Barfüßige, langhaarige Menschen mit Stirnbändern, die in langen Gewändern oder gar nackt in unberührter Natur tanzen, die freie Liebe propagieren, sich vegan ernähren und mit Drogen experimentieren: die Hippiebewegung der sechziger Jahre? Mitnichten, denn die Idee eines alternativen Lebens wurde schon vor über hundert Jahren in der Nähe der kleinen Stadt Ascona in der südlichen Schweiz geboren. Der Dokumentarfilm "Monte Verità - Der Traum vom alternativen Leben" erzählt die Geschichte einer Gruppe junger Töchter und Söhne begüterter Eltern, die um 1900 gegen ihre Zeit revoltieren. Eine von ihnen ist Ida Hofmann, die der transsylvanischen Oberschicht entstammt, als begabte Pianistin in Russland ihren Lebensunterhalt verdient und dennoch den für sie vorgezeichneten Lebensweg verlassen will. Als sie sich in den belgischen Fabrikantensohn Henri Oedenkoven verliebt, beschließen beide, einen radikalen Neuanfang zu wagen. Aus Idas Perspektive wird der Film erzählt. Auf der Suche nach einem Leben jenseits von Konsumdenken und Fortschrittsglauben gründen Ida und Henri auf dem kleinen Monte Monescia in der Schweiz, den sie in "Monte Verità" umbenennen - "Berg der Wahrheit" - eine alternative Lebensgemeinschaft, die schnell wächst. Hermann Hesse, der Freudschüler Otto Gross oder die Tänzerin Mary Wigman gehören zeitweilig dazu. Sie alle sind von der Überzeugung beseelt, die Welt mit einem gesünderen, natürlicheren, besseren Leben verändern zu können. Der Film erzählt am Beispiel der Schicksale einiger der Bergbewohner die Geschichte von Beginn, Aufstieg, Euphorie, Enttäuschung und schließlich Scheitern einer Idee, die von ihrer Relevanz bis heute nichts verloren hat.