NETZ NATUR

Die Fischart «Nase». In vielen Gewässern sind sie heute verschwunden, aber an gewissen Orten wie in der Thur kehren sie langsam zurück. Vergrößern
Die Fischart «Nase». In vielen Gewässern sind sie heute verschwunden, aber an gewissen Orten wie in der Thur kehren sie langsam zurück.
Fotoquelle: © ZDF/SRF
Natur+Reisen, Natur und Umwelt
NETZ NATUR

Infos
Produktionsland
Schweiz
Produktionsdatum
2017
3sat
Mo., 12.03.
20:15 - 21:05
Unsere Verwandten im Wasser


"NETZ NATUR" zeigt, wie eng Fische mit dem Menschen verwandt sind, und kommt zum Schluss: Was den Fischen schadet, kann auch für uns nicht gut sein. "Damals gab es hier im Doubs so unglaublich viele Insektenlarven im Wasser, dass eine Forelle nur das Maul zu öffnen und den Kopf zu drehen brauchte, um zu fressen. Und so gab es denn auch unglaublich viele Forellen!", sagt der renommierte Fischfotograf Michel Roggo. Mit seinen abenteuerlichen Konstruktionen großformatiger Kameras, die er an langen Stangen in reißende Flüsse oder stille Wasser führt oder die er zwischen Steinen festklemmt und so die Linse ganz nahe an die scheuen Fische heranbringt, gelingen ihm atemberaubende, hautnahe Porträts von Fischen. Er ist der Meister der grandiosen Ästhetik fremder Lebewesen in ihrem Element. Mit solchen Bildern führt "NETZ NATUR" ins Reich der heimischen Fische und stellt einen verblüffenden Vergleich an: Eine frisch geschlüpfte Forelle sieht einem vier Wochen alten menschlichen Embryo verblüffend ähnlich. Und das ist kein Zufall, denn dass wir als Embryonen im Mutterleib in einer milden Salzwasserlösung schwimmen, weist darauf hin, dass unsere Stammesgeschichte vor rund 400 Millionen Jahren mit den ersten Fischen im Wasser begann. Zwar leben wir inzwischen nach der Geburt auf dem Trockenen, doch unsere gesamte Embryonalentwicklung findet noch immer in einer Art "Aquarium", in der Fruchtblase im Fruchtwasser, statt - im Element der Fische. Wenn Michel Roggo heute an dem kleinen Fluß Doubs an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich steht, hat er Mühe, einzelne große Insektenlarven, die Leibspeise der Forellen, unter den Steinen im Flussbett zu finden. Die Millionen von Insekten sind im Doubs weitgehend verschwunden. Und mit ihnen die Fische. "NETZ NATUR" besucht verschiedene Gewässer in der Schweiz und geht der Frage nach, was dahintersteckt, dass viele Fische große Mühe haben, zu überleben. Fast überall sind sie in den letzten 30 Jahren massiv zurückgegangen. In den meisten Seen haben die Berufsfischer nur genügend Felchen in den Netzen, weil man mit künstlich erbrüteten Besatzfischen nachhilft. Auf dem Seegrund gibt es oft zu viel Schlamm und zu wenig Sauerstoff, als dass sich die Felchen natürlich fortpflanzen könnten. Noch stärker stehen Fische in den Fließgewässern unter Druck. Sei es, dass ihnen in den Gebirgsflüssen schlicht das Wasser fehlt, weil die Elektrizitätswerke mit dem Restwasser geizen. Oder sei es, dass die Flüsse verbaut, überdüngt oder vergiftet sind: Die Landwirtschaft hinterlässt im Wasser unsichtbare, aber gefährliche Spuren. Auch die Siedlungen leisten ihren Beitrag. Aus den Kläranlagen entweichen hoch potente Giftstoffe und Abbauprodukte von Medikamenten, die fatale Auswirkungen auf die Fische haben. Und schließlich haben die Fischer jahrhundertelang versucht, durch künstliche Aufzucht und Einsetzen von Jungfischen ihre Erträge zu steigern. Man weiß heute, dass dies die natürliche Fortpflanzung derart stört, dass die Populationen der Fische zusätzlich geschwächt werden. Fremde Fische, die zurzeit über den Rhein einwandern, sind zudem eine große Gefahr für einheimische Arten, und die Klimaerwärmung lässt Flüsse austrocknen oder so warm werden, dass etwa Forellen kaum noch Überlebenschancen haben.


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