Tochter da auch noch so sträuben.

In diese psychologisierende Geschichte ist nun der Unfalltod – oder doch Mord? – eines schwer behinderten Rollstuhlfahrers hineingesponnen. Die Schwester des Toten und dessen Pfleger hatten den Behinderten in seinem Rollstuhl auf einem Steg am Meer allein gelassen und sich in einem Schuppen in der Nähe verlustiert. Um vieles komplizierter wird der Fall allerdings dadurch, dass der Tote einst seinerseits einen Unfall verursacht hatte, bei dem zwei Jugendliche ums Leben kamen. Rache könnte also im Spiel gewesen sein. Und dann ist da ja auch noch der Sohn eines ruchlosen Usedomer Politikers, der seinerseits Interesse an der Schwester des Toten hatte ...

Es stellt sich die Frage, ob es wirklich zweier "starker Frauen" (sehr symmetrisch: jung und alt) bedurfte, um den Usedom-Krimi in die Gänge kommen zu lassen. Zu viel Ballast, der beredet werden muss, hängt fürs Erste an den Hauptfiguren. Der Mordfall selbst wirkt dabei eher dünn – ganz so, als hätten die Erfinder nach der Etablierung ihrer Hauptfiguren nicht mehr allzu viel Zeit gehabt. Daran ändern auch die schönen Küstenbilder und die schreienden Möwen im hübsch fotografierten grau-kalten Usedomer Winter wenig.


Quelle: teleschau – der Mediendienst