Nachtcafé

Talk, Talkshow
Nachtcafé

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
3sat
Do., 02.08.
10:10 - 11:40


Wir alle kennen das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Um die Welt zu reisen, das Hobby zum Beruf zu machen oder um die große Liebe zu kämpfen. Warum geben wir unsere Lebensträume auf? Schnell tun wir unsere Träume ab als unvernünftig, egoistisch oder unmöglich. Doch los lassen sie uns nicht: "Was wäre gewesen? Wie wäre mein Leben verlaufen?": Über Fragen, die uns oft ein Leben lang begleiten, diskutiert Michael Steinbrecher mit seinen Gästen. Wenn Reue in uns aufsteigt, dann ist es ein unangenehmes, oft schmerzhaftes Gefühl. Es erzeugt emotionalen Stress und kann uns laut Studien Lebenszeit kosten. Doch wenn wir erkennen, was wir bitterlich bereuen, dann lassen sich manche Gelegenheiten mit etwas Glück und etwas Mut nachholen. Zum Beispiel wenn man sich mit 70 doch noch endlich den verrückten Lebenstraum erfüllt, der einen schon seit seiner Jugend umgetrieben hat. Doch bei Weitem nicht für alles gibt es eine zweite Chance. Manchmal schieben wir etwas so lange auf, bis es einfach zu spät ist. Spätestens am Sterbebett blicken viele auf ihr Leben zurück und erkennen, was sie verpasst haben. Sie bedauern, nicht das gelebt zu haben, was sie eigentlich glücklich gemacht hätte - vielleicht zu viel Zeit mit der Arbeit statt mit Familie und Freunden verbracht zu haben. Die Gäste bei Michael Steinbrecher: Vor 25 Jahren übernahm Axel Geiser die Metzgerei seiner Eltern. Er und seine Frau arbeiteten rund um die Uhr, um ihre fünfköpfige Familie zu ernähren. Bis sie beschlossen: Wir steigen aus! Anfang 2018 bauten sie sich ein Haus an der Mecklenburgischen Seenplatte - weil sie nicht irgendwann bereuen wollen, ihr Leben nicht gelebt zu haben. "Immer wieder bohrte es in mir", sagt Geiser. "Was ich heute versäume, kann ich irgendwann nicht mehr nachholen." Ohne Reue leben, das will auch Autor Michel Ruge. Aufgewachsen als Sohn eines Bordellbesitzers, führte er jahrzehntelang ein Leben voller Affären und wilder Partys. Er stand auf der Todesliste der türkischen Mafia, arbeitete als Türsteher, Personenschützer und Schauspieler. "Ich bereue nichts", erklärt der Lebemann. "Alles, was ich getan habe, ist die Summe dessen, was ich bin." Dass oft erst Umwege zum Glück führen, erlebte Kerstin Berg. Aus einem Urlaubsflirt im Frankreich-Urlaub wurde schnell die große Liebe. Doch für einen Umzug fehlte ihr mit Anfang 20 der Mut. So trennten sich ihre Wege, beide heirateten jemand anderen und bekamen Kinder. Erst nach 27 Jahren trafen sie sich wieder - und gaben ihrer Liebe eine zweite Chance. "Dass die Gefühle erneut so aufflammen, damit hätte ich nicht gerechnet", sagt Kerstin Berg. Keine Chancen verpassen: Das ist das Lebensmotto von Claudia Cardinal: "Ich habe früh verstanden, dass ich nicht viel Zeit habe. Darum kreiere ich mir selbst meine Glücksmomente." Nach dem Tod ihrer sechsjährigen Tochter ließ sie sich zur Sterbe- und Trauerbegleiterin ausbilden. Die Krebserkrankung ihres Partners, der vor Kurzem verstarb, zwang sie einmal mehr dazu, die verbleibende Zeit gemeinsam voll auszukosten. Reue angesichts des Todes: umso belastender, wenn ein Gefühl der Schuld zurückbleibt. Heinz Dieter Lindemann brach den Kontakt zu seinem Sohn ab, nachdem dieser auf die schiefe Bahn geraten war. Dann erreichte ihn die schockierende Nachricht: Sein Sohn war in einem Obdachlosenheim ermordet worden. "Es bringt mich zur Verzweiflung, dass ich das alles verhindern hätte können", sagt Lindemann, der an diesem Verlust zerbrochen ist. Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen - für Entwicklungspsychologin Professor Dr. Pasqualina Perrig-Chiello steht fest: Das gehört zum Leben dazu. Zu einem zufriedenen und gesunden Leben gehöre aber auch, seinen Frieden damit zu schließen und aus verpassten Chancen neue Möglichkeiten zu schaffen. "Wir sollten uns nicht vom Gewesenen treiben lassen, sondern die Zukunft gestalten", rät sie. "Sonst sind wir Sklaven unserer Vergangenheit."

Thema:

Nichts zu bereuen? Von verpassten Chancen

Wir alle kennen das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Um die Welt zu reisen, das Hobby zum Beruf zu machen oder um die große Liebe zu kämpfen. Warum geben wir unsere Lebensträume auf? Schnell tun wir unsere Träume ab als unvernünftig, egoistisch oder unmöglich. Doch los lassen sie uns nicht: "Was wäre gewesen? Wie wäre mein Leben verlaufen?": Über Fragen, die uns oft ein Leben lang begleiten, diskutiert Michael Steinbrecher mit seinen Gästen. Wenn Reue in uns aufsteigt, dann ist es ein unangenehmes, oft schmerzhaftes Gefühl. Es erzeugt emotionalen Stress und kann uns laut Studien Lebenszeit kosten. Doch wenn wir erkennen, was wir bitterlich bereuen, dann lassen sich manche Gelegenheiten mit etwas Glück und etwas Mut nachholen. Zum Beispiel wenn man sich mit 70 doch noch endlich den verrückten Lebenstraum erfüllt, der einen schon seit seiner Jugend umgetrieben hat. Doch bei Weitem nicht für alles gibt es eine zweite Chance. Manchmal schieben wir etwas so lange auf, bis es einfach zu spät ist. Spätestens am Sterbebett blicken viele auf ihr Leben zurück und erkennen, was sie verpasst haben. Sie bedauern, nicht das gelebt zu haben, was sie eigentlich glücklich gemacht hätte - vielleicht zu viel Zeit mit der Arbeit statt mit Familie und Freunden verbracht zu haben. Die Gäste bei Michael Steinbrecher: Vor 25 Jahren übernahm Axel Geiser die Metzgerei seiner Eltern. Er und seine Frau arbeiteten rund um die Uhr, um ihre fünfköpfige Familie zu ernähren. Bis sie beschlossen: Wir steigen aus! Anfang 2018 bauten sie sich ein Haus an der Mecklenburgischen Seenplatte - weil sie nicht irgendwann bereuen wollen, ihr Leben nicht gelebt zu haben. "Immer wieder bohrte es in mir", sagt Geiser. "Was ich heute versäume, kann ich irgendwann nicht mehr nachholen." Ohne Reue leben, das will auch Autor Michel Ruge. Aufgewachsen als Sohn eines Bordellbesitzers, führte er jahrzehntelang ein Leben voller Affären und wilder Partys. Er stand auf der Todesliste der türkischen Mafia, arbeitete als Türsteher, Personenschützer und Schauspieler. "Ich bereue nichts", erklärt der Lebemann. "Alles, was ich getan habe, ist die Summe dessen, was ich bin." Dass oft erst Umwege zum Glück führen, erlebte Kerstin Berg. Aus einem Urlaubsflirt im Frankreich-Urlaub wurde schnell die große Liebe. Doch für einen Umzug fehlte ihr mit Anfang 20 der Mut. So trennten sich ihre Wege, beide heirateten jemand anderen und bekamen Kinder. Erst nach 27 Jahren trafen sie sich wieder - und gaben ihrer Liebe eine zweite Chance. "Dass die Gefühle erneut so aufflammen, damit hätte ich nicht gerechnet", sagt Kerstin Berg. Keine Chancen verpassen: Das ist das Lebensmotto von Claudia Cardinal: "Ich habe früh verstanden, dass ich nicht viel Zeit habe. Darum kreiere ich mir selbst meine Glücksmomente." Nach dem Tod ihrer sechsjährigen Tochter ließ sie sich zur Sterbe- und Trauerbegleiterin ausbilden. Die Krebserkrankung ihres Partners, der vor Kurzem verstarb, zwang sie einmal mehr dazu, die verbleibende Zeit gemeinsam voll auszukosten. Reue angesichts des Todes: umso belastender, wenn ein Gefühl der Schuld zurückbleibt. Heinz Dieter Lindemann brach den Kontakt zu seinem Sohn ab, nachdem dieser auf die schiefe Bahn geraten war. Dann erreichte ihn die schockierende Nachricht: Sein Sohn war in einem Obdachlosenheim ermordet worden. "Es bringt mich zur Verzweiflung, dass ich das alles verhindern hätte können", sagt Lindemann, der an diesem Verlust zerbrochen ist. Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen - für Entwicklungspsychologin Professor Dr. Pasqualina Perrig-Chiello steht fest: Das gehört zum Leben dazu. Zu einem zufriedenen und gesunden Leben gehöre aber auch, seinen Frieden damit zu schließen und aus verpassten Chancen neue Möglichkeiten zu schaffen. "Wir sollten uns nicht vom Gewesenen treiben lassen, sondern die Zukunft gestalten", rät sie. "Sonst sind wir Sklaven unserer Vergangenheit."



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