Heute leben Antonio und Narcisa Melilli im italienischen Padua, doch ihr Herz ließen sie in Tripolis, das sie 1970 nach Gaddafis Staatsstreich verlassen mussten. Selbst nach fast 50 Jahren des Lebens in Italien ist die libysche Hauptstadt für das Ehepaar ein Ort der Sehnsucht. Ihre Enkelin, Martina Melilli, setzt in ihrem Dokumentarfilm mit Hilfe von alten Fotos und Erzählungen Stück für Stück das Mosaik aus Erinnerungen ihrer Großeltern zusammen. Dabei findet Martina über soziale Netzwerke in Mahmoud, einem Studenten aus Tripolis, einen Helfer, denn ihr selbst wird die Einreise verweigert. Immer auf der Hut vor den Milizen fotografiert oder filmt ihr "virtueller" Freund die Erinnerungsorte ihrer Großeltern. Die Aufnahmen und Chats liefern neben einem Einblick in die Vergangenheit vor allem unmittelbare Erkenntnisse über die gegenwärtig hoffnungslose Situation junger Menschen in Libyen, das vom anhaltenden Bürgerkrieg gezeichnet ist. Und obwohl sich Martina und Mahmoud noch nie persönlich begegnet sind, entsteht im Laufe der Zeit zwischen den beiden eine wahre Freundschaft - dank des Internets. Auf sehr persönliche Weise rekonstruiert Martina Melilli die großelterliche Vergangenheit bis in die Gegenwart und sieht sich gleichzeitig mit dem italienischen Kolonialismus und dem aktuellen libyschen Bürgerkrieg konfrontiert. Der Film wurde 2018 auf dem Locarno Festival gezeigt.