Nachtcafé

Talk, Talkshow
Nachtcafé

Infos
Internet: www.SWR.de/nachtcafe
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
SWR
Fr., 21.09.
22:00 - 23:30


Wer derzeit eine Wohnung sucht, ist nicht zu beneiden - vor allem in den Großstädten gestaltet sich die Suche durchaus schwierig. Eine hohe Nachfrage bringt hohe Preise mit sich. Arm und Reich wohnen dadurch immer weiter voneinander entfernt. Zwar boomt der Wohnungsbau - doch bei Weitem nicht in ausreichendem Maße. Seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen um 60 Prozent gesunken. Insgesamt werden pro Jahr 70.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Die Baukosten steigen hingegen auch aufgrund staatlicher Auflagen. Spekulanten treiben Immobilienpreise und Mieten ins Unermessliche - und langjährige Mieter sind mit den Nerven am Ende, weil sie nach einer Komplettsanierung ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können. Wohnen wird immer mehr zur existenziellen Frage. Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen: Miriam Garufo musste nach einer Luxussanierung aus ihrer Mietwohnung ausziehen "Wir wurden mit allen Mitteln aus unserer Wohnung entmietet." Eine Luxussanierung kündigte die Investorfirma für Miriam Garufos Wohnung an - dabei zog sie alle Register: Dauerbaustelle, Heizungsausfall, Wasserschaden - begleitet von einer saftigen Mieterhöhung und vielen Anwaltsschreiben des Eigentümers. Nach Schikanen und langem Psychoterror gab die junge Mutter auf - und zog in eine viel zu kleine Wohnung. Seitdem sucht das Paar in München vergeblich nach einer bezahlbaren ausreichend großen Bleibe. Barbara Bosch, Oberbürgermeisterin in Reutlingen, beklagt Auflagen des Bundes Starke Nachfrage, hohe Mieten - so ist die Situation nicht nur in den Metropolen, sondern auch im Umland. Auch in Reutlingen, 40 Kilometer von Stuttgart entfernt, ist die Wohnungslage angespannt. Barbara Bosch ist dort seit 15 Jahren Oberbürgermeisterin und kennt die Nöte der Bürger - aber auch die Schwierigkeiten und Hürden, für mehr Wohnraum zu sorgen: "Es gibt viele Auflagen zu beachten, die der Bund vorgibt." Prof. Günter Rausch kämpft für bezahlbaren Wohnraum "Wohnen ist Menschenrecht und ein Grundbedürfnis, eine Wohnung darf keine Ware sein." Dafür kämpft Prof. Günter Rausch: "Es ist die Aufgabe des Staates, für ausreichend Wohnraum zu sorgen und regulierend einzugreifen." Rausch kritisiert, dass der soziale Wohnungsbau über Jahre fast zum Erliegen kam. Die Leidtragenden dieser fehlgeleiteten Politik seien vor allem die Schwachen der Gesellschaft. Der Staat habe hier eine Verantwortung, der er nicht nachkomme, so der Freiburger. Kruno Crepulja hält nichts von der Mietpreisbremse Von staatlichen Regulierungen wie einer Mietpreisebreme hält Kruno Crepulja überhaupt nichts. Er ist CEO eines börsennotierten Unternehmens, das 8.900 Wohneinheiten im Portfolio und als Ziel eine nachhaltige Profitabilität hat. Der Firmenfokus liegt auf Neubauten in Top-Metropolen sowie Sanierungen von Gebäuden. Seine Preis-Entwicklungsprognose ist eindeutig: "Lange Zeit waren Immobilien in Deutschland unterbewertet. Vor allem Wohnungen in Ballungsräumen sind eine sehr gute Investition, die Lage wird sich keinesfalls entspannen." Wolfgang Fischer vermietet ein Mehrfamilienhaus in München zu fairen Preisen Auf Kosten der Vermieter saftige Renditen einfahren? Das würde Wolfgang Fischer nie in den Sinn kommen. Der Schauspieler ist Besitzer eines Mehrfamilienhauses in München, das ihm seine Tante vererbt hat. Von seinen Mietern verlangt er deutlich weniger, als er könnte. Lukrative Angebote von Investoren für die Millionenimmobilie lehnt er kategorisch ab und stellt sich schützend vor seine Mieter: "Heutzutage geht es nur noch ums Geld - und das, obwohl Deutschland immer ein Vorbild für Seriosität war. " Heidi Weimann sucht verzweifelt nach einem neuen Zuhause "Nur Absagen!". Heidi Weimann ist alleinerziehend und arbeitslos - und mit diesen Kriterien bei der Wohnungssuche nahezu chancenlos. Vor Jahren gab die Therapeutin ihren Job auf, um sich der Pflege ihres demenzkranken Vaters zu widmen. Als er vor knapp einem Jahr verstarb, kam die Hiobsbotschaft vom Amt: Sie muss raus. Laut Sozialgesetzbuch stehen der Mutter und ihrer zwölfjährigen Tochter weniger Wohnfläche zu, als sie hat. Seitdem sucht sie in Baden-Baden verzweifelt nach einem neuen Zuhause. Dirk Eckart wirbt für ein Leben in Mittelsachsen Alles drängt in die pulsierenden Großstädte - warum aber nicht mal über Mittelsachsen nachdenken? Das schlägt Gerüstbauunternehmer Dirk Eckart vor. Mit Kinospots wirbt der Mittelständler für seine Region und lockt mit günstigen Mieten und Baugrundstücken. Seine Firma sucht händeringend Fachkräfte aus dem Westen: "Bei uns kann sich jeder normale Arbeiter seinen Traum vom eigenen Häuschen mit Garten verwirklichen - Schulen, Kitas, Vereine inklusive." Claudia Treuer lebt mit ihrer Familie in einer Notunterkunft Bereits 2016 war Claudia Treuer zu Gast im "Nachtcafé" und schilderte ihre verzweifelte Wohnungssituation. Nachdem der Buchhalterin wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, setzte sie alle Hebel in Bewegung, um etwas Neues zu finden - vergeblich. Schließlich kam die vierköpfige Familie in Pfungstadt in einer städtischen Notunterkunft unter. An ihrer Situation hat sich bis heute nichts geändert: "Das Thema Wohnung bestimmt unseren Alltag. Es macht uns alle psychisch fertig. Wir wollen einfach nur raus hier."

Thema:

Wohnung verzweifelt gesucht

Wer derzeit eine Wohnung sucht, ist nicht zu beneiden - vor allem in den Großstädten gestaltet sich die Suche durchaus schwierig. Eine hohe Nachfrage bringt hohe Preise mit sich. Arm und Reich wohnen dadurch immer weiter voneinander entfernt. Zwar boomt der Wohnungsbau - doch bei Weitem nicht in ausreichendem Maße. Seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen um 60 Prozent gesunken. Insgesamt werden pro Jahr 70.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Die Baukosten steigen hingegen auch aufgrund staatlicher Auflagen. Spekulanten treiben Immobilienpreise und Mieten ins Unermessliche - und langjährige Mieter sind mit den Nerven am Ende, weil sie nach einer Komplettsanierung ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können. Wohnen wird immer mehr zur existenziellen Frage. Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen: Miriam Garufo musste nach einer Luxussanierung aus ihrer Mietwohnung ausziehen "Wir wurden mit allen Mitteln aus unserer Wohnung entmietet." Eine Luxussanierung kündigte die Investorfirma für Miriam Garufos Wohnung an - dabei zog sie alle Register: Dauerbaustelle, Heizungsausfall, Wasserschaden - begleitet von einer saftigen Mieterhöhung und vielen Anwaltsschreiben des Eigentümers. Nach Schikanen und langem Psychoterror gab die junge Mutter auf - und zog in eine viel zu kleine Wohnung. Seitdem sucht das Paar in München vergeblich nach einer bezahlbaren ausreichend großen Bleibe. Barbara Bosch, Oberbürgermeisterin in Reutlingen, beklagt Auflagen des Bundes Starke Nachfrage, hohe Mieten - so ist die Situation nicht nur in den Metropolen, sondern auch im Umland. Auch in Reutlingen, 40 Kilometer von Stuttgart entfernt, ist die Wohnungslage angespannt. Barbara Bosch ist dort seit 15 Jahren Oberbürgermeisterin und kennt die Nöte der Bürger - aber auch die Schwierigkeiten und Hürden, für mehr Wohnraum zu sorgen: "Es gibt viele Auflagen zu beachten, die der Bund vorgibt." Prof. Günter Rausch kämpft für bezahlbaren Wohnraum "Wohnen ist Menschenrecht und ein Grundbedürfnis, eine Wohnung darf keine Ware sein." Dafür kämpft Prof. Günter Rausch: "Es ist die Aufgabe des Staates, für ausreichend Wohnraum zu sorgen und regulierend einzugreifen." Rausch kritisiert, dass der soziale Wohnungsbau über Jahre fast zum Erliegen kam. Die Leidtragenden dieser fehlgeleiteten Politik seien vor allem die Schwachen der Gesellschaft. Der Staat habe hier eine Verantwortung, der er nicht nachkomme, so der Freiburger. Kruno Crepulja hält nichts von der Mietpreisbremse Von staatlichen Regulierungen wie einer Mietpreisebreme hält Kruno Crepulja überhaupt nichts. Er ist CEO eines börsennotierten Unternehmens, das 8.900 Wohneinheiten im Portfolio und als Ziel eine nachhaltige Profitabilität hat. Der Firmenfokus liegt auf Neubauten in Top-Metropolen sowie Sanierungen von Gebäuden. Seine Preis-Entwicklungsprognose ist eindeutig: "Lange Zeit waren Immobilien in Deutschland unterbewertet. Vor allem Wohnungen in Ballungsräumen sind eine sehr gute Investition, die Lage wird sich keinesfalls entspannen." Wolfgang Fischer vermietet ein Mehrfamilienhaus in München zu fairen Preisen Auf Kosten der Vermieter saftige Renditen einfahren? Das würde Wolfgang Fischer nie in den Sinn kommen. Der Schauspieler ist Besitzer eines Mehrfamilienhauses in München, das ihm seine Tante vererbt hat. Von seinen Mietern verlangt er deutlich weniger, als er könnte. Lukrative Angebote von Investoren für die Millionenimmobilie lehnt er kategorisch ab und stellt sich schützend vor seine Mieter: "Heutzutage geht es nur noch ums Geld - und das, obwohl Deutschland immer ein Vorbild für Seriosität war. " Heidi Weimann sucht verzweifelt nach einem neuen Zuhause "Nur Absagen!". Heidi Weimann ist alleinerziehend und arbeitslos - und mit diesen Kriterien bei der Wohnungssuche nahezu chancenlos. Vor Jahren gab die Therapeutin ihren Job auf, um sich der Pflege ihres demenzkranken Vaters zu widmen. Als er vor knapp einem Jahr verstarb, kam die Hiobsbotschaft vom Amt: Sie muss raus. Laut Sozialgesetzbuch stehen der Mutter und ihrer zwölfjährigen Tochter weniger Wohnfläche zu, als sie hat. Seitdem sucht sie in Baden-Baden verzweifelt nach einem neuen Zuhause. Dirk Eckart wirbt für ein Leben in Mittelsachsen Alles drängt in die pulsierenden Großstädte - warum aber nicht mal über Mittelsachsen nachdenken? Das schlägt Gerüstbauunternehmer Dirk Eckart vor. Mit Kinospots wirbt der Mittelständler für seine Region und lockt mit günstigen Mieten und Baugrundstücken. Seine Firma sucht händeringend Fachkräfte aus dem Westen: "Bei uns kann sich jeder normale Arbeiter seinen Traum vom eigenen Häuschen mit Garten verwirklichen - Schulen, Kitas, Vereine inklusive." Claudia Treuer lebt mit ihrer Familie in einer Notunterkunft Bereits 2016 war Claudia Treuer zu Gast im "Nachtcafé" und schilderte ihre verzweifelte Wohnungssituation. Nachdem der Buchhalterin wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, setzte sie alle Hebel in Bewegung, um etwas Neues zu finden - vergeblich. Schließlich kam die vierköpfige Familie in Pfungstadt in einer städtischen Notunterkunft unter. An ihrer Situation hat sich bis heute nichts geändert: "Das Thema Wohnung bestimmt unseren Alltag. Es macht uns alle psychisch fertig. Wir wollen einfach nur raus hier."



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