Als muslimische Frau in Deutschland selbstbestimmt leben zu können, dafür kämpfen Gökcen Tamer-Uzun, Aysel Özdemir und Sonja Fatma Bläser. Die drei starken Frauen zeigen, dass Islam und Emanzipation kein Widerspruch sind. Sie haben eine klare Haltung und kämpfen gegen Vorurteile in und außerhalb ihrer Community. Was treibt sie an? Gökcen Tamer-Uzun diskutiert mit angehenden Lehrerinnen über die Bedeutung des Schleiers im Islam und die Stellung der Frau. Die Meinungen gehen weit auseinander. Tamer-Uzun bildet Religionslehrerinnen an der pädagogischen Hochschule aus. Als erste Frau hat sie vor zehn Jahren schon das Lehrfach "Islamischer Religionsunterricht" in Baden-Württemberg mitbegründet. Als Pädagogin und Mutter zweier Töchter ist ihr wichtig, als gläubige Muslimin selbstbestimmt und frei leben zu können. Das treibt auch Aysel Özdemir an. Die Seelsorgerin kümmert sich im Stuttgarter Klinikum um krebskranke Frauen und Palliativpatientinnen und Palliativpatienten. Damit betritt die 43-jährige neues Terrain, denn bislang war unter Muslimen die seelsorgerische Tätigkeit Männern, vor allem Imamen überlassen. Die gläubige Muslimin trägt Kopftuch und wehrt sich gegen den Vorwurf, unterdrückt zu sein. Sie kämpft dafür, dass Frauen in ihrer eigenen Community und in der Mehrheitsgesellschaft gleichberechtigt sind. Der Kampf für Demokratie und Selbstbestimmung verbindet die beiden Frauen und Fatma Bläser. Die couragierte Deutsch-Kurdin gründete vor Jahren den Verein "Hennamond", eine Beratungsstelle in Köln-Nippes für Frauen und Männer, die Rat und Schutz suchen. Viele von ihnen sind Musliminnen, die häusliche Gewalt erfahren oder von Zwangsheirat bedroht sind. "Häufig wird das fälschlicherweise mit dem Koran gerechtfertigt", sagt die 54-Jährige. Sie betreut auch das Projekt "Helden des Alltags" und spricht mit jungen Gefängnisinsassen der JVA Wuppertal-Ronsdorf über Themen wie Sexualität, Religionsverständnis und Homophobie. Fatma Bläser stammt selbst aus einer konservativen muslimischen Familie. "Wir haben versäumt, offen über Probleme zu sprechen, die mit dem Islam gerechtfertigt werden", sagt sie, "und müssen lernen, zwischen falsch verstandener Toleranz und der Akzeptanz von Vielfalt zu unterscheiden".