Nachtcafé

Talk, Talkshow
Nachtcafé

Infos
Internet: www.SWR.de/nachtcafe
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
1987
SWR
Fr., 05.10.
22:00 - 23:30


Inkontinenz, Geschwisterinzest oder Pornosucht - wer spricht in seinem Freundeskreis schon ganz offen und unverblümt über solch intime Details? Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Tabus. Es sind die ungeschriebenen Gesetze und Benimmregeln des menschlichen Zusammenlebens. Wer dagegen verstößt, wird abgestraft und ausgegrenzt. Bereits Kleinkinder lernen, was "richtig" ist, was man nicht machen oder sagen darf. Wer das Tabu bricht, erntet betretenes Schweigen, Kopfschütteln oder scharfe Blicke. Er riskiert auch, dass sich sein Umfeld von ihm distanziert. Und so schweigt die Managerin darüber, dass sie seit Jahren nur mit der täglichen Dosis Kokain ihren Job durchstehen kann. Ebenso der Nachbar, der hinter den Vorhängen mit seiner lebensechten Silikonpuppe auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzt - keiner von ihnen wird aus Scham und Angst, sein Gesicht zu verlieren, darüber seinen Kollegen berichten. Toleranz, Offenheit und Vielfalt gelten als Gesellschaftsideale, dennoch löst es eine Medienwelle aus, wenn sich ein ehemaliger Fußballprofi als homosexuell outet. Oder sich eine Autorin über ihre Körpersäfte auslässt. Dennoch gibt es Demonstrationen, wenn Grundschüler über Transsexualität aufgeklärt werden sollen oder religiös besetzte Symbole karikiert werden. Was in Deutschland vielleicht längst kein Tabu mehr bricht, kann in anderen Kulturen unter Umständen lebensbedrohlich sein. Im "Nachtcafé" wird geredet, worüber andere schweigen: "Die letzten Tabus - was keiner wissen darf". Die Gäste bei Michael Steinbrecher: Jahrelang hielt es der Schauspieler und Mädchenschwarm in der Öffentlichkeit geheim, niemand sollte von seiner Homosexualität erfahren - aus Scham und Angst vor dem Karriereknick. Vor vier Monaten machte Jochen Schropp dann aber doch Schluss mit dem Versteckspiel und lüftete das Geheimnis. Seitdem lebt er offen schwul. Dies war für ihn auch im 21. Jahrhundert kein leichter Schritt: "Ich spürte aber eine Verpflichtung, anderen Mut zu machen. Und fühle mich seither befreit." Auch Meggie Beck ist mit einem großen Geheimnis groß geworden, um das in ihrer Familie immer ein Mantel des Schweigens gelegt wurde. Über ihre Herkunft und ihren Vater wurde nie gesprochen, stattdessen bekam sie in ihrem Dorf auf der Schwäbischen Alb schon früh zu spüren, dass etwas mit ihr anders ist. Es mussten fast 70 Jahre vergehen, bis sie die Antwort darauf bekam, was früher nie ausgesprochen wurde: "Ich war eine Schande für meine Familie, denn mein Vater war ein französischer Gendarm und ich ein Besatzungskind." Auch in Bettinas Familie gab es ein dunkles Familiengeheimnis. Lange Zeit hielt sie den Falschen für ihren Vater, bis sie vor zwei Jahren durch einen Gentest auf die schockierende Lösung für ihre gesundheitlichen Beschwerden kam: Inzucht. Bettina leidet an einer seltenen Erbkrankheit. Der Grund: Ihre Eltern sind eng miteinander verwandt, ihr Vater ist der Bruder ihrer Mutter. Als sie daraufhin ein klärendes Gespräch mit ihrem Erzeuger suchte, stieß sie auf taube Ohren: "In meiner Familie ist das Thema nach wie vor tabu." Darüber spricht man nicht - das kennt auch Robin Rehmann. Lange bewegte sich der junge Schweizer nur auf der Überholspur, keine Party war ihm zu wild, als Punkmusiker keine Bühne zu klein. Bis ihn vor sechs Jahren eine Darmerkrankung zu einer radikalen Veränderung zwang. Plötzlich gehörten Inkontinenz und das Gefühl, sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben, zu seinem Alltag: "Auch, wenn es kein appetitliches Thema ist, ich will darüber reden." Auch für Rüdiger Striemer gab es lange nur eine Richtung - immer steil nach oben. Striemer erkämpfte sich den Stuhl in der Firmen-Chefetage und lieferte ein hohes Arbeitspensum ab. Vor Kollegen Schwäche zu zeigen, entsprach nicht seinem Selbstbild, stattdessen war Funktionieren das oberste Gebot. Viel zu lange überhörte der erfolgsverwöhnte IT-Manager die Warnsignale seines Körpers, bis eines Tages gar nichts mehr ging: "Ich wusste nur noch einen Ausweg: Mich selbst in die Psychiatrie einzuweisen." Wie entstehen Tabus, warum richten sich Menschen überhaupt danach und was sagen sie über die vermeintlich offene und tolerante Gesellschaft aus? Prof. Hartmut Schröder forscht seit 30 Jahren darüber. Als Professor für Sprachgebrauch weiß er, wie Sprachtabus entstehen und warum man etwas als eklig, ungeheuerlich oder verboten empfindt. Der Sozialwissenschaftler kann aber Tabus durchaus auch etwas Positives abgewinnen: "Regelbrüche können auch Entwicklung bedeuten."

Thema:

Die letzten Tabus - was keiner wissen darf

Inkontinenz, Geschwisterinzest oder Pornosucht - wer spricht in seinem Freundeskreis schon ganz offen und unverblümt über solch intime Details? Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Tabus. Es sind die ungeschriebenen Gesetze und Benimmregeln des menschlichen Zusammenlebens. Wer dagegen verstößt, wird abgestraft und ausgegrenzt. Bereits Kleinkinder lernen, was "richtig" ist, was man nicht machen oder sagen darf. Wer das Tabu bricht, erntet betretenes Schweigen, Kopfschütteln oder scharfe Blicke. Er riskiert auch, dass sich sein Umfeld von ihm distanziert. Und so schweigt die Managerin darüber, dass sie seit Jahren nur mit der täglichen Dosis Kokain ihren Job durchstehen kann. Ebenso der Nachbar, der hinter den Vorhängen mit seiner lebensechten Silikonpuppe auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzt - keiner von ihnen wird aus Scham und Angst, sein Gesicht zu verlieren, darüber seinen Kollegen berichten. Toleranz, Offenheit und Vielfalt gelten als Gesellschaftsideale, dennoch löst es eine Medienwelle aus, wenn sich ein ehemaliger Fußballprofi als homosexuell outet. Oder sich eine Autorin über ihre Körpersäfte auslässt. Dennoch gibt es Demonstrationen, wenn Grundschüler über Transsexualität aufgeklärt werden sollen oder religiös besetzte Symbole karikiert werden. Was in Deutschland vielleicht längst kein Tabu mehr bricht, kann in anderen Kulturen unter Umständen lebensbedrohlich sein. Im "Nachtcafé" wird geredet, worüber andere schweigen: "Die letzten Tabus - was keiner wissen darf". Die Gäste bei Michael Steinbrecher: Jahrelang hielt es der Schauspieler und Mädchenschwarm in der Öffentlichkeit geheim, niemand sollte von seiner Homosexualität erfahren - aus Scham und Angst vor dem Karriereknick. Vor vier Monaten machte Jochen Schropp dann aber doch Schluss mit dem Versteckspiel und lüftete das Geheimnis. Seitdem lebt er offen schwul. Dies war für ihn auch im 21. Jahrhundert kein leichter Schritt: "Ich spürte aber eine Verpflichtung, anderen Mut zu machen. Und fühle mich seither befreit." Auch Meggie Beck ist mit einem großen Geheimnis groß geworden, um das in ihrer Familie immer ein Mantel des Schweigens gelegt wurde. Über ihre Herkunft und ihren Vater wurde nie gesprochen, stattdessen bekam sie in ihrem Dorf auf der Schwäbischen Alb schon früh zu spüren, dass etwas mit ihr anders ist. Es mussten fast 70 Jahre vergehen, bis sie die Antwort darauf bekam, was früher nie ausgesprochen wurde: "Ich war eine Schande für meine Familie, denn mein Vater war ein französischer Gendarm und ich ein Besatzungskind." Auch in Bettinas Familie gab es ein dunkles Familiengeheimnis. Lange Zeit hielt sie den Falschen für ihren Vater, bis sie vor zwei Jahren durch einen Gentest auf die schockierende Lösung für ihre gesundheitlichen Beschwerden kam: Inzucht. Bettina leidet an einer seltenen Erbkrankheit. Der Grund: Ihre Eltern sind eng miteinander verwandt, ihr Vater ist der Bruder ihrer Mutter. Als sie daraufhin ein klärendes Gespräch mit ihrem Erzeuger suchte, stieß sie auf taube Ohren: "In meiner Familie ist das Thema nach wie vor tabu." Darüber spricht man nicht - das kennt auch Robin Rehmann. Lange bewegte sich der junge Schweizer nur auf der Überholspur, keine Party war ihm zu wild, als Punkmusiker keine Bühne zu klein. Bis ihn vor sechs Jahren eine Darmerkrankung zu einer radikalen Veränderung zwang. Plötzlich gehörten Inkontinenz und das Gefühl, sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben, zu seinem Alltag: "Auch, wenn es kein appetitliches Thema ist, ich will darüber reden." Auch für Rüdiger Striemer gab es lange nur eine Richtung - immer steil nach oben. Striemer erkämpfte sich den Stuhl in der Firmen-Chefetage und lieferte ein hohes Arbeitspensum ab. Vor Kollegen Schwäche zu zeigen, entsprach nicht seinem Selbstbild, stattdessen war Funktionieren das oberste Gebot. Viel zu lange überhörte der erfolgsverwöhnte IT-Manager die Warnsignale seines Körpers, bis eines Tages gar nichts mehr ging: "Ich wusste nur noch einen Ausweg: Mich selbst in die Psychiatrie einzuweisen." Wie entstehen Tabus, warum richten sich Menschen überhaupt danach und was sagen sie über die vermeintlich offene und tolerante Gesellschaft aus? Prof. Hartmut Schröder forscht seit 30 Jahren darüber. Als Professor für Sprachgebrauch weiß er, wie Sprachtabus entstehen und warum man etwas als eklig, ungeheuerlich oder verboten empfindt. Der Sozialwissenschaftler kann aber Tabus durchaus auch etwas Positives abgewinnen: "Regelbrüche können auch Entwicklung bedeuten."



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