Stirbt ein Mensch im Stillen, vereinsamt und ohne, dass jemand davon Notiz nimmt, so steht zuletzt immerhin John May am Grab. Der Beamte der Londoner Sozialbehörde organisiert Beerdigungen aller Glaubensrichtungen und sucht sogar die passende Musik aus für die Zeremonien, deren einziger Teilnehmer für gewöhnlich er ist. Sorgfältig verfasst er die Grabreden für Menschen, die er nie getroffen hat, und lässt sich dabei von Fundsachen und Fotografien aus deren Wohnungen leiten. Als letzten Akt des Abschieds fügt der akribische Beamte ein Porträt in sein Fotoalbum verlorener Seelen. Die Hingabe des Sozialbeamten für seine verstorbenen Schützlinge wirkt aus der Zeit gefallen, und tatsächlich besucht der Geist der Rationalisierung eines Tages John May. Kaltlächelnd eröffnet ihm ein junger Vorgesetzter, seine Dienste würden nach 22 Jahren nun nicht mehr benötigt. Seinen aktuellen Fall, immerhin, darf John noch abschliessen, innert drei Tagen. Der Tote ist ein alleinstehender Alkoholiker, der sein einsames Leben in der Wohnung gegenüber jener John Mays führte und mit ihm nie ein Wort gewechselt hat. Ein letztes Mal nimmt der Sozialbeamte die Spurensuche auf. «Die entschleunigte Story wirkt in ihrer ruhigen, zurückhaltenden Art zunächst unspektakulär. Doch es ist kein trüber Film über den Tod, sondern eine berührende Geschichte über das Leben», erkannte das «St. Galler Tagblatt». Mit seiner Geschichte über den Tod thematisiert der Drehbuchautor und Regisseur Uberto Pasolini, verwandtschaftlich nicht mit Pier Paolo Pasolini verbunden, sondern mit Luchino Visconti, die Vereinsamung des Individuums in der heutigen Zeit. «Eine einfache, rührende Geschichte mit einem grandiosen Hauptdarsteller», lobte die «Berner Zeitung», und tatsächlich ist es der auf Nebenrollen (beispielsweise in Mike Leighs «Happy-Go-Lucky») abonnierte Londoner Charaktermime Eddie Marsan, der aus dem kleinen Film ein grosses Vergnügen macht.